28 Millionen in 7 Jahren für Roman Josi – Ist das gerecht?

456 Franken Stundenlohn, - auch im Schlaf !!!

10'950 Franken jeden Tag! Auch im Sommer! Auch in den Ferien! 456 Franken jede Stunde! Selbst wenn er schläft, Computerspiele spielt oder die Freundin vernascht! 7.60 Franken jede Minute! Beim Schäfchen zählen zum einschlafen. Ist das gerecht?

Blog • • von Bruno Wüthrich

Wir wollen nicht lange darum herum lamentieren: Der Markt bestimmt den Preis. Das ist in der Marktwirtschaft so, und dies hat auch seine Logik. Immerhin wird das Geld umgesetzt, eingebracht, es kommt rein durch Zuschauer-Einnahmen, Sponsoring, Fernsehrechte, Wurst und Bier, bzw. Hamburger und anderes ekliges Zeug, was die Amis so in sich hinein schlingen. Und was an Geld rein kommt, muss zwangsläufig in irgendwelchen Taschen oder auf irgendwelchen Konten landen. Oder anders gesagt: Was Roman Josi nicht kassiert, landet in anderen Taschen.

 

Die Frage nach der Gerechtigkeit lässt sich nicht so einfach beantworten. Denn entscheidend ist, mit wem oder was wir die Zahlen vergleichen. Zum Beispiel brachte es Daniel Vasella auf einen Jahresverdienst von 41 Millionen Franken. Das sind 13 Millionen mehr, als Roman Josi in sieben Jahren verdient. Selbst wenn wir berücksichtigen, dass Vasellas jährliche Präsenz- und Arbeitszeit diejenige Josis um ca. das dreifache übersteigt, können wir die Differenz nicht mit der Arbeitszeit begründen. Entscheidend ist hier das Ergebnis der Arbeit. Und da rechtfertigten Vasellas fleissige und fähige Mitarbeiter dessen hohen Verdienst. Gerecht oder nicht? So genau wissen wir es noch nicht. Suchen wir weiter.

 

Oder der Börsenspekulant, dessen Aktien gerade um ein paar Prozentpunkte gestiegen sind, weil die Firma, deren Wertpapiere er hält, kürzlich einen massiven Stellenabbau verkündete. Damit kann einer innerhalb von einer Stunde schon mal eine schlappe halbe Million verdienen. Oder – noch cleverer – derjenige, der reaktionsschnell eine Missernte in Asien ausnutzt und hunderte von Tonnen Reis ordert, weil er weiss, dass dieses Nahrungsmittel infolge miserabler Witterungsverhältnisse knapp, und deshalb massiv im Preis steigen wird. Und der sich bewusst ist, dass aufgrund seiner Kauf-Intervention der Preis dieses weltweit wichtigen Nahrungsmittels sogar noch stärker steigen wird, als dies ohnehin der Fall gewesen wäre. Millionen, ach was sage ich - Milliarden sind so schon verdient worden. Manchmal in wenigen Stunden. Schnelle Riesengewinne, die Menschen auf anderen Erdteilen damit bezahlen, dass sie noch etwas mehr hungern, als sie dies ohnehin schon taten! Trotzdem: Ein miserabler Vergleich. So kommen wir nicht drauf, ob Roman Josis Verdienst gerecht ist. Preisen wir sein Hockeyspiel. Damit nimmt er niemandem den Reis weg.

 

Oder vergleichen wir es mit einem Fabrikarbeiter, dem wir – seien wir grosszügig – einen Monatslohn von 6'000 Franken zubilligen, was bei 13 Monatslöhnen ein Jahresgehalt von 78'000 Franken ergibt. Roman Josi verdient mit spielen (nicht mit arbeiten) vier Millionen im Jahr. Um auf denselben Betrag (vier Mio) zu kommen, arbeitet unser Fabrikarbeiter etwas mehr als 51 Jahre. Und um auf den Betrag zu kommen, den Roman Josi in sieben Jahren verdient, molocht unser Arbeiter sage und schreibe 359 Jahre. Der Vergleich hinkt, denn jede/r hat es bemerkt, so lange arbeitet keiner, denn Menschen sterben wesentlich früher. Deshalb: Schlechter Versuch, herauszufinden, ob Roman Josis Einkommen gerecht ist. Zumal unser Büezer stolz darauf ist, dass die Schweiz Sportler hervor bringt, die es an die Weltspitze schaffen, und die ihn am Fernsehen, Internet, bei Gesprächen mit seinen Kollegen im Pausenraum, oder auch mal live im Stadion bestens unterhalten.

 

Ist also Roman Josis Verdienst gerecht? Fast sind wir geneigt, dies zu glauben. Aber wir könnten uns irren. Unser Irrtum könnte - je nach Gesichtspunkt - immer noch fatal sein. Zumindest wenn wir einen unserer schweizerischen Massstäbe anwenden. Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. Seit 1981 ist in der Bundesverfassung der Grundsatz verankert, dass Frauen und Männer Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit haben (BV Art. 8 Abs. 3). Dieser Grundsatz wurde 1996 im Gleichstellungsgesetz bestätigt (GlG Art. 3).

 

Zwar sind die Löhne bei Mitarbeitern des gleichen Geschlechts auch bei uns immer noch Verhandlungssache. Die Lohngleichheit gilt nur bei gleicher Arbeit und unterschiedlichem Geschlecht.

 

Aber wäre Roman Josi eine Frau, und die Nashville Predators eine Schweizerische Firma, würden uns die Feministinnen in den höchsten Tönen geigen, was gerecht ist und was nicht.

 

Denn selbst bei Roman Josis 28 Millionen ist klar: Andere verdienen mehr. Viel mehr! Sie spielen Eishockey, wie Roman Josi. Und damit kommen wir der Sache näher. Oder auch nicht.

 

Fazit dieses nicht ganz ernst zu nehmenden Beitrages: Freuen wir uns mit Roman Josi, dass er es geschafft hat. Seien wir froh, dass es Schweizer in diversen Sportarten an die Weltspitze schaffen. Und dabei 10'950 Franken täglich verdienen. Selbst in den Ferien. Was einen Monatslohn von 333'333.- Franken ergibt. Das sind ungefähr acht Mal mehr, als ein Bundesrat verdient. Aber ein Bundesrat, wir wissen es, arbeitet ja kaum...

 

Übrigens: Roger Federer verdient ungefähr 18 Mal mehr als Roman Josi. Da sieht selbst Daniel Vasella alt aus. Ist das gerecht?