Berner Zeitung, Stefan Kammermann

Am Schluss blieb nur die Wurst

Die Enttäuschung nach der Niederlage der SCL Tigers ist nach wie vor gross. Doch die Emmentaler Fans zeigten sich in der Ilfishalle nach der klaren Niederlage als faire Verlierer.

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«So eine Sch». Sandro Flühmann steht mit gesenktem Kopf am Spielfeldrand. Hinter der Plexiglas-Wand lässt der Antreiber der SCL-Tigers-Fans sein Megafon für einen kurzen Moment hängen. Im Finale um den NLB-Eishockey-Titel zwischen den SCL Tigers und den Herausforderern aus Visp scheint in der Ilfishalle kurz vor Ende des zweiten Drittels die Vorentscheidung gefallen zu sein.

 

Die Gäste aus dem Wallis haben soeben mit dem dritten Tor der Heimmannschaft einen weiteren Dämpfer versetzt. Den Kopf hängen lassen wird Sandro Flühmann indes nicht lange. «Ho, ho, hopp Langnau», brüllt
er nur Sekunden später in seinen Stimmverstärker. Die Fans auf der Stehrampe tun es im gleich. Und überhaupt, das mit über 6000 Zuschauern ausverkaufte Stadion bebt. Die Hoffnung stirbt schliesslich zuletzt.

 

Seiner Hoffnung Ausdruck gibt in der Drittelspause auch Langnaus Gemeindepräsident Bernhard Antener. «Jetzt bin ich doch etwas nervös, die Jungs müssen diesen Final jetzt wirklich stemmen», sagt er. Nicht zuletzt auch wegen der vielen Fans. «Genau das ist der Punkt», sagt derweil Daniel Frei. Der SCL-Tigers-Fan reist mit seinen Freunden seit Jahren aus dem Kanton Aargau an die Heimspiele der Langnauer Eishockeycracks. «Möglicherweise waren die Erwartungen der Fans und der damit verbundene Druck auf die Mannschaft zu gross», meint er, als die Entscheidung zuungunsten der SCL Tigers längst gefallen ist.

 

«Ich bin sehr enttäuscht»

Einer, der eben erst eine Niederlage verdauen musste,  ist Thomas Kropf, Stürmer der Unihockey Tigers. Nach einer starken Saison haben die Langnauer Unihockeyaner  kürzlich in der Finalissima um den Schweizer-Meister-Titel den Kürzeren gezogen, was das Team nicht hindert, am Dienstagabend für die Kollegen auf dem Eis einzustehen. «Jetzt spüre ich eine doppelte Leere», sagt Kropf nach Spielschluss. Von viel Leere spricht an diesem Abend ebenso Michael Küenzi aus Schwarzenegg. Sein Fanleibchen trägt die Nummer 87 von Alban Rexha. «Ich bin sehr enttäuscht», viel mehr bringt er nicht über die Lippen.

 

Klatschen für den Gegner

Dennoch, die Fans im Stadion zeigen sich als faire Verlierer. Als Gästecaptain Alain Brunold den Pokal für den NLB-Schweizer-Meister-Titel in die Höhe stemmt, zollen die Langnauer Fans dem Gegner mit Klatschen Respekt.

 

«Ein Aufstieg in die NLA wäre für diese Mannschaft sowieso zu früh», bilanziert unterdessen Arnold Lüthi. Der ehemalige Gemeindepräsident von Uetendorf und einstiger SVP-Grossrat besitzt seit 1974 ein Saisonabonnement und hat kaum ein Heimspiel der SCL Tigers verpasst. «Es ist doch besser, weiterhin in der NLB vorne mitzuspielen, als in der obersten Eishockeyliga zum Kanonenfutter zu werden», zieht der langjährige Fan seine ganz persönliche Bilanz.

 

Scharmützel am Rande

Auch wenn da und dort nach Spielschluss die eine oder andere Träne vergossen wird, marschieren die meisten Fans alsbald ruhig von dannen. Dennoch kommt es vor dem Stadion kurz zu einem lautstarken Intermezzo einiger Fans. Die örtlichen Sicherheitskräfte schlichten rasch.

 

«Aus polizeilicher Sicht ist alles ruhig verlaufen», sagt denn auch Christoph Gnägi, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern. Für Jenny Hadorn aus Bleiken und ihre Fangruppe bleibt jetzt Zeit für die SCL-Tigers-Wurst. «Diese schmeckt auch nach der Niederlage», sagt sie. Und: «Wir sind auch in der nächsten Saison wieder dabei.» Wenn es um die Wurst geht. 

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