Berner Zeitung, Philipp Rindlisbacher

Ausländerprobleme im Emmental

Vor dem Heimspiel heute Samstag gegen Olten liegen die Langnauer auf Rang 5. Der Rückstand auf die Spitze gründet nicht zuletzt auf den fehlenden Skorerpunkten der Ausländer.

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Zwei Ausländer darf ein NLB-Klub pro Partie einsetzen; in der Regel erhalten diese Spieler viel Eiszeit, sind oft die auffälligsten Figuren ihres Teams. Tore schiessen und Assists beisteuern steht im Pflichtenheft der Gastarbeiter. Es erstaunt daher nicht, figurieren acht Profis ohne Schweizer Pass in den Top Ten der NLB-Skorerliste. Bei neun von zehn Vereinen ist ein Ausländer der fleissigste Punktesammler; in Basel, Martigny, Visp, Ajoie und bei den GCK Lions folgt der beste Einheimische auf Rang 3.

 

Aus der Reihe tanzen die SCL Tigers. Die Zwillinge Claudio und Sandro Moggi sind die Langnauer Trumpfkarten und die besten Schweizer Skorer der Liga (je 10 Treffer). Die Produktivität des ausländischen Personals hingegen ist miserabel. 4 Prozent der Tigers-Tore gehen aufs Konto der Ausländer, oder eben 2 von 50! Es ist der mit grossem Abstand tiefste Wert aller Vereine. Die Zahlen sind halbwegs erklärbar: Der slowakische Angreifer Juraj Kolnik hat verletzungsbedingt noch keine Partie bestritten, sein tschechischer Ersatz Tomas Kurka war ein Reinfall. Dessen Landsmann Josef Straka wiederum war übergewichtig und faul – sein Vertrag wurde aufgelöst. So kommt es, dass die Tigers bereits vier Ausländer eingesetzt haben (mehr als jeder andere NLB-Verein), jedoch nur in 7 von 15 Spielen das Kontingent ausschöpften. Zweimal liefen sie ausschliesslich mit Schweizern ein.

 

Sparen für die Playoffs

Die SCL Tigers liegen zwar nur auf dem 5.Rang, mit 5 Punkten Rückstand auf Leader Langenthal hält sich die Differenz aber in Grenzen. Stellt sich die Frage, wo die Emmentaler stünden, hätten sie stets zwei leistungsfähige Ausländer einsetzen können. «Über solche Dinge diskutieren wir nicht», sagt Geschäftsführer Wolfgang Schickli. Lange Zeit liebäugelten die Verantwortlichen mit der Verpflichtung eines weiteren Ausländers. «Vorerst ist das kein Thema», sagt Schickli. Das Geld solle gespart werden, um hinsichtlich der Playoffs auf dem Markt aktiv werden zu können.

 

Bereits Mitte Oktober wechselte Kevin Hecquefeuille ins Emmental. Seit der Ankunft des französischen Nationalspielers ist die Verteidigung nicht mehr derart löchrig wie zu Meisterschaftsbeginn; der Absteiger wirkt stabiler, ungeachtet dessen, dass er am Dienstag in Basel 7 Gegentore kassierte. Captain Claudio Moggi bezeichnet Hecquefeuille als «Transferbombe». Womöglich wird dessen bis Ende Saison befristeter Vertrag vorzeitig verlängert. Das Toreschiessen indes ist nicht Hecquefeuilles Hauptaufgabe. «Die Schweizer müssen Verantwortung übernehmen», sagt Coach Bengt-Ake Gustafsson, «für sie ist das eine Chance, daran können sie wachsen». Heute (19.45 Uhr) gastiert Olten in Langnau, die Ilfishalle könnte ausverkauft sein. Übrigens: Bei den Solothurnern haben die Kanadier Shayne Wiebe und Justin Feser 19 von 51 Toren erzielt – oder über 37 Prozent

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