Torhüter raus bei unentschiedenem Spielstand:

Benoît Laporte handelte richtig !

Der Entscheid sorgte für viel Unmut. Die SCL Tigers nahmen beim Stand von 3:3 den Torhüter vom Eisfeld und verloren drei Sekunden vor Schluss mit 3:4.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Der Poker der SCL Tigers ging nicht auf. Bild: Marcel Bieri

Die Teilnahme am Playout-Final ist «gesichert». In den letzten drei Spielen der Klassierungsrunde geht es für die SCL Tigers und den EHC Biel lediglich noch darum, wer in der Serie gegen den letzten Rang Heimrecht geniesst. Die SCL Tigers haben vier Punkte Vorsprung, müssen jedoch noch in Biel antreten.

Der Entscheid, 48 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit bei unentschiedenem Spielstand den Torhüter raus zu nehmen, sorgte für Unmut. Viele der erbosten Fans argumentierten damit, dass die Langnauer statt der vier mindestens fünf, oder aber auch sechs Punkte Vorsprung auf Verfolger Biel hätten haben können, wenn die letzten 48 Sekunden mit Torhüter und auf Sicherheit gespielt worden wäre. Die «verschenkten» ein oder zwei Punkte könnten in der Abrechnung um das Heimrecht tatsächlich fehlen. Kritisiert wurde auch der Umstand, dass die Erreichung von Rang 10 auch bei einem Sieg innerhalb der regulären Spielzeit, also nach 60 Minuten und deshalb mit drei Punkten honoriert, kaum mehr möglich gewesen wäre. Die Rangliste hätte in dem Fall so ausgesehen:

Lausanne 70
Ambri 69
SCL Tigers 63
EHC Biel 56

Da die SCL Tigers sowohl gegen Ambri als auch gegen Lausanne ein weiteres Mal antreten können und sich zudem die Waadtländer und die Leventiner in einer Direktbegegnung ebenfalls noch Punkte abknöpfen, wäre ein Aufholen für die Emmentaler, weitere Siege vorausgesetzt, kein Ding der Unmöglichkeit gewesen, zumal sie gegen beide Gegner die bessere Bilanz aus den Direktbegegnungen ausgewiesen hätten. Bei drei Siegen und neun weiteren Punkten wären die Langnauer auf 72 Zähler gekommen. Dies hätte zur Sicherung des 10. Ranges reichen können, selbst wenn sowohl Lausanne als auch Ambri gegen den EHC Biel noch drei Punkte geholt hätten. Dann nämlich, wenn Lausanne die Direktbegegnung gegen Ambri nach 60 Minuten gewonnen hätte. Aber wer sagt denn, dass das erstarkte Biel diese beiden Spiele verloren hätte?

Die Chancen der SCL Tigers, den vorzeitig den Ligaerhalt sichernden 10. Rang nach 56 Runden noch zu erreichen, wären bei einem Dreipunktesieg im gestrigen Spiel gegen Ambri zwar klein, aber realisitisch gewesen. Es war deshalb die verdammte Pflicht von Benoît Laporte, alles auf eine Karte zu setzen. Es ging in diesem gestrigen Spiel noch nicht darum, den 11. Rang zu sichern, sondern einzig und allein darum, alles dafür zu tun, um es noch auf den 10. Rang zu schaffen.

Die Message an die Mannschaft

Es kommt ein weiterer Faktor dazu: Was wäre das für ein Signal an die Mannschaft gewesen, wenn der Coach die defensive Variante gewählt, Rang 10 abgeschrieben und dafür auf die Sicherung des Heimrechts im Playout-Final gesetzt hätte?

Die Message wäre gewesen: Ich traue der Mannschaft nicht zu, dass sie diese Serie gewinnt, wenn sie nicht das Heimrecht geniesst. Und ich traue der Mannschaft nicht zu, die vier Punkte Vorsprung, die sie drei Spiele vor Schluss auf den EHC Biel hat, über die Runden zu bringen. Mit Verlaub: Diese Denkweise wäre die Bankrotterklärung gewesen. Ein Coach, der so denkt, müsste auf der Stelle entlassen werden. Vor allem in der aktuellen Situation.

Wer zuversichtlich ist, wer mentale Stärke hat, und wer gewinnen will, denkt offensiv. Nur wer ängstlich ist, sich nichts mehr zutraut, denkt in der Situation, in welcher sich die SCL Tigers vor der letzten Minute des gestrigen Spiels befanden, defensiv. Das Signal, das Laporte mit dem – übrigens zusammen mit dem Team gefällten – Entscheid ausgesandt hat ist: «Wir riskieren jetzt alles, weil ich daran glaube, dass wir den Vorsprung auf den EHC Biel auch dann verteidigen, wenn wir heute keine Punkte holen.» Und etwas weiter gedacht: «Ich glaube an einen Sieg in der Serie gegen den EHC Biel, egal wer das Heimrecht geniesst.»

Der sportliche Aspekt

Eishockeyspieler sind Sportler. Sie tun, was sie tun, nicht allein, weil sie es gerne tun, sondern weil sie gewinnen wollen. Man spielt nicht, um zu verlieren, sondern um zu gewinnen. Man schreibt einen Rang nicht ab, wenn man ihn noch erreichen kann. So ist Sport. So ist vor allem auch der Spitzensport. Rang 10 war gestern eine Minute vor Spielschluss für die SCL Tigers noch möglich. Bei nur einem oder zwei realisierten Punkten wäre die Erreichung dieses Ranges zwar ebenfalls noch möglich gewesen, doch dann hätte derart viel für die Langnauer laufen müssen, dass ein Glaube daran wirklich illusorisch gewesen wäre. Eine realistische, wenn auch nur kleine Chance gab es nur bei voller Punktzahl.

Zu denken gibt nicht die gestrige Niederlage, bei der alles auf eine Karte gesetzt, aber verloren wurde. Zu denken geben viel mehr die beiden Auftritte gegen die Kloten Flyers zum Schluss der Qualifikation und das Spiel vom letzten Samstag gegen den EHC Biel. Denn das waren die Spiele, in denen die SCL Tigers viel hätten dafür tun können, sich zum Ende der Platzierungsrunde den 10. Rang zu sichern. Doch sie versagten in diesen wichtigen Spielen auf der ganzen Linie, zeigten sich erschreckend leidenschafts- und emotionslos, erwachten jeweils erst, als es zu spät war. Diese Spiele – zumal in einer solch wichtigen Phase – sind zu kritisieren. Nicht das gestrige Spiel gegen Ambri!

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