Bircher: «War bei den Löhnen zu leichtgläubig»

Klotens ehemaliger Präsident Jürg Bircher spricht mit 20 Minuten Online über seine Fehler, seine Hoffnungen und was er heute besser machen würde.

Presse • • von 20 Minuten-online, Klaus Zaugg

Klotens Ex-Präsident Jürg Bircher gesteht im Interview mit 20 Minuten Online Fehler während seiner Amtszeit ein und befürchtet, dass man ihn in der nächsten Saison nicht mehr im Stadion sehen will.

Wenn Sie noch einmal von vorne anfangen könnten – was würden Sie anders machen?
Jürg Bircher: Ich hätte bei der Übernahme des Präsidentenamtes mit meinem Vorgänger Peter Bossert einen viel härteren und präziseren Vertrag abschliessen müssen. Dann hätte ich nicht so viele Altlasten von ihm übernehmen müssen. Wenn jeweils ein ausländischer Spieler verletzt ausgefallen ist, dann hätte ich cooler bleiben sollen und nicht gleich den Wünschen des Trainers nachgeben und einen Ersatz holen sollen. Und schliesslich war ich bei den Löhnen zu leichtgläubig. Ich hätte meinem Sportchef besser auf die Finger schauen sollen.

  

Aber die Verantwortung für die Lohnexzesse tragen Sie und nicht Sportchef Jürg Schawalder.
Keine Frage: Die Verantwortung liegt bei mir und das bestreite ich nicht. Ich habe den Fehler gemacht, dass ich meinem Angestellten zu viel geglaubt habe.

Wie meinen Sie das?
Wenn der Sportchef mir sagte: So und so viel müssen wir bezahlen, sonst geht dieser oder jener Spieler und nur wenn wir so viel zahlen kommt dieser oder jener Spieler – dann habe ich das geglaubt. Ich habe mich nicht auch noch selber mit den Agenten in Verbindung gesetzt.

Wie haben Sie es nur geschafft, die Lizenz immer wieder zu bekommen?
Das war überhaupt kein Problem.

Aber Sie haben offensichtlich getrickst.
Überhaupt nicht. Ich habe immer getreulich die Forderungen der Lizenzkommission erfüllt. Wenn mehr Liquidität gefordert wurde, dann habe ich die einfach mit Darlehen eingebracht.

Wie sehen Sie die Zukunft der Kloten Flyers?
Ich bin wahnsinnig glücklich, dass es eine Lösung gibt. Es ist Philippe Gaydoul hoch anzurechnen, dass er eingestiegen ist. Der neue Trainer Felix Hollenstein wird wie verrückt arbeiten um zu beweisen, dass er auch als Trainer Titel gewinnen kann. Wenn neben Dupont und Santala noch zwei günstige Kanadier geholt und alle Ausländerpositionen besetzt werden – ich gehe davon aus, dass das passieren wird – dann ist nächste Saison alles möglich, sogar ein Titel.

Werden Sie nächste Saison im Stadion anzutreffen sein?
Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Ich denke aber, dass man mich nicht mehr sehen möchte.

Sind Sie persönlich in den letzten Wochen angegriffen worden?
Es war schlimm. Aber darüber möchte ich nicht reden.

Geben Sie Adi Fetscherin die 750 000 Franken zurück, die er Ihnen für das nunmehr wertlose 30-Prozent-Aktienpaket bezahlt hat?
Nein. Peter Bossert und ich habe unsere Aktien ja auch bedingungs- und entschädigungslos übergeben. Es ist wie bei den Lohnkürzungen der Spieler: Die gleichen Bedingungen für alle.

Die Sanierer haben erklärt, Sie hätten für Forderungen der Kloten Flyers gegen Sie und ihre Firmen Gegenforderungen geltend gemacht. Folgt da noch ein juristisches Nachspiel?
Das Kapitel Kloten Flyers ist für mich zu Ende.

Kein juristisches Nachspiel?
Zu diesem Thema möchte ich mich nicht äussern.

Können Sie nach dem Debakel bei den Kloten Flyers Ihre Firmengruppe retten?
Wir arbeiten an der Rettung, wir kämpfen.

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