SCL Tigers - SC Bern 4:2 (1:2, 2:0, 1:0)

Blitzsauberer Derbysieg nach totalem Fehlstart

Welch grosses Kino! Die SCL Tigers rangen im ersten richtigen Berner-Derby seit vielen Jahren den grossen Kantonsrivalen SC Bern mit 4:2 nieder. Dabei sah es nach 120 Sekunden noch nach einem Debakel aus.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

 

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1. Drittel, 1,08 Minuten gespielt. Die SCL Tigers waren noch nicht bereit. Die FANTIGER-Fotografin jedoch schon. Hier fällt das 0:1 für den SCB. Bild: Susanne Bärtschi.

 

Die SCL Tigers wissen, welches Publikum sie unterhalten müssen. Es ist nicht jenes in Genf, und auch nicht das in Fribourg. Wichtig ist der eigene Anhang. Diesen haben die Langnauer in dieser Saison trotz der einen oder anderen Heimniederlage in dieser Saison noch nie enttäuscht. Stets stimmte die Einstellung, immer war totaler Kampfgeist angesagt. Aber das, was die Tiger in diesem ersten echten Bernerderby seit vielen Jahren gezeigt haben, war allererste Sahne, beste Unterhaltung und Emotionen pur. Da kann man nur sagen: Vielen Dank! Wir wollen mehr davon!

 

So etwas nennt man einen klassischen Fehlstart. Nach zwei Minuten lagen die für ihre behäbigen Starts bekannten SCL Tigers bereits mit zwei Toren in Rückstand. Als das 0:1 durch Martin Plüss fiel, war das Spiel gerade mal 68 Sekunden alt. Zuvor waren beide Teams bestrebt, gleich Zeichen zu setzen, was den Bernern viel besser gelang als den Langnauern. Damiano Ciaccio im Tiger-Tor agierte beim ersten Gegentreffer unglücklich. Der Puck, der eigentlich schon abgewehrt schien, fand den Weg via seiner Schulter ins Gehäuse. Und nach zwei Minuten führten die Berner bereits mit 2:0. Ramon Untersander zog von der blauen Linie ab. Dieser Schuss schien nicht unhaltbar. Die Tiger wirkten in dieser Startphase total überfordert. Damiano Ciaccio nicht auf der Höhe des Geschehens. Tigers-Coach Benoît Laporte nahm bereits sein Time out. Ich sagte meinen Spielern «Cool down, spielt euer Spiel, denn so konnte es ja nicht weiter gehen» verriet der Tigers-Coach den Grund für die Wandlung seiner Mannschaft. Doch wer hätte zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass der Bär sein Pulver bereits verschossen hat?

 

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Wer hätte gedacht, dass der SC Bern nach der 2. Minute sein Pulver schon verschossen hat? Danach jubelten nur noch die SCL Tigers. Hier Evgeni Chiriaev nach dem Anschlusstreffer zum 1:2. Bild: Susanne Bärtschi

 

Man weiss hinterher nie, für was etwas gut war. Wie hätten die SCL Tigers gespielt, wenn sie nicht derart miserabel ins Spiel gestartet wären? Hätten sie vielleicht vorsichtig taktisch agiert, und dann nach gutem Spiel doch verloren? Waren die Tiger nach dem frühen Rückstand von der Rolle? Nein! Verunsichert? Eine Weile sicherlich schon. Doch sie fingen sich schnell und dies war auch notwendig. Denn sie waren nun gezwungen, frühzeitig zu reagieren. In der 5. Minute hatte Anton Gustafsson eine gute Chance, nutzte diese jedoch nicht. Das Spiel war jetzt ausgeglichen, die Tiger vermehrt am Drücker, was sich in der 13. Minute auszahlte. Lukas Haas schickte Evgeni Chiriaev auf die Reise, welcher allein auf SCB-Hüter Marco Bührer loszog und diesen backhand bezwang. Mit dem 1:2 Rückstand ging es in die erste Pause.

 

Im Mitteldrittel machten die Stadtberner zwei Erfahrungen: 1.) Wenn sie nicht Gas gaben, waren die Tiger brandgefährlich und drückten aufs Tempo. 2.) Wenn sie Gas gaben, war ihr Gegner zwar unter Druck, aber eben nicht mehr überfordert. Das Langnau aus der Startphase war nicht mehr das Langnau des weiteren Spielverlaufs. Langnau drückte, Langnau war unter Druck, aber es waren die Einheimischen, die im Mitteldrittel die Tore schossen. Mit zwei wunderschönen Tore gaben Kévin Hecquefeuille (22.) und Nils Berger (38.) dem Spiel eine Wende. Der Ausgleich fiel nach einem blitzschnell und präzise vorgetragenen Angriff, bei dem der französische Nationalverteidiger im Slot mit viel Zeit zum Abschluss kam, welchen er via Pfosten erfolgreich vollendete. Beim Führungstreffer erkämpfte sich Topscorer Chris DiDomenico hinter dem gegnerischen Tor den Puck, spielte zum an der blauen Linie frei stehenden Nils Berger, der Bührer mit einem präzisen Schuss keine Chance liess.

 

Im Schlussdrittel war dann die Langnauer Defensive gefordert. Denn die Berner drückten nun mit aller Macht auf den Ausgleich. Die Langnauer wurden teilweise richtiggehend eingeschnürt. Doch die richtig grossen Torgelegenheiten erspielten sich die Berner nicht. Zwar schossen sie aus allen Lagen und sorgten damit dafür, dass Damiano Ciaccio weder kalt noch langweilig wurde, doch was auf dessen Tor kam, war seine Beute. Selbst das letzte Tor, Berns Hüter Bührer war schon draussen, war einer kämpferischen Einstellung zu verdanken. Chris DiDomenico erlief sich gegenden hintersten Berner den Puck, behändigte ihn hinter dem Tor, und bediente von da aus Sandro Moggi, welcher nur noch einzuschieben brauchte. Etwas grundsätzliches zu Ciaccio: Er hatte gestern in Genf wie das ganze Team nicht seinen besten Tag, und er begann heute unglücklich. Doch wer danach in seiner Manier den Match doch noch reisst, ist ein guter, oder gar sehr guter Torhüter. Denn diese Performance nach schwierigen Momenten zeugt von grosser mentaler Stärke. Und dass Ciaccio Talent hat, wissen wir längst.

 

Doch natürlich ist es nicht nur der Sieg des Torhüters. Denn dass die Berner nach ihrer frühen 0:2 – Führung nicht zu mehr guten Torgelegenheiten kamen, ist der disziplinierten, äusserst kämpferischen und taktisch klugen Leistung der ganzen Mannschaft zu verdanken. An diesem Wochenende ist das ganze Emmental glücklich. Nach dem kleinen Kantonalderby in Biel gewannen die Langnauer auch gegen den reichen SCB. Was gibt es schöneres?

 

 

SCL Tigers - SC Bern 4:2 (1:2, 2:0, 1:0)

 

Ilfishalle, 6'000 Zuschauer (ausverkauft). SR: Kurmann/Wehrli, Abegglen/Tscherrig. Tore: 2. (1.08) Plüss (Untersander, Bodenmann) 0:1. 2. (2.00) Untersander (Conacher) 0:2. 13. Chiriaev (Haas) 1:2. 22. Hecquefeuille (S. Moggi, Nüssli) 2:2. 38. N. Berger (DiDomenico) 3:2. 60. (59.50) S. Moggi (DiDomenico, ins leere Tor) 4:2. Strafen: Je 4-mal zwei Minuten.

 

SCL Tigers: Ciaccio; K. Lindemann, Hecquefeuille; Koistinen, Y. Müller; Ronchetti, Weisskopf; Gossweiler; Bucher, DiDomenico, Clark; Müssli, Gustafsson, S. Moggi; S. Lindemann, Chiriaev, Haas; T. Gerber, Wyss, N. Berger; A. Gerber. 2.00: Time out SCL Tigers. SC Bern von 59.00 bis 59.50 ohne Torhüter.

 

SC Bern: Bührer; Jobin, B. Gerber; Untersander, Helbling; Blum, Kreis; Randegger; Bodenmann, Plüss, Moser; Bergenheim, Roy, Scherwey; Rüfenacht, Smith, Conacher; Reichert, P. Berger, A. Berger. Hirschier.

 

Bemerkungen: SCL Tigers ohne Stettler, Bärtschi, Murray, C. Moggi, Zryd (alle verletzt), Albrecht (gesperrt), Haberstich (überzählig). SC Bern ohne Kobasev, Kruger, Ebbett (alle verletzt), Randegger, M. Müller (beide überzählig)

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