Wochen-Zeitung, Werner Haller

Chance erhalten, Chance genutzt

Miro Zryd: Der 20jährige Verteidiger wusste bis wenige Tage vor Meisterschaftsbeginn nicht, wohin sein Weg führt. Doch jetzt gehört er zweifellos zu den Entdeckungen der SCL Tigers.

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Miro Zryd hat die Gunst der Stunde genutzt. Das ist wesentlich leichter gesagt, als getan. Eine Chance zu erhalten und dann eine nicht so schnell wiederkehrende Möglichkeit auch selbstbewusst und entschlossen wahrzunehmen – das sind zwei grundverschiedene Situationen. Dem jungen Adelbodner ist es jedoch gelungen, von der Ausgangslage zu profitieren. Seine Leistungsentwicklung in der ersten NLB-Profisaison nahm in den letzten Wochen einen erstaunlich positiven Verlauf. Trotzdem ist er so cool geblieben, wie er auch spielt: «Es lief schon einiges für mich, das darf man nicht übersehen», sagt er schmunzelnd. «Das kann sich aber sehr schnell wieder ändern. Ich bin zufrieden, wenn ich spielen darf und dann versuche ich, das Beste daraus zu machen. Der Rest ergibt sich von selbst.»

 

Nun, ganz so unkompliziert war der Weg von Miro Zryd in den vergangenen neun Monaten doch nicht. Er benötigte in erster Linie eine gehörige Portion an Selbstinitiative, um dorthin zu gelangen, wo er heute steht. Nach der letzten Saison war er als Elitejunior der SCL Young Tigers nicht mehr spielberechtigt. Die Rückkehr zu seinem Stammklub, dem EHC Adelboden, und der Beginn eines Studiums, das war die eine Möglichkeit. Doch die Zeit für 1.-Liga-Eishockey und Universität war noch nicht gekommen. Miro Zryd wollte, und das war entscheidend, seine sportlichen Leistungsgrenzen kennen lernen. Er erkundigte sich bei Sportchef Jörg Reber, ob er auf eigene Kosten und mit der Unterstützung seines Vaters am Sommertraining der ersten Mannschaft teilnehmen dürfe. Der ehemalige Verteidiger mit grosser Vergangenheit gab dem jungen Verteidiger mit Zukunft eine Chance. Miro Zryd nutzte sie ebenso wie später die Einsatzmöglichkeiten, die er von Headcoach Bengt-Ake Gustafsson in den Testspielen erhielt. Und so kam es, dass er zehn Tage vor Meisterschaftsbeginn mit dem ersten Profieinjahresvertrag seiner Karriere ins Kader aufgenommen wurde. Doch wegen einer Schnittwunde im Bereich des Fussgelenkes figurierte er schon nach seinem ersten NLB-Spiel zuhause gegen Martigny selbst auf der überdurchschnittlich langen Verletztenliste der Langnauer. Sechs Wochen lang dauerte die Zwangspause, dann begann die Meisterschaft für Miro Zryd ein zweites Mal. Und wie. Seit seiner Rückkehr hat er 15 Spiele bestritten, in sechs der letzten acht Begegnungen immer gepunktet, ein Tor erzielt und sechs weitere vorbereitet. Er musste bei fünf gegen fünf Spieler nur zwei Mal mit einer Minus-1-Bilanz vom Eis und wurde auch schon im Powerplay eingesetzt.

 

Vertrauen mit Leistung zurückbezahlt

Miro Zryd hat als Profi- und NLB-Neuling die Gunst der Stunde also nicht nur wegen des Verletzungspechs der andern nutzen können, sondern auch, weil er das Vertrauen der Teamverantwortlichen mit Leistung zurückbezahlt hat. Es sei halt auch gut gelaufen, sagt der Adelbodner schon wieder und fügt hinzu: «Ich habe nicht in allen Spielen meine Möglichkeiten ausgeschöpft. Aber dafür zeigten andere gute Leistungen und haben mir damit geholfen. Die Ausgeglichenheit der vier Blöcke macht uns stark und erfolgreich. Das Wichtigste ist, dass immer Spieler da sind, die für den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage sorgen.»

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