Wochen-Zeitung, Werner Haller

Das «Ego» vor dem Stadion parkieren

Bryan Lefley, der tödlich verunglückte SCB-Meistertrainer von 1997, nannte einmal eine der vielen Besonderheiten der Playoffzeit.

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«Wenn ein Spieler während der Playoffzeit mit seinem Auto zum Training oder zu einem Match fährt, dann soll er neben seinem Wagen auch gleich noch sein ‹Ego› vor dem Stadion parkieren.» SCL Tigers-Allrounder Kim Lindemann meint das gleiche wie Bryan Lefley, drückt sein Motto aber anders aus: «In der Playoffzeit zählt nur eines, das Team, das Team und nochmals das Team. Ihm muss jeder einzelne Spieler alles unterordnen.» So wie er spricht, so spielt er auch, der 31-jährige Aroser. Er ist der geborene Mannschaftsspieler. Deshalb verwundert es auch nicht, dass er auf den 4:3-Heimsieg nach Verlängerung am Sonntag gegen Visp besonders stolz war: «Mit Hecquefeuille, Gustafsson und Adrian Gerber fehlten uns gleich drei Schlüsselspieler. Wir waren empfindlich geschwächt, fanden aber trotzdem irgendwie einen Weg, um zu gewinnen. Mit unserem Kampfgeist haben wir das nötige Wettkampfglück auf unsere Seite gezwungen. Auf diese Art und Weise als Mannschaft einen Sieg zu erringen, macht riesig Spass.»

 

Kim Lindemann steht nicht im Rampenlicht und in den Schlagzeilen wie die Topskorer, Torhüter und «Künstler». Seine technischen und läuferischen Fähigkeiten sind unspektakulär. Dafür gehört ihm umso mehr der Respekt der Trainer, Mannschaftskameraden und Gegner. Die Herzen der Fans erobert er sich ebenfalls, weil er mit seinem Einsatz, Kampfgeist, Fleiss und Willen in jedem Spiel von der ersten bis zur letzten Minute ein Vorbild ist. In Nordamerika gehören Spielertypen wie Kim Lindemann zur Kategorie der gefürchteten «Grinder». Frei übersetzt bedeutet das ungefähr soviel wie «Schleifer» oder «Mühlen», die zermalmen, was ihnen in den Weg kommt. Kim Lindemann ist geschaffen für die Playoffzeit. Wenn Härte, Intensität und Energie besonders gefragt sind, dann fühlt er sich in seinem Element. Schonung ist für ihn ein Fremdwort. Dabei hätte er allen Grund, da und dort einmal ein paar Prozent weniger hart und unerschrocken einzugreifen. Vor genau einem Jahr fehlte er in der Playoutserie gegen Rapperswil und der Ligaqualifikation gegen Lausanne wegen einer schweren Magenerkrankung und konnte mit dem Sommertraining erst Anfang Juli richtig beginnen. Und in der Qualifikation dieser Saison stand er wegen einer gravierenden Muskelverletzung im Oberschenkel während 17 Runden nicht zur Verfügung. Aber seit dem zweiten Playoff-Viertelfinal in La Chaux-de-Fonds spielt er wieder dort, wo ihn die Trainer benötigen. Einmal als Verteidiger und dann wieder am Flügel der vierten Angriffslinie mit den jungen Wyss, Albrecht, Sterchi oder Schlapbach. In der Skorerliste ist er wie gewohnt erst weit hinten zu finden. Ganz weit vorne aber dafür in der für das Team ebenso wertvollen Plus-/Minusbilanz: Sein Plus-6-Wert wird nur gerade von vier Teamkameraden übertroffen.