Wochen-Zeitung, Werner Haller

Das Ende des bunten Treibens naht

Anton Gustafsson: Neues Jahr, neuer Anlauf, neue Hoffnung. Der 24-jährige schwedische Stürmer mit Schweizer Lizenz möchte endlich einmal verletzungsfrei bleiben und zeigen, was er wirklich kann.

Presse •

Der Trainingsbetrieb der SCL Tigers ist ein buntes Treiben. Die einsatzfähigen Spieler trainieren in roten oder gelben Leibchen, die Angeschlagenen und Verletzten in blauen. Vor wenigen Tagen konnte Anton Gustafsson blau mit rot oder gelb vertauschen. Für ihn naht damit das Ende des bunten Treibens. Es fehlt nur noch das grüne Licht von Athletiktrainer Nik Hess, damit der Sohn von Headcoach Bengt-Ake Gustafsson nach der dritten Kreuzbandoperation zum ersten Meisterschaftsspiel in dieser Saison antreten kann. Anton Gustafsson kam Ende 2010 erstmals zu den SCL Tigers, doch in den bisherigen vier Saisons wurde er in seiner Entwicklung immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen und daran gehindert, sein wahres Können zu zeigen. Nicht weniger als 97 von 163 möglichen Spielen (rund 60 Prozent) hat der Pechvogel wegen Hirnerschütterungen, Rückenbeschwerden und Knieoperationen verpasst. «Ich hatte einige Male die Nase wirklich voll und dachte ans Aufhören», gibt Anton Gustafsson zu. «Aber meine Leidenschaft für das Eishockeyspiel blieb das stärkste aller Gefühle. Und so rappelte ich mich immer wieder auf und machte mich auf den langen Weg zurück.» Das körperliche Aufbautraining, sagt der Schwede, sei nur die eine Seite eines Wiederaufbaus. Die andere, die mentale Seite, sei wesentlich schwieriger zu verkraften: «Es ist eine Plage mehr zuschauen zu müssen, als spielen zu dürfen.» Diese Situation ist für Anton Gustafsson allerdings nicht neu. Er kennt sie aus seiner Zeit als Junior nur allzu gut. Als sein Vater Bengt-Ake 2006 als Headcoach der schwedischen Nationalmannschaft Olympia- und WM-Gold gewann, wurde Anton als einer der weltweit begabtesten Spieler entdeckt. Bei Frölunda Göteborg und in den schwedischen Juniorenteams gehörte er zu den dominantesten Spielern. Im Mai 2009 erhielt er von den Washington Capitals einen Dreijahresvertrag, der im Juli 2011 nach diversen Trainingscamps, gesundheitlichen und sportlichen Rückschlägen und Umwegen über die Farmteams vorzeitig aufgelöst wurde. «Das Kapitel NHL ist für mich abgeschlossen», weiss Anton Gustafsson. Das Kapitel SCL Tigers hat er mit nur 66 Spielen in vier Saisons verletzungsbedingt noch gar nie richtig anfangen können. Viel Zeit bleibt ihm in der laufenden Meisterschaft nicht mehr, um sein Talent zu beweisen. Will er sich für eine Vertragsverlängerung aufdrängen, muss er spätestens in den Playoffs zu den dominantesten Spielern der SCL Tigers gehören.

 

Ein Team voller Ausnahmetalente

 

Anton Gustafsson wurde in der Hockeyakademie der Frölunda «Indians» in Göteborg ausgebildet. Mit der U20-Mannschaft gewann er 2007 und 2008 als 16- und 17-Jähriger den Meistertitel in der höchsten schwedischen Juniorenliga. Das Team hatte überdurchschnittlich viel Potenzial. Nicht weniger als zwölf Spieler wurden von NHL-Klubs gedraftet, vier in der ersten und drei weitere in der zweiten Runde. Einer davon war Anton Gustafsson, der im Sommer 2008 als Nr. 21 von Washington ausgewählt wurde. Vier der ehemaligen Ausnahmetalente von Frölunda sind heute in der weltbesten Liga Stars oder gar Superstars. Verteidiger Erik Karlsson, der in der Hockeyakademie der «Indians» das Zimmer mit Gustafsson teilte, ist erst 24, verdient aber bei Ottawa bereits 6,5 Millionen Dollar pro Saison. Dann die beiden dänischen Stürmer Lars Eller (Montreal; 3,5 Millionen) und Mikkel Boedker (Arizona; 2,5) und Torhüter Robin Lehner (Ottawa; 2,225).

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