Wahl des Gemeindepräsidenten in Langnau

Das Wahlkampfthema Nr. 1 wird tunlichst vermieden

Es könnte das Wahlkampfthema Nr. 1 sein. Denn nichts bewegt die Einwohner der Gemeinde Langnau so sehr, wie die SCL Tigers. Aber die Kandidaten für das Amt des Gemeindepräsidenten weichen dem Thema mit schönen Phrasen aus.

• von Bruno Wüthrich

So viel sei vorweg genommen: Wir geben keine Wahlempfehlung ab. Weder der Fanclub SCL Tigers, noch FANTIGER-online noch ich selbst in meiner Eigenschaft als Co-Präsident, und über dieses Portal auch ein wenig das Sprachrohr des Vereins. Aber es ist nun mal eine Tatsache, dass gerade der Fanclub SCL Tigers, der ja in Langnau beheimatet und eingetragen ist, ein Interesse an der Zukunft der SCL Tigers hat. In der Vergangenheit haben wir gesehen, wie entscheidend es sein kann, dass führende Politiker dem Eishockey-Unternehmen freundlich gestimmt sind und auch erkennen, welche Wertschöpfung nicht nur die Gemeinde Langnau und deren Bevölkerung, sondern das ganze Emmental durch diesen Klub haben.

 

Ich finde es verdächtig, dass ausgerechnet die Befragung über ein Engagement der Gemeinde beim zweiten Eisfeld durch die Berner Zeitung online nirgends zu finden ist. Deshalb stellen wir diese nun auf diesem Portal ins Netz und erlauben uns, sie auch kurz zu kommentieren.

Die Frage, die den Kandndaten in der Berner Zeitung gestellt wurde, lautete: Angenommen, Peter Jakob brächte die Finanzen für das zweite Eisfeld nicht zusammen. Müsste die Gemeinde aktiv werden? Welchen Beitrag könnte sie leisten?

Walter Sutter (SVP)

Die Wichtigkeit, aber auch die erwartete Ausstrahlung dieses Projekts weit über unsere Gemeindegrenze hinaus wird breit anerkannt. Deshalb gehe ich davon aus, dass genügend Investoren bereit sind, dieser zweiten Eishalle zum Durchbruch zu verhelfen.

So gesehen erübrigt sich die Frage. Sollte dem nicht so sein, ist es meiner Ansicht nach gleichwohl nicht die Aufgabe der Gemeinde Langnau, als Investorin bei diesem privaten Projekt aufzutreten. Die Einflussnahme der Gemeinde muss sich darauf beschränken, bei der Schaffung von guten Rahmenbedingungen mitzuwirken, sodass die Realisierung der zweiten Eishalle überhaupt möglich wird.

Kommentar: Wenn unter gute Rahmenbedingungen gemeint ist, dass die Gemeinde als Noch-Eigentümerin des Areals, auf dem die zweite Eishalle zum stehen kommen soll, für die Beseitigung eventueller Altlasten besorgt ist, sind wir bereits einen Schritt weiter. Walter Sutter als bisheriger Präsident der Baukommission sprach sich jedoch in der Vergangenheit dagegen aus, und deshalb gehe ich davon aus, dass er dies auch als Gemeindepräsident so sehen wird. Walter Sutter will also nicht, dass die Gemeinde Geld in die Hand nimmt. Weder für eine Beteiligung am Projekt noch für die Beseitigung eventueller Altlasten. Diese Haltung bereitet mir Sorgen!

Niklaus Müller (SP)

Grundsätzlich ist meine Haltung dieselbe wie damals beim Darlehen. Die Gemeinde darf sich hier eigentlich nicht engagieren. Das wäre ein ordnungspolitischer Sündenfall, welcher eine Präzedenz schaffen und weitere Begehrlichkeiten wecken würde. Auf der anderen Seite hege ich grosse Sympathien für die Tigers. Und das Engagement von Peter Jakob als privatem Investor ist alles andere als selbstverständlich. Nicht zuletzt hängen auch noch Arbeitsplätze an diesem Deal. Deshalb kann ich mir durchaus vorstellen, dass sich die Gemeinde bei der Ablösung des Baurechtsvertrags im Sinne einer Win-win-Situation etwas einfallen lässt. Um das Ganze abschliessend beurteilen zu können, fehlen mir aber die nötigen Details. Die Diskussionsbereitschaft ist da. Meine Türe ist offen...

Kommentar: Ordnungspolitische Sündenfälle gibt es immer wieder. Nicht auszudenken, was in der Welt alles verloren gegangen wäre, hätte man sich nicht da und dort zu einem ordnungspolitischen Sündenfall durchgerungen. Eine offene Tür und Diskussionsbereitschaft bedeuten nicht, dass der Kandidat als Gemeindepräsident bereit wäre, sich bei der Ablösung des Baurechtvertrags etwas einfallen zu lassen. Exgüsi, Herr Kandidat, aber dies ist kein Statement, an dem sich irgendetwas festmachen lässt. Diese Aussage ist einfach viel zu schwammig. Klar ist, dass auch Niklaus Müller kein Gemeindegeld für das Projekt in die Hand nehmen möchte. Übrigens: Nötige Details kann man sich beschaffen.

Thomas Gerber (BDP)

Zugegeben, das ist eine ganz schlechte Annahme. Ich bin jedoch überzeugt, dass er es schafft, wenn ihn alle unterstützen! Damit bin ich bei der Gemeinde. Die Gemeinde soll allgemein gute Voraussetzungen bereitstellen und wenn möglich gültige optimieren, die dem Gewerbe, dem Handel und allen Bauenden zur Hand gehen. Sie soll sich aber nicht mit Geld in «private» Projekte einmischen. Da Peter Jakob der Chef des zehntgrössten KMU der Gemeinde ist, hat er das Recht wie alle anderen auch, solch unterstützende Massnahmen zu bekommen. Bargeld in die Hand zu nehmen, befürworte ich aber nicht. Über Darlehen und so weiter müsste beraten werden.

Kommentar: Das ist toll. Dieser Kandidat ist überzeugt, dass es Peter Jakob schon schafft, und dass er deshalb nichts tun muss. So liest sich auf jeden Fall seine Antwort. Geld will auch er keines bereitstellen, zumindest nicht als Investition. Zur Ablösung des Baurechtvertrags und zur Beseitigung allfälliger Altlasten verliert Thomas Gerber kein Wort. In den Gedanken von Thomas Gerber scheinen die SCL Tigers überhaupt keine Rolle zu spielen.

Christoph Uttiger (EVP)

Im Rahmen des Baugesuchs ist die Gemeindeverwaltung bereits engagiert und unterstützt das Projekt auf ungewohnte Art und Weise. Dagegen weiss man über seinen Nutzen für die Öffentlichkeit noch wenig. Die SCL Tigers stehen ohne ganzjähriges Eisfeld in Zukunft wieder mal einem Problem gegenüber und möchten zusätzliche Nachwuchsförderung betreiben, hört man. Die SCL Tigers könnten dazu zum fünftgrössten Arbeitgeber werden. Ich bin deshalb der Meinung, dass die Ilfis Sport und Event AG, der Verband Markthalle Langnau und die Gemeinde - als Eigentümerin des Grundstücks – unbedingt eine Win-win-win-Situation erzielen müssen. Peter Jakob unterstützt die SCL Tigers durch wirtschaftlich rentable Angebote. Als Vertreter öffentlicher Finanzen würde ich daher dasselbe machen. Ein Beitrag ist für mich denkbar, aber es zählt auch, was mittelfristig zurück fliesst.

Kommentar: Wir erkennen bereits im ersten Satz (auf ungewohnte Weise) den Unwillen dieses Kandidaten, den SCL Tigers in irgendeiner Weise helfen zu wollen. Ich bin der Meinung, dass die Win-Situation zumindest für die Gemeinde bereits gegeben ist. Der Betrag, den Christoph Uttiger mittelfristig zurück fliessen sehen will, fliesst eigentlich im Gratis-Standort-Marketing und in Form von Steuergeldern durch die Spieler und den Klub bereits reichlich, auch wenn nicht alle Spieler in Langnau ansässig sind. Der Kandidat wird für die Verantwortlichen der SCL Tigers – sollte er gewählt werden, - stets eine harte Nuss zum knacken sein. Viel Sympathie für den Klub mag ich nicht zu erkennen.

Fazit: Irgendwie scheint mir bei keinem der Kandidaten genügend Wertschätzung für die SCL Tigers vorhanden zu sein. Dies ist traurig. Ich weiss noch, wie das Volk 2004 gebibbert hat, als ein gewisser Armin Müller (ja, der Verwaltungsrat mit dem Müller-Loch) die SCL Tigers nach Lyssach oder Kirchberg zügeln wollte, und der Grunder Hans ebenfalls eine Zeit lang damit sympathisierte. Da wurden sich auch gewisse Politiker plötzlich bewusst, was Langnau an den SCL Tigers hat. Dies ist jetzt 13 Jahre her, und es ist deshalb etwas in Vergessenheit geraten. Besser erinnern wir uns an das Jahr 2009, als in Langnau wiederum Existenzängst ausgestanden wurden. Es galt damals, die Tiger zu retten. Das Aufatmen der ganzen Region, aber insbesondere auch in Langnau war deutlich spürbar, als sich abzeichnete, dass dieses Unterfangen gelingen würde. Und als es um die Sanierung der Ilfishalle ging, sprach das Volk ein deutliches Wort. Mit über 76 Prozent Ja-Stimmen nahm es den erforderlichen Kredit in zweistelliger Millionenhöhe an und zeigte damit unmissverständlich, was ihm das Eishockey in Langnau und die SCL Tigers wert sind.

Kein Wunder deshalb, weichen die vier Kandidaten dem Thema eher aus, oder lassen zumindest keinen Wahlkampf rund um dieses Thema aufkommen. Als wirklich verlässlicher, und dennoch pragmatischer Tigers-Freund, wie es der bisherige Amtsinhaber Bernhard Antener ist, gibt sich keiner der Kandidaten zu erkennen. Sie sind es auch allesamt nicht. Wer Gelegenheit hat, sollte die entsprechenden Fragen noch stellen und sich nicht mit der erstbesten Antwort begnügen.

Noch anzufügen ist, dass das zweite Eisfeld und die SCL Tigers selbstverständlich nicht das einzige Themenfeld ist, das die Wählerschaft beurteilen muss. Aber es ist das einzige Themenfeld, das uns in unserer Eigenschaft als Vertreter des Fanclub SCL Tigers interessieren muss. Zu allen anderen Themen werden wir uns verständlicherweise nicht äussern.

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