«Das war überhaupt kein Problem»

«Das war überhaupt kein Problem»

Jürg Birchers schockierende Aussage über die Lizenzvergabe der Liga – Im Interview mit dem Internet-Portal 20 Minuten online – sagt der ehemalige Präsident der Kloten Flyers, was Sache ist. Doch die Aussagen Birchers bestätigen nur, was sowieso bereits alle wussten: Die Lizenzvergabe des Verbandes ist eine Farce.

Presse • • von 20 Minuten-online, Klaus Zaugg



Das war überhaupt kein Problem», sagte Jürg Bircher, ehemaliger Präsident der Kloten Flyers auf die Frage des Reporters von 20 Minuten online, wie er es denn geschafft habe, die Lizenz immer wieder zu bekommen. Stimmen Birchers Aussagen, wird damit das Trauerspiel rund um die Lizenzvergabe von Swiss Ice Hockey und der National League richtig ans Tageslicht. Denn damit stellt sich die Frage, für was die Lizenzkommission überhaupt gut sein soll. Deren Problem liegt sicher nicht bei der Interpretation der eingereichten Zahlen, sondern viel mehr der Kontrolle des Wahrheitsgehaltes. Ob dies am Aufwand liegt, oder am Unwillen der Klubverantwortlichen, sich in die Bücher schauen zu lassen, müssen wir offen lassen. Dies spielt auch überhaupt keine Rolle. Viel entscheidender sind die vollmundigen Erklärungen der Verbands-Oberen, wie wichtig die Einreichung der Unterlagen bei der Lizenzvergabe sei, und wie ernst deren Prüfung genommen werde. Grossspurig verweigerten die Liga-Generäle den Huttwil Falcons vor einem Jahr den sportlich einwandfrei realisierten Aufstieg in die NLB, weil es diese verpassten, die Unterlagen rechtzeitig einzureichen. Das Desaster der Kloten Flyers beweist: Der Verband ist gar nicht in der Lage, eingereichte Unterlagen auf deren Richtigkeit zu überprüfen. Heinz Krähenbühl und Markus Bösiger, die beiden Besitzer und Verwaltungsräte des Huttwiler Eishockeyunternehmens, hätten problemlos irgendwelche Phantasiezahlen präsentieren können, und wären damit durchgewinkt worden. Das Unternehmen Aufstieg scheiterte demnach am Unwillen Bösigers, für etwas zu bezahlen, obwohl keine Leistung geboten wird. «Zwei Mal reichten wir die Unterlagen ein, und beide Male bezahlten wir x-tausend Franken dafür. Aber wir erhielten als Gegenleistung nicht einmal eine Antwort auf die Frage, ob denn die Unterlagen so in Ordnung gewesen wären, falls wir denn sportlich den Aufstieg geschafft hätten. Der Verband hat also Geld kassiert, ohne dafür zu arbeiten. Beim dritten Mal wollten wir zuerst sportlich aufsteigen, bevor wir wieder Geld zum Fenster raus schmeissen», liess sich der frustrierte Bösiger nach dem verweigerten Aufstieg vernehmen.

Der Verband spielt nun jedoch auch in der Aufarbeitung des Kloten-Debakels eine fragwürdige Rolle. An der Versammlung der National League vom Donnerstag und Freitag dieser Woche akzeptierten die Klubvertreter den vorläufigen Verbleib von Philippe Gaydoul im Präsidentenamt des Verbandes, obwohl dieser als Investor bei den Kloten Flyers einsteigt. Sein Verbleib ist insbesondere deshalb ein Problem, weil der Milliardär als Bedingung für seinen Einstieg in Kloten fordert, dass die Gläubiger der Flyers auf Guthaben in Millionenhöhe verzichten. Dabei trägt Gaydoul als oberster Repräsentant die Verantwortung für das Versagen seines Verbandes in dieser Angelegenheit. Die düpierten Gläubiger wähnten sich fälschlicherweise in Sicherheit, nachdem der Verband, bzw. die Lizenzkommission der National League jeweils nach «Prüfung der Unterlagen» die Spielberechtigung auch für die Klotener erteilte. Nun steigt also Gaydoul bei den Fleigern als Investor ein, und kann als Verbandspräsident intern Druck ausüben, damit die Liga trotz der üblen Spiele mit den Gläubigern brav mitspielt. Gehorsam wurde denn auch den Kloten Flyers die Spielberechtigung für die nächste Saison bereits erteilt, obwohl noch überhaupt nicht klar ist (sein soll), ob denn die Gläubiger (darunter auch die Steuerbehörden und die Sozialversicherungen) die Bedingungen Gaydouls für seinen Einstieg erfüllen werden.

Aus dem Umfeld des Eishockeys und des Fussballs werden die Forderungen immer lauter, dass die Verbände die scheinheilige Prüfung der Unterlagen bei der Lizenzvergabe sein lassen sollen. Entscheidend für die Spielberechtigung sollten allein sportliche und infrastrukturelle Kriterien sein. Diese sind eindeutig und überprüfbar. Der Verzicht auf das Einreichen von Unterlagen und deren scheinheilige Prüfung wird verhindern, dass sich Geschäftspartner der Klubs in falscher Sicherheit wiegen. Dazu gehören auch die Spieler und deren Agenten, welche danach bei Verhandlungen mit den Vereinen besser hinschauen müssten, ob denn die ausgehandelten Löhne in Zukunft auch bezahlt werden könnten. Über das wirtschaftliche Überleben entscheidet allein der Konkursrichter, und der Verband muss nur verhindern, dass die Lizenz nicht von einer zuvor überschuldeten Organisation auf eine schuldenfreie Nachfolgefirma übertragen wird, und die Gläubiger auf diese Weise düpiert werden.



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