SCL Tigers - EHC Visp 5:2 (2:1, 1:1, 2:0)

Dem Meister den Leader gezeigt

Die SCL Tigers waren gegen einen guten EHC Visp das klar bessere Team und gewannen verdient mit 5:2. Dabei gefielen die Langnauer als Kollektiv mit starken Individualisten.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

 

Adrian Gerber 4

Adrian Gerber brachte die SCL Tigers bereits in der 2. Minute in Führung. Bild: Susanne Bärtschi.

 

Es war für die Mentalität ein wichtiges Spiel. Eines der wichtigsten überhaupt in dieser Saison.  Der EHC Visp hatte vor allem in der letzten Saison den SCL Tigers mit seiner leidenschaftlichen Spielweise öfters den Schneid abgekauft. Dies gipfelte im Gewinn des Playoff-Finals und der NLB-Meisterschaft gegen die Langnauer, und verhinderte, dass die Absteiger der Vorsaison schnellstmöglich wieder eine Serie um den sofortigen Wiederaufstieg (Ligaqualifikation) spielen konnten. Solche Niederlagen hinterlassen Spuren in den Köpfen sowohl der Gewinner (positiv) als auch der Verlieren (negativ). Salz auf die Wunden, wenn in der nächsten (aktuellen) Saison gleich wieder gewonnen (bzw. verloren) wird. Der EHC Visp trat klar mit der Absic ht an, dem Leader hinsichtlich des wieteren Verlaufs der Saison erneut den Meister zu zeigen. Dies war von der ersten Sekunde an spürbar. Doch diesmal zeigten die Langnauer dem Meister den Leader.

 

Am heutigen abend scheiterten die Gäste klar. denn die SCL Tigers hatten über weite Strecken ihren Gegner besser im Griff als umgekehrt. Sie hatten mehr spielanteile, mehr und vor allem die besseren Torchancen. Wieder ins Team zurück kehrte Topscorer Chris DiDomenico. Coach Bengt-Ake Gustafsson brachte ihn jedoch nicht als Center, sondern als Flügel. Und obwohl sich DiDo «lediglich» einen Assist gutschreiben lassen konnte, gefiel seine mannschaftsdienliche Spielweise. Er spielte die Scheibe jeweils viel früher ab als gewohnt, und bleib trotzdem ein Gefahrenherd. Die SCL Tigers spielen stärker, wenn die Verantwortung auf vielen Schultern verteilt ist. Differenzmacher wie DiDo (er ist nicht der einzige im Team) sind trotzdem immer gefragt. 

 

Ein anderer Rückkehrer war Anton Gustafsson. Der Sohn von Coach Bengt-Ake feierte in seinem ersten Saisonspiel einen starken Einstand. Gleich beim ersten Tor in der 2. Minute durch Adrian Gerber lieferte er den ersten Assist. Auch sonst spielte Gus junior auffällig und ging einige Male gefährlich in den Abschluss. «Mein Knie ist wieder voll in Ordnung. Ich spiele mit vollem Vertrauen und fühle mich stark», meinte Gustafsson nach dem Spiel.

 

Doch Freude bereiteten auch andere. Allen voran der zweifache Torschütze Miro Zryd. Er erzielte die Tore zum wichtigen 2:1 (20.) und zum Schlussstand von 5:2 (46.). Seine Geschichte ist so unglaublich, dass man sie nicht oft genug erzählen kann. Als ehemaliger Young Tiger wieder zum Stammverein Adelboden (1. Liga) abgeschoben, bat er Sportchef Jörg Reber darum, ohne Lohn am Sommertraining teilnehmen zu dürfen. Nach einer Verletzung zu Beginn der Saison fand sich Zryd dann rasch immer besser im Team der Langnauer zurecht und gedieh zum Leistungsträger. Hoch erfreulich seine Entwicklung. Den SCL Tigers würde echt etwas fehlen, hätte Zryd nicht den Mumm gehabt, seinen Oberländer-Grind durch zu stieren. Chapeau !!!

 

Dass der Wechsel von Sven Lindemann vom EV Zug zu den SCL Tigers so etwas wie der Königstransfer aus Tiger-Sicht war, weiss inzwischen jeder Fan. Unglaublich, die Wirkung, die der Aroser auch heute wieder erzielte. Deutlich erstarkt ist auch Lukas Haas. Gegenüber den Spielen während der ersten drei Monaten ist das Langnauer Eigengewaächs nicht mehr wieder zu erkennen. Seine Formkurve zeigt steil nach oben. In der derzeitigen Verfassung ist er aus diesem Team nicht mehr weg zu denken.

 

«Es war einerseits ein wichtiger Sieg», resumierte der erfahrene Langnauer Center Adrian Gerber, «denn gegen einen starken Gegner wie der EHC Visp, welcher gegen uns immer besonders motiviert ist, sind Siege gut fürs Selbstvertrauen. Andererseits waren es aber auch nur ein Sieg und drei Punkte.» Auf die Frage, ob denn mit 19 Punkten Vorsprung überhaupt noch Druck da sei, verwies Gerber darauf, dass wir hier in Langnau seien. «Der Druck kommt nicht mehr von der aktuellen Tabelle. Doch wir haben unsere Ziele, und egal, mit wie viel Punkten Vorsprung wir die Qualifikation gewinnen, beginnt in den Playoffs trotzdem alles wieder von vorne. Wir wollen besser werden und in den Playoffs bereit sein.»

 

 

SCL Tigers - EHC Visp 5:2 (2:1, 1:1, 2:0)

 

Ilfishalle, 5'561 Zuschauer. SR: Fischer, Brunner/Huggenberger. Tore: 2. Gerber (S. Lindemann, Gustafsson) 1:0. 4. Dolana (Botta) 1:1. 20. Zryd (C. Moggi, DiDomenico Ausschluss T. Bucher) 2:1. 26. Dolana (Schoder, Ausschluss Albrecht) 2:2. 30. Wyss (T.Gerber) 3:2. 22. S. Lindemann (Bucher, Lakos, Ausschluss M. Müller) 4:2. 46. Zryd (Haas) 5:2. Strafen: 5-mal zwei Minuten gegen die SCL Tigers, 7-mal zwei Minuten gegen Visp.

 

SCL Tigers: Ciaccio; Bonnet, Zryd; K. Lindemann, Lakos; Bärtschi, Ronchetti; Currit; Nüssli, C. Moggi, DiDomenico; S. Lindemann, Bucher, Gustafsson; Haas, A. Gerber, Rexha; Wyss, Albrecht, T. Gerber; Sterchi.

 

EHC Visp: Schoder; T. Bucher, Geiger; Wiedmer, Wollgast; Heynen, Heldstab; Guyenet; Altorfer, Desmarais, Mikhailov; Dolana, Brunold, Botta; Müller, Rapuzzi, Schmutz; Keller, Alihodzic, Furrer.

 

Bemerkungen: SCL Tigers ohne Rüegg, S. Moggi (beide verletzt) Hecquefeuille (rekonvaleszent) Stettler, Müller (beide krank) Schlapbach (überzählig). Visp ohne Lei (verletzt), Hischier, Zeiter (überzählig).

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