Der Bund

Der Abstieg seiner Tiger nagt an Langnau

Mit den SCL Tigers verliert Langnau ein Aushängeschild und das sanierte Stadion sein Team in der höchsten Liga der Schweiz. Noch am Tag danach ist die Enttäuschung gross.

Presse • • von David Naef und Ruedi Kunz

 

Florian Portmann schlürft eine Tasse Kaffee im Bistro der Ilfishalle, dem Zuhause der SCL Tigers. Er hat eine lange Nacht hinter sich und kann das Erlebte nur schwer verdauen. Mit über 300 Fans war er am Dienstag nach Lausanne gereist, um den Emmentalern zum Sieg zu verhelfen, der den Abstieg aus der Nationalliga A vorerst verhindert hätte.

 

Doch alles Anfeuern hat nichts genützt: Seit Dienstagnacht ist entschieden, dass die Tigers nicht mehr länger in der Topliga des Schweizer Eishockeys spielen dürfen. Sie müssen ihren Platz nach 15 Jahren dem Eishockeyklub aus Lausanne räumen.

 

«Es würde jetzt besser regnen», kommentiert der 26-jährige Portmann seinen tristen Gemütszustand und wirft einen Blick aus dem Fenster. Draussen scheint die Sonne auf die sanierte Ilfishalle. Auch das schöne Wetter vermag die Langnauer Eishockeyfans nicht über den Abstieg ihres Klubs in die Nationalliga B hinwegzutrösten.

 

Sinkt die Nachfrage nach Tiger-Würsten?

Nur wenige Meter neben dem Stadion verkauft Mirco Horisberger in der Metzgerei «Tiger»-Würste. Die Enttäuschung beim einstigen Nachwuchsspieler der SCL Tigers ist gross: «Die ganze Region ist vom Abstieg betroffen.» Langnau sei ein Traditionsverein. «D Härze blüete ä biz wiit.»

 

In Langnau ist der Abstieg der SCL Tigers am Tag danach das Gesprächsthema Nummer eins: beim Metzger, am Kiosk, in den Gasthöfen und auf der Strasse. «Der grösste Teil der Gespräche handelt vom Abstieg des SCL, der Rest vom Wetter», sagt Horisberger. Und auch eine Kioskverkäuferin am Bahnhof bestätigt: «Die Langnauer sind betroffen.» Alle hätten mitgefiebert.

 

Optisch deutet im Dorf einen Tag nach der Niederlage kaum noch etwas darauf hin, dass es die Heimat der Tigers sein könnte. Die Fahnen wurden eingezogen. Nur im Dorfladen Früschmarkt hängt hinter der Fleischtheke eine SCL-Fahne an der Wand. Sie stammt aus besseren Hockey-Zeiten: «Welcome to Playoff Country», zu Deutsch «Willkommen im Land der Playoffs», lautet der Slogan.

 

Diese sind für Langnau schon längst in weite Ferne gerückt. Zuletzt spielte Langnau in den Playouts. Das die Tigers in der Bevölkerung trotzdem grossen Rückhalt geniessen, weiss Verkäuferin Claudia Blaser: «Alle unsere Kunden sind traurig.»

 

Die meisten Fans hätten bis zuletzt noch daran geglaubt, dass es Langnau schaffen würde. Doch trotz dem Abstieg sieht sie optimistisch in die Zukunft: «Was passiert ist, können wir nicht rückgängig machen. Jetzt müssen wir schauen, wie es weitergeht.»

 

«An den Fans hat es nicht gelegen»

Bis vor kurzem sah es für den Eishockeyklub aus Langnau noch besser aus: Private Investoren und die Gemeinde hatten die Ilfishalle gemeinsam saniert. Im Oktober wurde sie eröffnet. Rund 15 Millionen Franken investierte alleine die Gemeinde in die Eisanlage.

 

Am Dienstag hat der Langnauer Gemeindepräsident Bernhard Antener den Abstieg hautnah miterlebt. Er fuhr in Begleitung von drei Tigers-Verwaltungsräten nach Lausanne, stellte sich in die Fanecke und unterstützte die Langnauer lautstark. «An den Fans hat es nicht gelegen, dass es nicht zum Sieg reichte», sagt der SP-Grossrat.

 

Er sitzt in seinem Büro und kommt wegen zahlreicher Medienanfragen kaum zum Arbeiten. Alle wollen das Gleiche wissen: was der Abstieg der Tigers für Langnau, für das obere Emmental bedeutet. «Für das Selbstwertgefühl ist es nicht gut. Wir verlieren unser Aushängeschild.»

 

Die Relegation sei deshalb besonders bitter, weil die Tigers finanziell auf relativ solidem Boden stünden und mit der komplett umgebauten Ilfishalle endlich eine gute Infrastruktur besässen. Antener hat sich gewaltig ins Zeug gelegt, als es darum ging, der lokalen Bevölkerung den Sanierungskredit von 15 Millionen Franken für das Stadion schmackhaft zu machen.

 

Sein Engagement für die Tigers wird ihm jetzt um die Ohren geschlagen. «Das tut weh, doch damit muss ich umgehen können.» Eines ist dem kämpferischen Genossen wichtig: «Es war keine Fehlinvestition. Wir mussten unbedingt etwas tun, um das Eislaufen im Allgemeinen in der Region sicherzustellen.»

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