Wie der Verband die SCL Tigers verschaukelt

Der «Fall» Benjamin Conz

Was für eine Arroganz. Swiss Eishockey lehnt den Vorschlag von SCL Tigers Geschäftsführer Ruedi Zesiger ab, wonach Torhüter Benjamin Conz die Spiele vom 21. Dezember auswärts gegen den EHC Biel und vom 23. Dezember zuhause gegen den SC Bern noch für die Langnauer bestreiten würde, und erst am 24. Dezember der U20 Nationalmannschaft nach Buffalo an deren WM nachreisen würde. Zusätzlich pikant: Zesiger erfährt von diesem Entscheid von einem Journalisten! Zwei Tage bevor er vom Verband direkt informiert wird.

Blog • • von Bruno Wüthrich

12 Mal bestritten die SCL Tigers bisher die Playouts. Sie gelten als die ewigen Playouter. Irgend einen Grund gab es immer, der die Emmentaler im oftmals engen Kampf um die Teilnahme am schönsten Teil der Meisterschaft unter die ominöse Linie zwischen Rang 8 und Rang 9 verbannte. Einmal fehlte nur ein Punkt, zwei Mal deren zwei. Einmal war es der für die darauf folgende Saison bereits bei den SCL Tigers unter Vertrag stehende Goali Claudio Bayer, der in seinem letzten Spiel für Rapperswil mit drei haltbaren Gegentreffern Gegner Fribourg Gottéron zu Lasten der Emmentaler in die Playoffs verhalf. Einmal war es der Schiedsrichter, der Sekunden vor Spielende dem EV Zug unbeabsichtigt durch ein Ablenken der Scheibe zur Chance zum Ausgleich verhalf, welcher die Innerschweizer in die Verlängerung rettete. Der Sieg in der Verlängerung statt der bereits sicheren Niederlage brachte den Zugern genau die zwei Punkte, die andernfalls in der Endabrechnung gefehlt hätten.

Ausreden! Verlierer haben immer Ausreden. Hätten die Tiger ihre zahlreichen andern Chancen genutzt, wären sie von derartigen Zufälligkeiten nicht abhängig gewesen. Andererseits vergibt im Laufe einer Saison jedes Team haufenweise Punkte, von welchen Fans und Journalisten denken, dass diese hätten geholt werden müssen. Die Sache gleicht sich also aus. Vom Potential her spielen die SCL Tigers in Regionen, in welchen es eng wird um den Strich. Da können Zufälligkeiten eine Rolle spielen. Dieser Umstand ist kaum zu ändern.

 

In dieser Saison könnte alles anders werden. Das völlig unterschätzte Team der SCL Tigers mischt dank hervorragender Organisation, tollem Kampfgeist, einer guten Chemie im Team, dem hervorragenden Taktiker und Motivator John Fust, sowie dem aktuell besten Torhüter der Schweiz, Benjamin Conz, wacker im Mittelfeld mit und befindet sich auf Playoffkurs. Wegen der U20 WM soll Conz jedoch im Dezember und Januar für vier Spiele fehlen. In vier Spielen können 12 Punkte gewonnen oder verloren werden. Im Extremfall kann die Absenz von Conz die Tiger erneut die Playoffs kosten.

 

Reist Benjamin Conz erst am 24. Dezember nach Buffalo, verpasst er lediglich die Vorbereitung, jedoch kein einziges WM Spiel der U20-Nati. Conz könnte dafür noch zwei Spiele für die Emmentaler bestreiten und würde «nur» in den Spielen vom 2. Januar gegen Ambri und vom 4. Januar in Davos fehlen. Deshalb machte Ruedi Zesiger dem Verband genau diesen, den einzig vernünftigen Vorschlag. Es gebe für die SCL Tigers keine Ausnahme, liess der Verband gestern Zesiger wissen. Der Tigers-Geschäftsführer erfuhr von diesem Entscheid bereits zwei Tage früher. Durch einen Journalisten. Unter Präsident Philippe Gaydoul kehrte eine unbeschreibliche und unerträgliche Arroganz im Verband ein. Es begann damit, dass der damalige Nati-Coach nach zwölfjähriger Amtszeit abgesägt wurde, ohne dass sich Gaydoul auch nur ein einziges Mal mit ihm unterhalten hatte. Mit dem langjährigen Assistenten Köbi Kölliker wurde auf eine ähnlich stillose Weise verfahren. Und nun gibt es für die SCL Tigers, den Klub, der bis vor kurzem ums Überleben kämpfte, und der noch immer nicht vollständig über den Berg ist, keinen Kompromiss. Für die Tiger wäre die erstmalige Playoff-Qualifikation sehr wichtig. Nach dem bisherigen Saisonverlauf wäre sie indes keine Überraschung mehr. Gesichert ist sie jedoch noch keineswegs. Im Gegenteil: Das Playoff-Pflänzchen muss noch tüchtig mit Punkten begossen und gehegt werden. Und nun erschwert der Verband den Nachschub. Dies ist Wettbewerbsverzerrung.

 

Juristisch wären die SCL Tigers möglicherweise sogar am längeren Hebel. Denn sie bezahlen den Lohn von Benjamin Conz. Eine Absage würde jedoch nicht nur den Verband ärgern, sondern auch Chris McSorley, der Mitbesitzer, CEO und Coach von Genf-Servette, der Conz an die Tigers ausgeliehen hat. Zudem würden Conz zukünftige Chancen beim Verband möglicherweise komromittiert. Ruedi Zesiger wird demnach nicht gegen den Willen des Verbandes handeln.

 

Die Sponsoren erwarten jedoch von Zesiger, dass er alles tut, damit die SCL Tigers die Playoffs schaffen. Dazu gehört, dass er für Conz einen valablen Ersatz besorgt, was wiederum eine schöne Stange Geld kostet, das die Langnauer selbst bezahlen müssen. Conz ist aktuell der beste Hüter der Liga. Er ist demnach nur sehr schwer zu ersetzen.

 

Die Absage des Verbandes darf deshalb nicht das letzte Wort sein. Ruedi Zesiger wird wohl in dieser Sache an zwei Fronten tätig sein. Er wird sich a) auf dem Markt umsehen, und vielleicht ausgerechnet bei den ZSC Lions, dem Konkurrenten um den Playoffeinzug aus Zürich fündig werden, welcher die Torhüter-Legende Ari Sulander ausleihen könnte. Aber Zesiger wird wohl auch den Verbandsgewaltigen so sehr zusetzen, dass denen die Ohren glühen und die Arroganz aus der Nase läuft. Es wäre an der Zeit, dass jemand den Verbandsschnöseln die Kutteln putzt.

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