Wochen-Zeitung, Werner Haller

Der neue Verteidigungsminister

Vor zehn Tagen hat der Absteiger nicht nur Bengt-Ake Gustafsson als neuen Headcoach verpflichtet, sondern auch noch einen neuen «Verteidigungsminister»: Peter Andersson.

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Die sportliche Visitenkarte von Peter Andersson liest sich bei weitem nicht wie die eines Cheftrainer-Assistenten einer Schweizer NLB-Mannschaft. Der 51-jährige Schwede, der bei den SCL Tigers die Abwehrspieler weiterbringen soll, war ein Verteidiger der absoluten Weltklasse. Mit 18 wurde er von den Washington Capitals gedraftet. Mit 19 wurde er mit Schweden U20-Juniorenweltmeister. Mit 20 wurde er ein zweites Mal für die U20-WM aufgeboten und wenige Wochen später auch für das erste von sechs WM-Turnieren. Bereits mit 21 wechselte er für drei Saisons in die NHL zu den Washington Capitals mit Bengt-Ake Gustafsson.



Mit 22 gegen Wayne Gretzky

Mit 22 stand Peter Andersson zusammen mit Gustafsson und dem jetzigen Rapperswiler Headcoach Anders Eldebrink im Final des Canadacups, dem damals am besten besetzten Turnier der Welt mit sämtlichen NHL-Superstars. Er verteidigte gegen kanadische Ausnahmekönner wie Wayne Gretzky, Mark Messier oder Mike Gartner und gewann die Silbermedaille. Danach kehrte er von Washington in seine Heimat zurück und wurde mit 25 schwedischer Meister mit Björklöven, mit dem «Tre Kronor»-Team Weltmeister und krönte das erfolgreichste Jahr seiner Karriere mit Bronze am Canadacup. Mit 26 wurde er mit Björklöven Vizemeister und gewann an den Olympischen Spielen in Calgary die bronzene Auszeichnung. Mit 28 wurde er in Bern Vizeweltmeister und ein Jahr später ein zweites Mal Weltmeister und nochmals Dritter am Canadacup. Unglaublich, aber wahr: Peter Andersson stand selbst mit diesem nicht alltäglichen Palmares immer etwas im Schatten noch berühmterer Verteidiger aus Schweden oder der NHL. Teamplayer wie er sind in den Topskorerlisten erst weit hinten zu finden, aber dafür wissen ihre Trainer nicht minder wichtige Werte zu schätzen: Eine einfache, solide und zuverlässige Spielweise, eine niedrige Fehlerquote, ein präziser, schneller erster Pass für eine erfolgreiche Angriffsauslösung und ganz besonders eine Leistungskurve ohne grosse Schwankungen. Peter Andersson verfügte über diese Qualitäten und deshalb kamen die schwedischen Nationaltrainer nicht darum herum, ihn im Verlauf von zehn Jahren für sechs WM-, zwei Olympia- und drei Canadacup-Turniere aufzubieten. Der neue «Verteidigungsminister» der SCL Tigers bezahlte das Vertrauen unter anderem mit überdurchschnittlichen Plus-/Minusbilanzen bei Vollbestand beider Teams (5 gegen 5 Spieler) mehr als nur zurück: Peter Andersson bestritt für Schweden an seinen elf grossen internationalen Turnieren 93 Spiele, in welchen er eine beeindruckende +16-Bilanz erzielte. Die Bestätigung lieferte er in der weltbesten Liga, der NHL. Auch in seinen 172 NHL-Spielen für Washington war er mit einer +17-Bilanz die Zuverlässigkeit in Person.

 

Das eigene Niveau erkennen
«Ja», meint Peter Andersson bescheiden, «die Trainer wussten halt schon, was sie an mir hatten. Sie konnten mich in allen Spielsituationen aufs Eis schicken und sich darauf verlassen, dass ich ausschliesslich für die Mannschaft spielte und auf spektakuläre Extras für die Zuschauergalerie verzichtete. Wenn ich nach der Basis für meine erfolgreiche Karriere gefragt werde, sage ich immer: Ich habe mein Niveau gekannt, das war mein grösstes Plus. Ich wusste, was ich konnte und ich wusste aber auch, was ich nicht konnte. Das eine habe ich getan, das andere gelassen. So einfach ist das.»

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