Berner Zeitung

«Der Puck wollte halt voll an den Kopf»

Fan bleibt Fan: Obwohl der Strafbankwächter Heinz Etter am Match der SCL Tigers von einem Puck voll am Kopf erwischt wurde, lässt er sich die Saison nicht vermiesen. Zum nächsten Heimspiel will der 82-Jährige wieder ins Ilfisstadion pilgern.Obwohl der Strafbankwächter Heinz Etter am Match der SCL Tigers von einem Puck voll am Kopf erwischt wurde, lässt er sich die Saison nicht vermiesen. Zum nächsten Heimspiel will der 82-Jährige wieder ins Ilfisstadion pilgern.

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Dass so etwas ihm, einem treuen Fan, passieren würde, damit hätte Heinz Etter nicht gerechnet. Aber eben, das Schicksal ereilte ihn am vergangenen verhängnisvollen Dienstag am Hockeymatch der SCL Tigers gegen Genf-Servette im Langnauer Ilfisstadion. Ein Puck traf den Strafbankwächter im dritten Drittel mitten ins Gesicht. Heinz Etter musste mit einer Bahre übers Eisfeld geschoben werden.

 

Und weil das Schweizer Fernsehen die Kamera auf den Verletzten gerichtet hatte, wurde der 82-Jährige über Nacht ungewollt fast schon zu einer Berühmtheit. Nach einer Nacht im Inselspital ist Heinz Etter nun wieder zu Hause in Langnau. Und es geht ihm wieder besser. Das Dorforiginal ist sogar wieder zum Scherzen aufgelegt.

 

Das Rampenlicht scheint zwar seine Sache nicht zu sein, dennoch ist er bei einem Anruf sofort bereit, über das Geschehene zu sprechen. Eines schickt er gleich vorweg: «Ich werde auch weiterhin ins Stadion gehen und als Strafbankbetreuer meinen Job machen. Das ist schon mal klar.» Das Unglück kann einen echten Langnauer Hockeyfan nicht beirren. Sein Herz schlage auch weiterhin für die Tigers.

 

Ein Augenblick der Unachtsamkeit

Dieses Unglück erlebte der Rentner so: Normalerweise sei er bei einem Match sehr aufgeregt und «tigere herum». Und normalerweise wisse er genau, wo der Puck sei. Doch für ihn sei das Spiel zu diesem Zeitpunkt gelaufen gewesen – die Tigers verloren am Ende drei zu eins. Er habe sich hingesetzt. Ein Augenblick der Unachtsamkeit habe genügt. Der Schiedsrichter sei vor ihm gestanden und habe die Linie wegen eines Offsides kontrolliert. Blitzartig habe er sich bewegt – die Hartgummischeibe kam geflogen.

 

«In einer Schrecksekunde, es war wohl nicht einmal eine Sekunde, sah ich den ‹Pögg›.» Es seien nicht einmal zwei Meter dazwischen gewesen. «Der ‹Pögg› wollte halt nicht an die Brust, sondern voll an den Kopf», stellt Etter trocken fest. Er wurde ins Spital gebracht, erst nach Langnau, dann nach Bern in die Insel. Er erlitt eine Platzwunde, die genäht werden musste, und – dies weitaus schlimmer – eine Verletzung am rechten Auge. «Im Moment habe ich noch starke Probleme und sehe alles verschwommen», berichtet er.

 

Auch, weil das Auge noch blutunterlaufen sei. Ob die Sehkraft wie zuvor wiederhergestellt werden kann, ist noch nicht klar. «Jetzt muss ich laufend zum Augenarzt, und dann werden wir sehen, was zu machen ist.» Es wäre besser für die Sicherheit der Leute, fügt er an, wenn das Eisfeld mit Plexiglasscheiben abgetrennt wäre, so wie es in anderen Stadien der Fall sei.

 

Seit 1965 fast an jedem Match

Als einer von zwei Strafwächtern, auch Strafzeitnehmer genannt, ist Heinz Etter dafür zuständig, dass die Spieler, die gestraft wurden, nicht zu früh aufs Eis zurückkehren. Nicht immer steht er aber in dieser Rolle im Einsatz. Der 82-Jährige schreibt manchmal auch Protokolle. «Wir wechseln uns in der Gruppe ab. Einer ist Speaker, einer Schreiber, andere Zeitnehmer oder für die Videos zuständig.»

 

Der gelernte Maschinenmechaniker zog 1960 nach Langnau. 5 Jahre später begann er im Ilfisstadion als Strafwärter zu helfen. Er habe seit damals so gut wie jedes Heimspiel live mitverfolgt. Zu Beginn habe das Stadion noch nicht einmal ein Dach besessen. «Die Spieler standen an der Seite, den Schüssen war man sowieso ausgesetzt», erinnert er sich. Aber auch die Auswärtsspiele habe er oft besucht. Wohl habe ihn in den 48 Jahren ab und an ein Stock eines Spieler erwischt. Die Schläge gingen aber meist glimpflich aus. Einen Puck aber habe er bis dahin noch nie abbekommen.

 

Selbst, wenn das Auge noch blau ist

Jetzt sollen sich die Tigers aufraffen und in den NLA-Playouts alles geben. Heinz Etter ist gespannt. Er will nächsten Dienstag, wenn der SCL in der Ilfishalle gegen die Kloten Flyers um den Ligaerhalt kämpft, wieder dabei sein. «Selbst, wenn mein Auge noch blau ist.» Diesmal wird er allerdings am geschützten Ort am Computer sitzen und das Protokoll schreiben. Dort ist er vor möglichen Pucktreffern sicher.

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