Watson, Klaus Zaugg

Der souveräne NLB-Leader

Was nützen den Tigers 100 Punkte? In Langnau hat erst die Freundin des Topskorers NLA-Charisma. NLB-Leader mit 22 Punkten Vorsprung und ein Spiel, das unerbittlich läuft wie Örgelimusik. Und doch sind die Langnauer nach wie vor nicht glücklich.

Presse •

Der grosse Pfarrer, Journalist und Dichterfürst Jeremias Gotthelf hatte doch recht. In seinem epochalen Werk «Geld und Geist» schildert er bereits 1844 anschaulich, dass der materielle Erfolg alleine nicht glücklich macht. Dass Gottes Wohlgefallen nur erreicht, wer mit dem richtigen Geist sein Tageswerk verrichtet.

 

Und so kommt es, dass die SCL Tigers zwar sportlich und wirtschaftlich so erfolgreich sind wie seit Menschengedenken nicht mehr. Aber glücklich geworden sind sie nicht und auf himmelhohem Niveau werden sie von Zweifeln geplagt. Es fehlt nicht an Ruhm und Geld. Aber es fehlt nach wie vor der rechte Geist im Sinne Gotthelfs. Der Aufstiegs-Geist. Die wilde Entschlossenheit.

 

Alles wunderbar, aber trotzdem Unruhe im Umfeld

Die Spieler, der Trainer, der Sportchef, der Geschäftsführer und die Verwaltungsräte beteuern zwar unablässig, dass sie unbedingt in die NLA aufsteigen wollen. Aber streben sie wirklich mit aller Kraft, mit Leib und Seele nach der Heimkehr in die höchste Spielklasse? Der Verdacht, dass die massgebenden Herren in der Chefetage bloss verbale Aufstiegserotiker sind, ist nach wie vor nicht zerstreut.

 

Es gibt beträchtliche Unruhe im Umfeld, weil Sportchef Jörg Reber für die Playoffs nicht nachgerüstet und bloss den Allerwelts-Verteidiger Julien Bonnet und Klotens Ersatzgoalie Jonas Müller geholt hat. Das sind Kadererweiterungen. Keine Verstärkungen. Obwohl die Transfer-Kriegskasse eigentlich voll wäre. Auch sonst ist der neue Sportchef der Langnauer bisher
abgeblitzt. Er hat weder Wunschgoalie Urban Leimbacher noch die Wunschstürmer Raphael Kuonen oder Daniel Steiner bekommen. Absagen, nichts als Absagen.

 

100 Punkte? Na und, für die gibt's nicht mal Cumulus-Punkte

Nun ist die Frage: Will der Sportchef eine intakte Mannschaft nicht verändern oder hat er auf dem Transferjahrmarkt versagt? Ein hochrangiger Langnauer, der seinen Namen nicht gerne in den Medien liest, sagt es so: «Unser Trainer ist halt sehr konservativ. Wenn nun der Jörg mit Namen von möglichen neuen Spielern zu ihm ins Büro kommt, so reagiert er skeptisch bis ablehnend. Wenn der Trainer einen Spieler nicht unbedingt will, dann wäre ja der Sportchef ein Narr, wenn er sich in unnötige in Arbeit stürzt um den Spieler trotzdem zu holen.»

 

Das kommt der Wahrheit wohl recht nahe. Die Leichtigkeit des Erfolges führt dazu, dass die Langnauer keinen Grund für Veränderungen sehen. Wozu auch? Das Stadion ist regelmässig fast voll (5055 im Schnitt) und der Qualifikationssieg ist mit 22 Punkten Vorsprung auf Platz 2 sichergestellt. Inzwischen haben die Langnauer exakt 100 Punkte geholt.

 

Aber eben: Diese 100 Punkte sind, wenn es um den Aufstieg geht, wertlos. Sie können nicht einmal zu Cumulus-Punkten bei der Migros oder Flugmeilen bei der Swiss gemacht werden.

 

Ein «bsungerbar chummlige»

Es ist jetzt schon klar zu erkennen, wie das alles enden wird. Werden die Langnauer mindestens NLB-Meister, dann werden alle die weise Zurückhaltung des Sportchefs auf dem Transfermarkt preisen. Es wird heissen, das sei ein «bsungerbar chummlige». Einer der erkannt habe, dann man «huslig» sein und Sorge tragen müsse zum Geld. Es bringe doch nichts, irgendwelchen Spielern, die man anderorts nicht mehr wolle, Geld «is Füdle» zu stossen. Und man habe schon immer gesagt der Bengt-Ake Gustafsson sei ein grosser Trainer und es sei unverantwortlich, dass man den Vertrag nicht schon vor Weihnachten um mindestens vier Jahre verlängert habe.

 

Scheitern die Langnauer, dann wird Jörg Reber hingegen ins Kreuzfeuer «unschafliger» Kritik geraten. Das sei ein fauler Hund und was der denn überhaupt den ganzen Tag im Büro mache? Jeder habe doch gesehen, dass der Gustafsson für Playoffs nichts tauge und schon vor Weihnachten hätte fortgejagt werden müssen. Es sei unverständlich, dass nicht in Transfers investiert worden sei. Ob man denn das ganze Geld «chüechlen» wolle? Jetzt müsse man aber «userume» und «Ornig mache».

 

Müller: Dank Unbekümmertheit zum Erfolg?

Wie gut sind diese Langnauer? Niemand weiss es. Deshalb ist der Vertrag mit Trainer Bengt-Ake Gustafsson noch nicht verlängert worden. Wenn er die Mannschaft nicht mindestens in die Liga-Qualifikation führt, wird er gehen müssen. Und was aus Torhüter Jonas Müller (30) wird, ist auch offen. Er hat im ersten Training am Donnerstag unter Serien-Puckfeuer eine Rippenquetschung erlitten und konnte deshalb gegen Langenthal noch nicht wie geplant sein Debüt geben.

 

«Ich weiss nicht mal, von wem der Schuss kam», sagt Müller. Er habe für nächste Saison keinen Vertrag mehr und spiele in Langnau ohne Druck um eine Karrieren-Verlängerung. «In Kloten hat man mir gesagt, dass man mich nicht mehr will. Nun gibt mir Langnau nochmals eine Chance.» Er habe die Matura gemacht und mit dem Wirtschafts-Studium begonnen. Vielleicht wird er gerade wegen seiner Unbekümmertheit am Ende doch noch ein Goalie-Held.

 

DiDomenico weckt Erinnerungen an den grossen Elik

Es ist ja nicht so, dass diese SCL Tigers kein Charisma haben. Da ist einmal das Aphrodisiakum des Erfolges, das nach 36 Siegen schon eine gewisse Ausstrahlung hat. Der heissblütige kanadische Topskorer Chris DiDomenico (25) hat ähnliches Starpotenzial wie einst Hockey-Rock'n'Roller Todd Elik. Erst recht seit er dem kanadischen Tennis-Weltstar Milos Raonic die Freundin, das Model Paula Kalini, ausgespannt hat.

 

Der kanadische Center mit einem Hauch von Genie in seinem Spiel verkörpert die Tiger. Hochbegabt (auch gegen Langenthal drei Assists) und bereits enorm populär, weckt er grösste Erwartungen. Aber er ist eben auch launisch und niemand weiss, ob er in der Hitze der Playoffs die Nerven behält. Eigentlich hat bis jetzt erst die Freundin des Topskorers NLA-Charisma.

 

Abgerechnet wird auch im Emmental in den Playoffs

Am Sonntag war auch Langenthal kein Gegner. Dieses Spiel war typisch: Die Langnauer setzen vier Linien ein, die Gegner wissen auf Dauer nicht, wo wehren, sie werden überrollt von einer mächtigen Maschine deren Spiel unerbittlich läuft unerbittlich wie Örgelimusik, wie eine Mischung aus den meisterlichen ZSC Lions und dem ehemaligen sowjetischen Nationalteam. Die SCL Tigers sind einmal mehr eine Nummer zu gross und siegen 6:3.

 

Aber eben: All diese Herrlichkeit ist mit dem Ende der Qualifikation nur noch Geschichte.

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