20 Minuten online, Klaus Zaugg

Die gescheiterte Langnauer Baufirma

Langnau hat für 30 Millionen die Eishalle saniert, der SCL hat den Konkurs abgewendet, die Tigers geniessen im Emmental Kultstatus – und steigen nun doch ab. Wie konnte das passieren?

Presse •

Im Sommer 2009 gelang die Rettung vor dem Konkurs. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, bis dahin steter Begleiter der Langnauer, kehrten nicht mehr zurück. Und mit den Playoffs von 2011 schienen auch die sportlichen Sorgen der Vergangenheit anzugehören. Endlich waren die SCL Tigers ein solides NLA-Unternehmen geworden. Im Sommer 2011 bewilligten die Stimmbürger mit einer DDR-Mehrheit von 76 Prozent 15 Millionen für die Sanierung der Ilfis-Halle, Präsident Peter Jakob investierte weitere 15 Millionen.

 

Wie ein Ferrari ohne teure Reifen

Sportlich blieben die Langnauer zwar mittelmässig – für die Playoffs reichte es 2012 nicht mehr –, aber als Baugeschäft waren die SCL Tigers erfolgreich. Die Stadionsanierung gilt im Emmental als Jahrhundertwerk. Diese Konzentration aller Kräfte auf den Bau des Tempels führte zu einer Vernachlässigung der sportlichen Abteilung. Im letzten Sommer verkündete Präsident Peter Jakob offiziell den Verzicht auf einen vierten Ausländer aus Kostengründen. 30 Millionen hatten die Emmentaler zusammengetragen, um den Tempel umzubauen. 0,30 Millionen fanden sie nicht mehr, um das Team konkurrenzfähig zu machen.

 

Das war so, wie wenn einer einen Ferrari kauft, aber dann das Geld für gute Reifen spart und sich wundert, wenn er im Strassengraben landet. Der Verzicht auf eine Ausländerposition war die Kardinalsünde, die nicht mehr zu korrigieren war. Sie führte zu Irritationen in der sportlichen Abteilung und zeigt, wie der Sport im Baugeschäft SCL Tigers unterschätzt wird.

 

Am Ende doch mit acht Ausländerlizenzen

Natürlich hatten die Langnauer bald einmal mehr als vier Ausländer. Am Ende sind alle acht Ausländerlizenzen eingelöst worden. Aber der Schaden war nicht mehr zu beheben. Ein Team wie die SCL Tigers kann sich in der NLA halten, wenn das Schicksal gnädig ist und nicht mehr als ein gravierender Fehler gemacht wird. Diesmal war das Schicksal ungnädig und das Management machte zu viele Fehler. Die Verletzung von Stamm-Goalie Thomas Bäumle war Pech. Die Verletzung von Leitwolf Simon Moser an der WM 2012 auch.

 

Der zweite grosse Fehler nach dem Verzicht auf den vierten Ausländer führte in die NLB: Der freundliche, aber hoffnungslos überforderte Trainer Alex Reinhard ist zu spät entlassen worden. Und als er endlich, endlich, nach der zweiten Niederlage in der Liga-Qualifikation, von seinem Amt erlöst wurde, stellten die Langnauer den falschen Mann als neuen Chef an die Bande: Sportchef Jakob «Köbi» Kölliker, bei den Spielern unbeliebt und ohne Charisma, statt den grantligen Erfolgstrainer Alfred Bohren, der sich mit der Assistenten-Rolle begnügen musste. Die Rettung wäre nur bei einem Trainerwechsel vor der Liga-Qualifikation möglich gewesen.

 

Jakobs Worte holen ihn ein

Im Sommer 2009 sagte Peter Jakob vor Übernahme des Präsidenten-Amtes: «Ein Tor ist ein Tor, eine Wurst ist eine Wurst und ein Bier ist ein Bier, unabhängig, ob in der NLA oder in der NLB.» Die Worte haben ihn jetzt eingeholt. Er ist vielleicht der tüchtigste Präsident in der Geschichte des Langnauer Hockeys. Es ist besonders bitter, dass er diesen Abstieg verantworten muss. Die SCL Tigers, die als Baugeschäft Wunder vollbracht haben, sind im Sportbusiness gescheitert. Aber Peter Jakob hat gerade wegen dieses Erfolges bei der Stadionsanierung nun die Chance, der erste Präsident zu werden, der absteigt und wieder aufsteigt.

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