Die grossen Pläne im Sportcenter Huttwil

Markus Bösiger nimmt Stellung zu Vorwürfen und zu KHL-Plänen Die KHL, zweitbeste Eishockeyliga der Welt, will künftig ein Standbein in der Schweiz. Huttwil steht dabei im Zentrum der Überlegungen.

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Entgegen den Erwartungen von Huttwils Gemeindepräsident Hansjörg Muralt («dieses Podium wird kaum auf Interesse stossen»), war der Saal des Hotel kleiner Prinz in Hujttwil am vergangenen Donnerstag Abend bis auf den letzten Platz gefüllt. Derweil die ebenfalls eingeladenen Vertreter des Fussballverbandes SFV und des Eishockeverbandes «Swiss Ice Hockey» durch Abwesenheit glänzten, entschied sich der Gemeinderat von Huttwil, eine von Gemeindepräsident Muralt angeführte Delegation als Zuschauer an diesen Anlass zu schicken. Somit hatte Markus Bösiger fast ein Heimspiel, und er konnte seine Sicht der Dinge beinahe unwidersprochen darlegen. Dabei kamen die beiden oben angesprochenen Verbände gar nicht gut weg. Aber auch die Gemeinde bekam ihr Fett weg. Dafür nahmen die Besucher mit erstaunen zur Kenntnis, dass hinter Bösigers KHL-Plänen wesentlich mehr steckt als bisher angenommen.

 

Bösiger trifft Medwedev

Die Schweiz soll mit den «Helvetics» ab 2014 an der KHL-Meisterschaft teilnehmen, und Huttwil steht als Heimat der neuen Eishockey-Organisation im Vordergrund. Die KHL plant – vorzugsweise in Huttwil – ein Eishockeystadion für rund 70 Mio Franken. Der ebenfalls am Podiumsgespräch teilnehmende Sportjournalist und Eishockeykenner Klaus Zaugg gab vor versammeltem Publikum bekannt, was Markus Bösiger lieber noch geheim behalten hätte: «Markus Bösiger wird bereits am nächsten Tag mit einer Delegation nach Riga reisen, um auf Einladung von KHL-Präsident Alexander Medwedew (nicht verwandt mit dem Präsidenten Russlands) am Allstar-Game des russischen Verbandes teilzunehmen. Die Delegation reist jedoch nicht wegen des Spieles nach Riga, sondern weil in diesen Tagen wichtige Sitzungen über die Erweiterung der KHL nach Westeuropa stattfinden.» Zum besseren Verständnis: Alexander Medwedew ist Vize-Vorstandschef des russischen Gas-Monopolisten Gazprom und stand 2009 auf der vom Time Magazin geführten Liste der 100 einflussreichsten Männer der Welt. Sein Posten wurde vom Magazin als "Bindeglied zwischen Russland und der übrigen" Welt gewertet. Markus Bösiger bestätigte dann Zauggs Ausführungen: «Ja, wir reisen nach Riga. Und ja, wir arbeiten derzeit hart an diesem Projekt.» Bekannt wurde auch, dass die nötigen Investitionen nicht aus der Region, sondern aus Russland, oder genauer aus dem Umfeld von Medwedew stammen sollen.

 

Knatsch mit den Verbänden

Dass der Eishockeyverband bei der Versenkung der sportlich einwandfrei in die NLB aufgestiegenen Huttwil Falcons nicht nur eine unglückliche, sondern eine falsche oder zumindest undurchsichtige Rolle gespielt hat, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Bösiger informierte über ein Treffen, das er 2008 mit dem damaligen Verbandsdirektor Denis Vaucher geführt hat: «Vaucher teilte mir bereits damals mit, dass der Verband die Falcons nicht in der NLB wolle. Man habe in der Region mit dem SCB, den SCL Tigers, dem EHC Biel, dem SC Langenthal und dem EHC Olten bereits genügend Mannschaften.» Und Klaus Zaugg ergänzte: «Der Formfehler der Falcons, welche die Unterlagen zu spät einreichten, kam dem Verband entgegen. Denn damit konnten sie den Aufstieg verhindern.» Dass Bösiger, dessen Eismaschinen im Sportcenter seit dem Rückzug der Falken stillstehen, künftig wieder Eis machen wird, wurde am Podium nicht nur wegen der KHL-Pläne offensichtlich. «Man muss dafür mit mir reden, und nicht mit den Gemeindevertretern von Huttwil. Denn ich bin es, der Eis machen kann.» Derzeit suchen die SCL Tigers für ihre Nachwuchsabteilung wegen der geplanten Sanierung der Ilfishalle dringend Eis. Karl Brügger, Verwaltungsratspräsident der SCL Young Tigers, hat Bösigers Handynummer und beauftragte seinen Geschäftsführer Iwan Brägger mit der Angelegenheit. Zu reden gab auch der Ausschluss der Fussball-Mädchen. Dazu Bösiger: «Wir haben nicht gekündigt. Der Vertrag ist ausgelaufen, und weil wir uns nicht auf einen neuen Vertrag einigen konnten, lief die Geschäftsbeziehung aus.» Dabei sollen auch ausstehende Zahlungen des SFV eine Rolle gespielt haben. Nachhaltig verärgert hat Bösiger aber die einseitige und falsche Informationspolitik der Gemeinde Huttwil. Sie führte zur Aussperrung der Fussball-Mädchen im Sportzentrum. Als Bösiger aufzählte, was der Fussballverband alles verlangte, um den Vertrag weiter zu führen, und was er dafür bereit war zu bezahlen, dämmerte jedem im Saal, weshalb Bösiger nicht auf den Vorschlag einstieg. Eine Gegenofferte von Bösiger soll unbeantwortet geblieben sein.

 

Dass die beiden Verbände richtig entschieden, dem Podium fern zu bleiben, erfuhren Huttwils Gemeindevertreter auf schmerzliche Weise. Sie entschieden nach schwersten Bedenken an einer Klausur zu Beginn der Woche, eine Delegation unter der Führung von Gemeindepräsident Hansjörg Muralt als Zuschauer an den Anlass zu delegieren. Was präsentiert wurde, konnte jedoch den Politikern keine Freude bereiten, und sie sahen sich genötigt, ebenfalls Stellung zu beziehen. Dabei wurde jedoch klar, dass weder Muralt, noch seine Vizepräsidentin Frau Annette Leimer, trotz sicherlich ehrlichem Bemühen, in den Angelegenheiten rund um das Sportcenter eine glückliche Rolle spielten. Sie stellten sich lange Zeit zu offensichtlich zu zu sehr auf die Seite der Verbände, und damit gegen Bösiger. Erschwerend kam hinzu, dass sie immer auch Rücksicht auf Jürg Schürch, den «Vater des Sportcenters» nehmen wollten oder mussten. Schürch, auf dessen Initiative und unter dessen Führung das Sportcenter erbaut wurde, gilt in Huttwil fast als Gemeindeheiliger und ist schier unantastbar. Dies bekam auch Bösiger zu spüren, nachdem er das in die Nachlassstundung geratene Sportcenter kaufte und den Weiterbetrieb sicher stellte. Bösiger war in Huttwil nie willkommen, und er bekam dies umso mehr zu spüren, nachdem er Schürch, den er zuvor als Manager weiter beschäftigte, wegen Differenzen auf persönlicher Ebene, und wegen unbedachten Äusserungen in der Öffentlichkeit entliess. Von da weg, so Bösiger bereits im Vorfeld des Podiums, sei der Umgang mit der Gemeinde schwierig geworden. Bewilligungsverfahren für Anlässe etc. seien verschleppt worden, und was zuvor mit Schürch als Geschäftsführer problemlos durch die Instanzen ging, sei plötzlich schwierig geworden. Gar etwas peinlich wurde es am Podium, als Frau Leimer argumentierte, aufgrund eines Zeitungsartikels gehandelt zu haben, und zwar ohne sich zuvor noch direkt zu informieren. Und auch Muralt kriegte sein Fett weg, als ein Mitarbeiter von Bösiger aufstand, und eine zuvor gemachte Äusserung Muralts als Lüge bezichtigte. Ob es eine war, lassen wir offen. Muralt konnte den Vorwurf jedoch nicht kontern.

 

Trotzdem: Die Veranstaltung drohte zeitweise zu kippen. Zum Beispiel als ein Zuhörer aufstand und Bösiger vorhielt, im Saal seien alle gegen ihn und wütend auf ihn, und damit viel Applaus erntete. Klaus Zaugg hielt den Huttwilern vor, undankbar zu sein: «Das Sportcenter wurde von Huttwilern an die Wand gefahren. Bösiger kam und kaufte, was niemand sonst haben wollte.» Dass man Bösiger sein Handeln vorwerfe und ihm Schwierigkeiten in den Weg lege, sei nicht angebracht und undankbar. Denn ohne Bösiger würde es das Sportcenter gar nicht mehr geben. In das betretene Schweigen im Saal machte Bösiger den Vorschlag, abzustimmen, ob er im Sportcenter weiter machen, oder ob er es schliessen solle: «Ich garantiere euch, dass es mir ernst ist. Wenn ihr mich hier nicht wollt, dann ziehe ich am kommenden Montag den Stecker.» Diese Aussage war umso brisanter, als dass Tags zuvor bekannt wurde, dass Bösiger, der im Sportcenter über 120 Unterkünfte verfügt, vorsorglich beim Bundesamt für Migration nachgefragt hatte, ob allenfalls Bedarf an Asylanten-Unterkünften bestehe. «Seither rennen die mir fast die Bude ein, und ich versichere euch, das wäre für mich ein gutes Geschäft.» Klaus Zagg entschärfte die Situation, indem er dem Saal vorschlug, mit einem Applaus zu zeigen, dass Böiger weiter machen solle. Der Applaus war so gross, wie die anschliessende Erleichterung im Saal.

 

Es gilt hinzu zu fügen, dass Markus Bösiger kein Diplomat ist, und dass er zeitweilig mit seiner direkten Art die Leute vor den Kopf stösst. Beliebt ist aber im Volksmund der Spruch: «Mir isch lieber, we eine diräkt seit, was är meint, aus wenn är nume hinger düre schnoret oder ume Brei ume redt.» So gesehen müsste eigentlich Bösigers Art gut zur Region passen. Dass sich Bösiger mit seiner Art Schwierigkeiten einhandelt und nicht überall gut ankommt, zeigt jedoch, dass es dem Volke nicht ganz erst ist mit dem, was es sagt. Zuweilen hat die Bevölkerung halt doch lieber die schönen Politikerreden, egal, was im Brei steckt, um den herum geredet wird.

 

Fazit: Swiss Ice Hockey und Fussballverband sind im Sportcenter Geschichte. Die Gemeinde Huttwil hat nicht viel zu melden. Und wir schauen gespannt, was aus den KHL-Plänen von Bösiger wird. Diese werden uns noch oft beschäftigen und unterhalten.

 

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