20 Minuten online, Peter Berger

Die NLB als Chance

Keine Frage: Die SCL Tigers tun der NLB gut. Die grosse Frage: Wie gut tut diese Liga den Langnauern?

Presse •

Zuschauermässig noch immer A-würdig

5091 Zuschauer besuchten bisher im Schnitt die NLB-Heimspiele der SCL Tigers. Lugano, Davos, Biel und die Lakers haben in der NLA weniger Publikum. Bild: Keystone/Marcel Bieri

 

Die SCL Tigers sind die Attraktivität der National League B. Alle Gegner sind gegen den Traditionsklub besonders motiviert, oder wie es CEO Wolfgang Schickli ausdrückt: «Alle wollen uns das Fell ausziehen.» Im Ilfisstadion erwartet die Gegner zudem immer eine gute Kulisse. Mit 5091 Zuschauern im Schnitt sind die Tigers auch in der zweithöchsten Liga A-tauglich – Lugano, Davos, Biel und die Lakers haben weniger Publikum.

 

Doch wie sieht es umgekehrt aus, profitieren die Langnauer auch von der NLB? «Ja», sagt Schickli. «Die Liga ermöglicht uns, eine Mentalität zu entwickeln, die wieder auf dem Erfolg aufgebaut ist. Sie bringt den Leuten die Freude zurück, weil wir wieder öfter gewinnen. Und die NLB gibt uns Zeit, strukturelle Änderungen vorzunehmen, für die wir in der NLA keine Zeit hätten.»

 

Nicht alle Ideen kommen an

Genau für den letzten Punkt ist der Zürcher ins Emmental geholt worden. «Der Charme muss bleiben, aber die SCL Tigers müssen ein strukturiertes Unternehmen werden.» Dass er mit seinen Ideen nicht immer geliebt wird, nimmt Schickli in Kauf. Mit diversen Projekten intensiviert er die Kundenbindung: Schulklassen werden von Spielern besucht und an einen Match eingeladen, in einem neuen Familiensektor können vier Personen für 100 Franken ein Spiel besuchen. «Dazu erhalten sie einen Hamburger, Pommes, ein Getränk und einen Fanschal.» Schickli betont, dass dieses Angebot auch in der NLA weitergeführt würde.

 

Bald wird zudem ein Projekt für Frauen lanciert. «Wir sind gezwungen, kreative Sachen zu machen.» Denn die Eintrittspreise wurden gegenüber dem Vorjahr um 28 Prozent gesenkt. «Und ohne TV-Abdeckung ist es schwierig, nationale Sponsoren zu finden.» Deshalb arbeitet Schickli mit Hochdruck daran, dass der Hockey- auch zum Eventtempel wird. «Der Gastronomie- und Eventbereich ist eine junge Pflanze, der wir helfen müssen, dass sie gedeihen kann.» Bereits sind Konzerte von Bastian Baker (5. März) und Marc Sway (Herbst) vereinbart.

 

Aufstieg in zwei, drei Jahren

All diese Massnahmen im Eventbereich sollen dazu führen, dass die Tigers dereinst wirtschaftlich für einen Wiederaufstieg gerüstet sind. «Unser Ziel ist in zwei, drei Jahren wieder in der NLA zu sein.» Schickli ist überzeugt, dass die hockeyverrückten Emmentaler so viel Geduld haben werden, wenn man gute und ehrliche Arbeit abliefere und auch neben dem Eis attraktiv sei. «Denn die Leute lieben die Tigers, in guten wie in schlechten Zeiten. Das ist fantastisch, aber auch mit Druck verbunden, denn die Erwartungen sind hoch.» Fast zu hoch, ergänzt Schickli. B-Meister und Ligaqualifikation müsse es nach Vorstellung der Leute schon sein. Trifft dies bereits im ersten Jahr nach dem Abstieg ein, hätte auch Schickli nichts dagegen.

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