aus der Berner Zeitung

Die Prominenz gefragt

Die BZ befragte prominente Langnauer, Emmentaler und Tiger-Fans zu den bevorstehenden, existentiellen Spielen der SCL Tigers gegen den HC Lausanne.

Presse •

Tinu Heiniger, Mundartsänger
Die SCL Tigers dürfen nicht absteigen, das wäre schlimm. Für mich wäre es sogar eine persönliche Katastrophe. Für das Emmental sind die Langnauer Hockeyprofis unglaublich wichtig. Schon vor 30 Jahren war klar: Verliert Langnau am Samstag, kommt der Fan am Montag unmotiviert zur Arbeit.



Ich bin in Langnau aufgewachsen, als Bub stand ich mit der Treichel in der Hand hinter dem Tor. Mit Meisterspielern wie Simon Schenk und Fritz Lehmann ging ich zur Schule. Statt Eishockey spielte ich zwar beim FC Langnau mit dem runden Leder, die Faszination des Eishockeys liess mich aber nie mehr los. In dieser Saison hat mir ab und zu das Feuer gefehlt. Am Samstag aber war alles gigantisch – es wäre doch wahnsinnig, wenn wir diese Serie noch drehen könnten. Dieser Sieg ohne Gegentor stimmt mich sehr zuversichtlich.



Nach dem Meistertitel 1976 schrieb ich den Song «Hopp Langnou». Ob ich nach dem allfälligen Ligaerhalt wieder etwas komponieren würde, weiss ich nicht. Vielleicht liefert mir die Mannschaft mit heldenhaften Leistungen ja eine Idee. Aufgezeichnet: phr

Mario Schöni, Kultfan «Zöggeler»
Abstieg? Dieses Wort will ich gar nicht erst hören. Ein richtiger Fan ist sich sicher, dass die Langnauer ein Entscheidungsspiel erzwingen werden. Ein richtiger Fan hat keine Angst.



Ich bin ein grosser Fan – und zwar seit bald 40 Jahren. Früher war ich an jedem Match dabei, egal wann und wo er stattfand. Einmal zog ich im Stadion meine Holzzoggeln aus, nahm sie in die Hände und klatschte; es ging mir darum, die Jungs auf dem Eis wachzurütteln. Irgendwie wurde das Kult und mich nannte man nur noch «Zöggeler». Ich bin zwar etwas ruhiger geworden, letzten Samstag aber klatschte ich wieder und klemmte mir sogar die Finger ein.



Die Tigers sind ein wichtiger Teil meines Lebens, mittlerweile besuche ich aber nur noch die Heimspiele und gelegentlich ein Training. Einige Spieler kenne ich gut, wir quatschen ab und zu und machen uns Mut. Mit Köbi Kölliker habe ich letzte Woche telefoniert. Ich fragte ihn, ob er jemanden brauche, der den Spielern Dampf mache. Offenbar hat er alles im Griff. Wenn Langnau den Ligaerhalt schafft, und davon gehe ich aus, wird es am Donnerstag eine Sause geben im Dorf. Dann wird gefeiert, als hätte man den Meistertitel gewonnen. Aufgezeichnet: phr

 

Beat Feuz, Skifahrer
Es wäre sehr schade, sollten die Tigers absteigen. Ich denke dabei vor allem an das fanatische Publikum und die Bedeutung des Klubs für die Region. Es klingt vielleicht etwas überzeichnet, aber die Tigers haben etwas Verbindendes; sie geben dem Emmental ein Wirgefühl. Als sie 1998 in die NLA aufstiegen, war ich 11 Jahre alt. Ich erinnere mich gut daran, die Emotionen waren bei uns hinten im Schangnau sogar in der Schule zu spüren. Unter meinen Klassenkameraden befanden sich ein paar SCL-Junioren, es wurde nur noch über Eishockey gesprochen.



Ich interessiere mich generell für Eishockey und speziell für die Langnauer. Zu Jugendzeiten war Ruedi Zesiger unser Nachbar; es versteht sich von selbst, dass man da mitfiebert. In die Halle kam ich selten, die wenigen Besuche waren aber Highlights. Der erste Spieler, den ich als Figur wahrnahm, war Todd Elik. Von der aktuellen Mannschaft kenne ich ein paar Spieler, beispielsweise Simon Moser. Wir trafen uns im letzten Frühling beim Physiotherapeuten und kamen ins Gespräch. Die Jungs sind sympathisch; ich hoffe doch sehr, dass ihnen der Turnaround gelingen wird. Aufgezeichnet: Aufgezeichnet: mjs 

 

Matthias Sempach, Schwinger
Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben und glaube an die Wende. Die SCL Tigers können es schaffen. Jetzt geht es nicht mehr um spielerische Mittel und Technik, sondern nur noch um den Willen und den Stolz. Wer mental stärker ist, wird die Serie gewinnen. Das Spiel am Samstag hat Mut gemacht. Jetzt steht bei den Langnauern auch endlich der richtige Goalie zwischen den Pfosten.


Ich verfolge die Tigers sehr intensiv, während den Ligaqualifikationsspielen fiebere ich vor dem Fernseher mit. Ich kenne mehrere Profis; mit Tobias Bucher, Joël Genazzi, Federico Lardi sowie Sandro und Claudio Moggi habe ich schon geschwungen. Lardi hinterliess den besten Eindruck. Die Moggi-Zwillinge sind gute Kollegen von mir und Mitglieder meines Fanclubs. Sandro besuchte am Sonntag den Hallenschwinget in Thörigen und gratulierte mir zum Sieg. Er strahlte Optimismus aus.



Vielleicht haben sich einige Langnauer zu sehr ans Verlieren gewöhnt, vielleicht fehlt die absolute Winnermentalität. Das ist ein Handicap. Der Abstieg wäre bitter und eine NLB-Saison weniger reizvoll. Mich würde der Klub aber weiterhin interessieren. Aufgezeichnet: phr

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