Berner Zeitung, Philipp Rindlisbacher

Die Ruhe nach dem Sturm

Am Freitag bestreiten die SCL Tigers ihr erstes Testspiel, fünf Wochen später werden die Langnauer in die Qualifikation starten. Der NLB-Titel sei das Ziel, sagt der neue Geschäftsführer Roland Wyss – die Liga ihrerseits befindet sich in Schieflage.

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Spieler kamen und gingen, Geschäftsführern wurde gekündigt, ein Sportchef durfte nur kurz wirken – bei den SCL Tigers häuften sich in den vergangenen zwei Jahren die Turbulenzen. Nun soll sich das ändern, die Lage entspannen. «Mein erstes Anliegen war, für Ruhe zu sorgen», sagt Roland Wyss. Der 58-Jährige, seit diesem Sommer Geschäftsführer der Langnauer, scheint dafür prädestiniert zu sein. Wyss ist ein besonnener Typ mit viel Erfahrung im Hockeybusiness, von 1999 bis 2012 arbeitete er für den EV Zug. Der Berner meint, der Schritt von den Innerschweizern zu den Emmentalern sei klein gewesen. «Wir sind zwar ein NLB-Klub, aber sehr professionell aufgestellt.» Ohnehin sieht es der Plan des Verwaltungsrats vor, spätestens im Frühling 2016 wieder auf höchster Stufe vertreten zu sein. In dieser Saison soll es zumindest mit dem B-Meister-Titel klappen. «Wir wollen beide Hände am Pokal haben», sagt Wyss, «vor dem ersten Eistraining am Montag hat jeder Spieler dieses Ziel formuliert».

 

Ein Verteidiger soll kommen

Mit Goalie Damiano Ciaccio, den Verteidigern Massimo Ronchetti und Yves Müller sowie den Angreifern Sven Lindemann und Thomas Nüssli ist ein Quintett zur Equipe Bengt-Ake Gustafssons gestossen. Das Kader umfasst 27 Profis, wobei Alban Rexha mit einem Kreuzbandriss ausfällt. Der eine oder andere Stürmer dürfte im Verlauf der Saison in die 1. Liga ausgeliehen werden. Die Langnauer suchen derweil eine Verstärkung für die Defensive, ein Schnellschuss ist nicht zu erwarten. Ein gewisser finanzieller Spielraum für Transfers sei vorhanden, gesteht Wyss.

 

Das Budget – der Verein kommuniziert keine Zahlen – ist ähnlich hoch wie in der vergangenen Spielzeit. Fast 3000 Saisonkarten wurden bereits verkauft, erwartet werden durchschnittlich 4900 Zuschauer. Die Tigers erwirtschafteten im vergangenen Geschäftsjahr einen kleinen Gewinn; das Gemeindedarlehen von 800000 Franken ist zur Hälfte zurückbezahlt. Wyss steht überdies in Verhandlungen mit einem potenziellen Sponsor.

 

Es besteht Diskussionsbedarf

Die meisten NLB-Vereine aber verfügen nicht annähernd über die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Emmentaler. Basel musste Konkurs anmelden, weshalb die Meisterschaft mit 9 Teams (48 Runden) ausgetragen wird. Im vergangenen Jahrzehnt verschwanden zudem Sierre, Neuenburg, Morges und Chur wegen finanzieller Schwierigkeiten von der Bildfläche. Nicht zuletzt deshalb äussert Jean-Marie Viaccoz das Begehren, die NLB abzuschaffen. Der Präsident der Regio League fordert die Einführung einer «Super-1.-Liga» mit 20 bis 24 Teams, eingeteilt in eine Ost- und eine West-Gruppe. Einige NLB-Klubs halten die Idee für Humbug; Roland Wyss indes sagt, das ursprüngliche Modell mit jeweils 12 NLA- und NLB-Klubs sei nicht mehr zeitgemäss. «Es besteht Diskussionsbedarf, zwangsläufig braucht es Änderungen.» Eine Idee sei, die höchste Spielklasse zu erweitern und für einige Jahre zu schliessen. «Gäbe es keinen Absteiger, könnten sich die Klubs in finanzieller Hinsicht erholen», meint Wyss.

 

Für die Langnauer gibt es vorerst wenig Verschnaufpausen. Die Trainingsintensität ist hoch, am Freitag steht der erste Test in Zug auf dem Programm. Die Saison beginnt am 12. September mit dem Heimspiel gegen Martigny. Wyss  hofft auf eine Serie von Auftaktsiegen – damit gar nicht erst Unruhe aufkommt.

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