Die grösste Baustelle der SCL Tigers ist die Anpassung der Leistungskultur

Die schwierige Anpassung an die neuen Gegebenheiten

Nicht nur im Sport, sondern auf allen Ebenen sind die SCL Tigers noch weit davon entfernt, ein professionelles und erfolgreiches Sport-Unternehmen zu sein. Der neue Geschäftsführer Wolfgang Schickli trat ein schweres Erbe an. Denn der Langnauer Traditionsklub ist total «verzesigert».

Blog • • von Bruno Wüthrich

 

Der kommerzielle Erfolg eines Sport-Unternehmens zu garantieren, braucht es die unbedingte Leistungsbereitschaft und die Professionalität aller Mitarbeiter. Auf die SCL Tigers bezogen heisst dies, nebst den Sportlern auf dem Eis und dem Staff ist auch das Büropersonal gefordert. Derzeit erliegt das Unternehmen SCL Tigers einem kollektiven Kulturschock. Während die Akteure auf dem Eis gerade am lernen sind, dass sie das, was sie in der NLA nicht konnten, auch in der NLB nicht können, und dass Siege auch in der zweithöchsten Spielklasse nicht von selbst kommen, sondern halt auch hier mit Taktik, Disziplin, Leistungsbereitschaft und Kampfgeist zu tun haben, muss das Büropersonal einen fast noch grösseren Schock verdauen. Die völlig «verzesigerten» Tigers-Bürolisten sehen sich plötzlich und unvermittelt mit Wolfgang Schicklis Leistungskultur konfrontiert. Happige Brocken auf allen Ebenen also!

 

Der Kulturschock auf dem Eis

Die Erwartungen waren hoch, und sie sind es noch! Nach erst sechs Spielen ist die Saison noch längst nicht abgehakt. Auch der spätere Aufsteiger Lausanne startete schwach in die letzte Saison, war aber dann zum richtigen Zeitpunkt bereit. Nur. Einfach so vom einen auf den andern, bzw. von Lausanne auf Langnau zu schliessen, wäre falsch. Was dem Einen gelang, muss dem Andern nicht zwangsläufig ebenfalls gelingen. Vielleicht waren die Erwartungen etwas zu hoch. Zumindest bei einigen Spielern haben sie, bestätigt durch die beiden zu leichten Startsiege, zu Selbstüberschätzungen der gröberen Sorte geführt. Zudem gehört das Ausländer-Duo Straka / Kurka wohl selbst in der NLB zu den schwächsten. Tomas Kurka, nur temporär von Monat zu Monat angestellt, wurde bereits nach weniger als einem Monat wieder zurück in die Heimat geschickt. Er bestritt letzten Samstag in Küsnacht sein letztes Spiel für die SCL Tigers. Gelingt es der Sportkommission, einen guten Ersatz zu verpflichten, könnte es gut sein, dass Josef Straka die Spiele künftig von der Tribüne aus verfolgen darf. Seit seine Freundin in Langnau weilt, ist seine Leistungsbereitschaft in den Keller gesunken. Ein absolutes «No go» und ein Ärgernis. Strakas körperliche Verfassung ist unterirdisch, und er ist derzeit weit davon entfernt, den SCL Tigers eine Verstärkung zu sein oder innerhalb des Teams die vorgesehene Vorbildfunktion übernehmen zu können. In dieses Bild passt, dass Coach Tomas Tamfal bisher ohne Assistent arbeitet. Dabei ist die gängige Praxis die, dass der Coach seinen Assistenten jeweils selbst ausliest, bzw. vorschlägt. Bisher hat Tamfal keinen Assistenten vorgeschlagen. Gemäss Sportkommissions-Präsident und Tigers Verwaltungsrat Karl Brügger hat Tamfal bis heute Montag Abend um 18.00 Uhr Zeit, einen Assistenten zu benennen. Einer der Kandidaten könnte der in Langnau als Bauernsohn aufgewachsene Alfred Bohren sein. Bohren war unter Bengt Ake Gustafsson und Wassili Tichonov bereits Assistent, bei den Langnauern. Letzteren beerbte er dann und war zwischen November 2001 und November 2002 selbst ein Jahr Headcoach in Langnau. Doch gemäss Karl Brügger ist Bohren eher ein Headcoach als ein Assistent. «Wenn wir Tamfal den Bohren als Assistent rein drücken, könnte er dies als Misstrauensvotum verstehen.»

 

Fazit: Die SCL Tigers spielen zwar jetzt in der NLB, aber geistig und mental sind sie noch nicht da angekommen. In der NLA sind sie jedoch bekanntlicherweise nicht mehr. Etwas boshaft könnte man sagen: Das Team sucht noch den Weg und das erforderliche spielerische Niveau. Es kam von oben, ist momentan untergetaucht, und versucht nun, wenigstens den Kopf wieder über Wasser zu bekommen.

 

Die ungenügenden Leistungen der Mannschaft mögen sportlich zur rechten Zeit kommen. Denn es ist ja noch lange Zeit für eine Korrektur. Für das Unternehmen SCL Tigers sind sie eine Gefahr. Die Fans sind frustriert, bleiben zuhause und konsumieren weniger. Mögliche Sponsoren schieben ihr Engagement hinaus oder wenden sich ab. Die Arbeit von Geschäftsführer Wolfgang Schickli und seinem Team wird umso schwieriger, je weniger die Leistungen und die Resultate auf dem Eis stimmen.

 

Der Kulturschock neben dem Eis

«Unter Ruedi Zesiger hatten unsere Leute viele Freiheiten. Die Leistungskultur, die unser jetziger Geschäftsführer Wolfgang Schickli ins Unternehmen trägt, ist für die Mitarbeiter ein Schock», stellt Karl Brügger fest. Der Wille, effizient und kostensparend zu arbeiten, habe weitgehend gefehlt. Doch langsam scheine der Frieden auf der Geschäftsstelle wieder einzukehren, analysiert Brügger die Stimmung auf der Geschäftsstelle. Die Leute hätten sich an Schicklis Führungsstil und die neue Leistungskultur gewöhnt. Doch wie FANTIGER weiss, waren da diverse Hürden zu überspringen, und noch hat sich Schilckli längst nicht auf der ganzen Linie durchgesetzt. Als Ende der 1980er und Anfang der 1990er-Jahre im ehemaligen Ostblock der Übergang vom Kommunismus in den Kapitalismus vollzogen wurde, ging dies nicht ohne Nebengeräusche und nahm Jahre in Anspruch. Wie damals bei der Beerdigung des Kommunismus die Mentalität der Aparatschiks nicht von heute auf morgen geändert werden konnte, ist auch Zesigers Beamtenstubenstaub nicht so einfach aus den Kleidern der BüroTiger zu bringen. «Wenn wir in einer normalen Firma der Privatwirtschaft arbeiten würden, würde ich sie heute entlassen», soll Schickli an einem Monatsgespräch zu einem Mitarbeiter gesagt haben. Dem besagten Mann seien danach zwei Wochen Zeit eingeräumt worden, sich zu überlegen, ob und wie er künftig für die SCL Tigers tätig sein wolle. Einem andern Mitarbeiter wurde die Reise an den Dolomiten Cup gestrichen worden mit der Begründung, er habe anderes zu tun, als sich auf Kosten seines Arbeitgebers in der Gegend herumkutschieren zu lassen, erklärte Schickli an einem Meeting den verdutzten Fanclub-Präsidenten. Im Verwaltungsrat häuften sich deswegen die Klagen. Glücklicherweise ohne Erfolg. Es ist wichtig, dass sich die neue Leistungskultur durchsetzt. Die Verwaltungsräte tun gut daran, diesbezüglich keinerlei Zweifel aufkommen zu lassen, wollen nicht über Jahre immer wieder Defizite in Millionenhöhe ausgleichen.

 

Früher: Auf die Falschen gesetzt und die Falschen verurteilt

Das Umfeld der SCL Tigers und auch die Fans sind gut beraten, sich künftig an jenen zu orientieren, die arbeiten und Leistung zeigen, als an jenen, die schön reden. Wir neigen leider im Emmental allzu oft dazu, das genaue Gegenteil zu tun, und deshalb ist Wolfgang Schicklis Stellung in Langnau noch längst nicht gesichert. Beispiele aus der Vergangenheit gibt es genug. Wir verteufelten Heinz Schlatter, der nach gerade mal 15 Monaten im Amt für die Finanzmisere der SCL Tigers verantwortlich gewesen sein soll. Die letzten drei Monate unterschlagen wir bewusst, weil Schlatter nach Beginn des Sommertheaters 2009 die Hände gebunden waren. Vergessen war der mutmassliche Betrüger Armin Müller, dessen Finanzloch von 2,3 Mio. Franken nach seinem Auffliegen nie gedeckt und deshalb von Jahr zu Jahr weiter geschleppt wurde. Vergessen war der Cuplitrinker Gérard Scheidegger, der in Langnau sämtliche Gewerbler verärgerte. Vergessen auch Martin Brunderer, der als leistungsmässige Nullnummer wohl nie einen besonderen Platz in der Geschichte der SCL Tigers einnehmen will. Das durch diese Herren mit verursachte Desaster wurde - grösstenteils verdeckt - an Schlatter weiter reichten. Während besagte Herren, mit Ausnahme von Armin Müller, in Langnau trotz ihres Versagens durchaus Sympathien gonossen, wurde Schlatter, der in seiner kurzen Anstellungszeit wenigstens einnahmenseitig eine Leistungskultur ins Unternehmen SCL Tigers gebracht hatte, zum Hauptschuldigen gestempelt.

 

Etwas anders war es bei Schönredner Ruedi Zesiger. Sein Name wurde auch dann noch skandiert, als seine Leistungen längst nur noch aus Erklärungen für Nichtrealisiertes bestanden. Aber Zesiger spielte eine wichtige Rolle bei der Rettung der Tiger. Dies wollen wir nicht vergessen. Seine schönen Worte waren damals für uns alle sehr wichtig. Ob die Rettung der Tigers oder die Abstimmung zur Sanierung der Ilfishalle ohne die schönen Worte und die Massnahmen Zesigers gelungen wären, ist mehr als fraglich. Zesiger hatte massgeblichen Anteil an der Rettung der Tiger. Zudem brachte er den SCL Tigers die ersten und einzigen NLA-Playoffs. Doch danach dienten seine schönen Worte nur noch dazu, uns allen immer wieder zu erklären, weshalb dies und jenes nicht möglich ist. Von der Akquisition von Sponsoren – gehört zu den Hauptaufgaben eines Geschäftsführers - hielt Zesiger nicht viel, bzw. ihm war diese wichtige Aufgabe nicht gegeben. So, wie die Tiger in den Jahren zuvor von Armin Müller «vermüllert» und von Martin Bruderer «verbruderert» wurden, so wurden sie von Ruedi Zesiger «verzesigert». Schuldig war indes im Sinne der Allgemeinheit lediglich Schlatter. Doch «verschlattert» wurden die Tiger eigentlich nie! Lediglich der Umgang mit den lokalen Sponsoren kann man ihm anlasten sowie den Umstand, dass er im Bestreben um die Playoff-Qualifikation zu viel Geld ausgab. Zur Erinnerung: In der Aera Schlatter verpassten die Tiger die Playoffs zwei Mal hauchdünn. Es waren dann auch vorwiegend die lokalen Sponsoren, deretwegen ein weiteres Engagement von Schlatter nicht mehr möglich schien. Wer will es ihnen verdenken? Doch mit fehlender Leistungskultur hatte dies nichts zu tun.

 

Wolfgang Schickli und Heinz Schlatter haben einiges gemeinsam. Beide sind Alphatiere, und beide bedienen sich einer direkten, nicht für alle einfachen Kommunikation. Damit ecken sie an, vor allem auch deswegen, weil dem Umfeld und den Fans die dahinter steckende Philosophie nicht geläufig ist. Im Emmental ist man es sich anders gewöhnt. Dies ist einer der Gründe, weshalb das Emmental als Randregion immer mehr an den Rand gedrückt wird. Schickli wie Schlatter sind Manager aus einer andern Kultur. Sie haben, stellen und erfüllen Ansprüche. Sie haben ein anderes Selbstverständnis. Doch es bestehen auch Unterschiede. Schickli ist für seinen Willen, zu sparen, oder zumindest kein Geld unnütz zu verschleudern, bekannt. Er setzt den Hebel auch bei den sogenannt kleinen Dingen an. Schlatter war da grosszügiger, was vielleicht in Anbetracht der prekären finanziellen Lage des Klubs im Nachhinein nicht ganz unumstritten sein kann. In Sponsorenkreisen wird Wolfgang Schickli geschätzt. «Was er sagt, das gilt. Und was er verspricht, das hält er», rühmte kürzlich ein Sponsor den neuen Tigers-Geschäftsführer. Wenn sich Wolfgang Schickli durchsetzt, wird er die SCL Tigers weiter bringen, und er wird in Langnau etwas hinterlassen, das uns nicht nur im Eishockey weiter bringen kann. Die SCL Tigers werden unter Wolfgang Schickli bestimmt nicht «verschicklicht»! Es lebe die Leistungskultur im Emmental!

 

Die Rolle der Sportkommission

Anstelle eines Sportchefs amtet bei den SCL Tigers eine Sportkommission. Dieser gehören an: Konstantin Kurashev, Tomas Tamfal und Nik Hess, alle drei als Vertreter der Sportkompetenz, Wolfgang Schickli und Karl Brügger (Präsident), beide als Vertreter der Finanzkompetenz, sowie Christoph Bärtschi als Sekretär. Und wer sucht nun den neuen Ausländer? «Das ist Sache der sportkompetenten Leute im Gremium. Wolfgang Schickli und ich haben damit nichts zu tun», erklärt Karl Brügger. «Herr Schickli und ich treten erst auf den Plan, wenn es um die Finanzierung geht.»

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