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Die SMS-Spekulationen um Larry Huras

Eklat in der «Opera buffa» des Eishockeys: Lugano feuert Trainer Larry Huras. Übernimmt der Kanadier schon bald bei den SCL Tigers?

Presse • • von Klaus Zaugg

Eine Entlassung in Lugano nimmt heute kein Trainer mehr tragisch. Weil in Lugano Trainer sowieso keine Chance haben. Aber noch selten hat ein Trainer mit so viel Ironie das ganze (fast) alljährliche Entlassungszenario in Lugano mit so viel Selbstironie hingenommen und kommentiert wie Larry Huras. Es ist ja bereits seine zweite Entlassung in Lugano.

SMS-Frage am letzten Montag: Are you still in charge in Lugano?
SMS-Antwort: When was the last time the Coach in charge here in Lugano?

 

Die Macht von Vicky Mantegazza

In wenigen Worten wird so das ganze Problem in Lugano offenbart: Die Mannschaft ist seit dem letzten Titel von 2006 (unter Harold Kreis – nachdem Larry Huras während der Viertelfinalserie gegen Ambri entlassen worden war) uncoachbar geworden. Ein kleine Gruppe von politisch allmächtigen Spielern um Julien Vauclair und Flavien Conne ist stärker als jeder Trainer. Vieles in der grossen, weiten Welt des Eishockeys ist unberechenbar. Es gibt nur eine Gewissheit: Auch der Nachfolger von Larry Huras – Wunschkandidat ist seit Wochen Anders Eldebrink - wird scheitern.

 

Operetten-Präsidentin Vicky Mantegazza steht den Spielern viel zu nahe. Die ehemalige Hockeyspielerin, Tochter des Milliardärs Geo Mantegazza, hat alle Macht. Aber nicht den Mut, statt des Trainers endlich zwei bis drei Spieler zu feuern. Wie Larry Huras so schön fragte: When was the last time the Coach in charge here in Lugano? Ein Beispiel aus dieser Saison zeigt die Macht der Spieler: Larry Huras war mit dem ehemaligen Nationalstürmer Raffaele Sannitz nicht mehr zufrieden. Er musste gehen und heuerte im Laufe der Saison bei den Kloten Flyers an. Aber nur leihweise. Sein Vertrag ist dabei nicht aufgelöst worden und läuft in Lugano nach wie vor bis 2016.

 

Öffentliche Demontage

Larry Huras ist von Präsidentin Vicky Mantegazza in einer für diese «Opera buffa» würdige Art und Weise auf die Strasse gesetzt worden. Sie hatte auf dem TV-Sender von Ambris Präsident Filippo Lombardi in einem ausführlichen Gespräch ihren Trainer demontiert. Seither haben alle nur noch auf die Entlassung aus dem noch bis 2014 laufenden Vertrag, die nun am Dienstagabend offiziell bestätigt worden ist. Lugano hat kein Trainerproblem. Aber ein gravierendes Führungsproblem. Was natürlich die Gerüchteküche befeuert: Wie lange kann sich der tüchtige Sportchef Roland Habisreutinger noch im Amt halten? Wird am Ende Jean-Jacques Aeschlimann neuer Sportchef? Ambris ehemaliger Sportchef hatte in Lugano als Spieler Kultstatus und geniesst heute noch allerhöchsten Respekt.

 

Was den Unterhaltungswert erhöht: Die meisten Spieler, die Lugano für nächste Saison transferiert hat, sind Kumpel von Larry Huras. Vor allem die beiden amerikanisch-schweizerischen Doppelbürger Eric Walsky und Dan Fritsche (Servette). Diese beiden «Hardcore-Nordamerikaner» passen zu einem europäischen Trainer wie Christian Levrat in die SVP.

 

Landet Huras im Emmental?

Die Entlassung sorgt auch bei den SCL Tigers für Aufregung. Übernimmt Larry Huras die SCL Tigers? Womöglich bereits diese Saison? Langnaus Verwaltungsrat hat entschieden, mit Alex Reinhard die Liga-Qualifikation zu beginnen. Das heisst aber nicht, dass Alex Reinhard die Liga-Qualifikation auch beendet.

 

Frage am Ostermontag an Larry Huras: Wären Sie bereit, die SCL Tigers zu übernehmen?
Antwort: Ich wäre die perfekte Besetzung für diesen Job bei…Ambri im Emmental.
Frage: Wann beginnen Sie im Emmental?
Antwort: Geduld!

 

Alles nur Spass? Vielleicht. Aber wenn die Langnauer in der Liga-Qualifikation in Schwierigkeiten geraten, könnte aus spassiger SMS-Kommunikation und SMS-Spekulationen sehr schnell aufregende Wirklichkeit werden. Langnaus Sportchef hat sich jedenfalls am Ostermontag schon mal die Natel-Nummer von Larry Huras besorgt.

 

Huras' Tour de Suisse

Die SCL Tigers brauchen einen charismatischen, selbstsicheren Bandengeneral, der junge Spieler ausbilden, das Spiel einer Mannschaft strukturieren und defensiv ordnen kann. Larry Huras wäre tatsächlich der ideale Mann für den Job. Er hat Ambri ins Playfinale gegen Lugano geführt (1999) und mit den ZSC Lions (2001), mit Lugano (2003) und zuletzt mit dem SC Bern (2010) den Titel geholt. Im Herbst 2011 hat ihn SCB-Manager Marc nach einer 1:2 Niederlage n.V. gegen die ZSC Lions unmittelbar nach dem Spiel gefeuert und durch Assistent Antti Törmänen ersetzt. Drei Tage später coachte Larry Huras bereits den HC Lugano. Er ersetzte dort Barry Smith, der freiwillig gegangen war.

 

Larry Huras ist ein kompetenter Hockeytrainer und ein begabter Entertainer. Er spricht fliessend Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch. Er könnte so nebenbei dem neuen Manager Wolfgang Schickli bei der Vermarktung der SCL Tigers helfen.