Zentralschweiz am Sonntag, Klaus Zaugg

Die Tiger haben kühne Pläne

Der neue NLB-Leader Langnau findet sich mit der rauen Wirklichkeit dieser Liga inzwischen zurecht. Der Wiederaufstieg ist ab sofort ein Thema.

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Vor gut einem Jahr sind die SCL Tigers in ihr neues Stadion eingezogen. Präsident Peter Jakob und die Gemeinde Langnau haben je 15 Millionen investiert. Ein Palast, gebaut für künftige NLA-Playoff-Dramen und, wer weiss, sogar für Meisterfeiern in einer fernen Zukunft. Nun rocken die Langnauer vorerst die NLB. Doch der Palast steht, und die Hockeybegeisterung ist geblieben. Im Schnitt kamen bisher 5064 Fans. Nicht viel weniger als in der NLA (Durchschnitt pro Spiel 5355). Die Gesamteinnahmen sind allerdings vor allem wegen der fehlenden TV-Präsenz um ein Drittel zurückgegangen. «Wir können deshalb für die erste Mannschaft entsprechend weniger Geld ausgeben», sagt Langnaus Manager Wolfgang Schickli. Kühne Projekte gibt es trotzdem. Um eine breitere Basis mit der Nachwuchsausbildung zu bekommen, schmiedet Präsident Peter Jakob schon wieder kühne Baupläne. Wie Schickli verrät, soll neben dem neuen Hockeytempel, dort, wo jetzt noch die Markthalle steht, ein Hotel mit 84 Zimmern, Tiefgarage mit Eisbahn entstehen.

 

Trainerwechsel hat gefruchtet

Angesichts der sportlichen Zweitklassigkeit mahnen diese Pläne eher an den Turmbau zu Babel. Doch die Dynamik ist nach dem Abstiegsschock auf und neben dem Eis zurückgekehrt. Die Langnauer verstehen sich als hockeytechnischen «Tiger-Staat», der den wirtschaftlichen und sportlichen Rückstand auf die «erste Welt» aufzuholen versucht. Wie unbernisch zügig und mutig heute geschäftet wird, zeigt etwa die Entlassung von Trainer Tomas Tamfal. Manager Wolfgang Schickli, Berater Alfred Bohren und Verwaltungsrat Karl Brügger trafen sich zum Kaffee. Thema: Ist Tamfal der Trainer, mit dem wir unsere Ziele erreichen? Sie kamen zur Antwort: «Nein!» Und so wurde Tamfal schon am anderen Tag nach nur zehn Partien gefeuert. Obwohl er zuletzt zwei Spiele gewonnen hatte. Der freundliche Tscheche wundert sich immer noch: «Ich bekam unmittelbar vor dem Training eine SMS mit der Aufforderung, mich im Medienraum des Stadions einzufinden. Ich dachte an organisatorische Fragen. Aber ich wurde auf der Stelle entlassen. Man gewährte mir nur noch zehn Minuten, um mich vom Team zu verabschieden.»

 

Nun steht der strenge Stoiker Bengt-Ake Gustafsson an der Bande. Er hat einst zwei Jahre lang in Langnau in der NLA sein Trainerhandwerk erlernt, ehe er die Welt eroberte und mit Schweden 2006 Weltmeister und Olympiasieger wurde. Nun ist er heimgekommen nach Langnau. Gestern hat er mit seinem Team im bisher besten Saisonspiel den grossen Rivalen Langenthal auswärts hochverdient 5:2 gebodigt und erstmals seit der 2. Runde die Tabellenspitze übernommen. In Langenthal ist das gute, alte Langnau aufgetreten: Einfaches, zielstrebiges, gut strukturiertes Rumpelhockey, bestens geeignet für die raue Wirklichkeit der NLB. Die Langnauer waren härter und schlauer als die Langenthaler, die ein hoch kompliziertes Tempohockey zelebrierten.

 

Die Moggis wirbeln

Strategisch ist das Ziel zwar bloss ein Wiederaufstieg in zwei bis drei Jahren. Aber das Aufstiegsgesuch ist längst eingereicht, und Wolfgang Schickli sagt: «Wir tun alles, um es jetzt schon zu schaffen.» Offensiv wird das Team von Topskorer Sandro Moggi und seinem Zwillingsbruder Claudio getragen. Beide sind nach dem Abstieg geblieben, weil ausser Langnau in der ganzen Nationalliga niemand mehr bereit war, mehr als 200 000 Franken Lohn zu bezahlen. Die Investition hat sich bisher sicherlich gelohnt. Auch politisch sind die Tigers wieder gut aufgestellt. Raphael Kuonen hat gestern das alles entscheidende 4:2 erzielt. Er ist der Bub von Verbandsvize- und Ligaboss Pius-David Kuonen.

 

 

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