Erneut ein fragwürdiger Wechsel des Ex - SCL Tigers – Coaches

Die unglaublichen Entscheidungen des Christian W.

Ist es Naivität? Sind es die Entzugserscheinungen, nirgendwo mehr auf der grossen Bühne tätig sein zu können. Christian Weber neigt auch in Oesterreich zu fragwürdigen Entscheidungen. Neuerdings ist er Head-Coach des KAC aus Klagenfurt.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Als ich die Schlagzeile las, schoss mir der Gedanke durch den Kopf: «Lernt jetzt das österreichische Eishockey laufen?» Denn wir erinnern uns: Christian Weber ist uns keineswegs als Wundercoach in Erinnerung. Dafür war und ist er ein hervorragender Ausbildner. Obwohl die SCL Tigers trotz zum Teil passabler Voraussetzungen unter Weber die Playoffs drei Mal verpassten, hatte der Dübendorfer in Langnau durchaus seine Verdienste. Er formte die Tiger zu einem offensiven Lauf- und Spektakelteam. Erstmals in der seit Einführung der Playoffs verpasste mit den SCL Tigers das offensiv potenteste Team den Einzug um die Ausmarchung der besten Acht. Dafür schafften zuvor verkannte Talente wie Matthias Bieber und Eric Blum unter Weber den Sprung in die Nationalmannschaft und beim Meisterschafts-Mitfavoriten Kloten Flyers zu Leistungsträgern. Auch die Gebrüder Moggi würden sich wohl, ohne Chrigus Engagement, in den Niederungen der NLB tummeln. Weber formte sie zu bestandenen NLA-Spielern. Dass er sich in Klagenfurt und im österreichischen Verband um den Nachwuchs kümmert, ist deshalb logisch. Einer wie Chrigu Weber kann da viel bewirken.

Nun hat aber Christian Weber der Reihe seiner unerklärlichen Entscheidungen eine weitere hinzu gefügt. Einige Beispiele gefällig:

 

1.) Langnaus damaliger Sportchef Markus Graf war 2003 per Auto und mit dem Vertrag als Headcoach im Gepäck unterwegs zu einem Termin mit Christian Weber, als er zurück gepfiffen wurde. Die Verwaltungsräte Ruedi Soltermann, Hans Grunder und der im negativen Sinn legendäre Armin Müller hatten soeben den Kanadier Jim Koleff verpflichtet. Dass Weber drei Jahre später trotzdem in Langnau landete, ist nur schwer verständlich, denn mit Hans Grunder war einer des vormaligen Triumvirats nun Alleinherrscher in Langnau.

2.) In seiner zweiten Saison als Headcoach der ZSC Lions liess sich Weber nach allen Regeln der Kunst vorführen. Während der Saison liess er sich aus nicht nachvollziehbaren Gründen auf eine Reise nach Übersee schicken. Die offiziellen und inoffiziellen Begründungen schwankten zwischen Scouting und Weiterbildung. Dass sich Weber nicht sofort freiwillig aus dem Vertrag mit den Zürchern verabschiedete, hatte wohl finanzielle Gründe, beschädigte jedoch seinen Ruf zum ersten Mal schwer.

3.) Trotz der verpassten Playoffs galt Chrigu Weber in Langnau nicht als erfolglos, denn die attraktive Spielweise, mit welcher er sein Team auftreten liess, füllte die Ränge der Ifilshalle. Zudem waren die Tiger zwei Mal sehr nahe dran am grossen Erfolg. Weber hatte in Langnau eine «Lebensstelle» als Headcoach. Dass er als Coach nach Höherem strebte, war jedoch nachvollziehbar. Aber weshalb er sich dazu ausgerechnet die serbelnden und dem Niedergang entgegen dümpelnden Lakers aus Rapperswil aussuchte, ist auch aus heutiger Sicht immer noch schleierhaft. Als Entschuldigung mag gelten, dass selbst die renommierten Journalisten von 20 Minuten online und der Boullevardpostille Blick nicht erkannten, dass Weber unter der damals miserablen Führung der Lakers keine Chance haben würde. Lediglich das Online-Portal des FANTIGER orakelte Weber in einem Artikel den Gang vom Regen in die Traufe. Aber Hand aufs Herz: Was zählte damals die Meinung eines kleinen Fan-Portals, wenn die Grossen der Szene keine Gefahr wittern?

4.) Dass Weber nach dem Scheitern bei den Lakers in der Schweiz vorläufig keine Zukunft mehr haben würde, war klar. Deshalb war seine Entscheidung, seine Karriere in den Niederungen von Oesterreichs Nachwuchsabteilungen neu zu lancieren, richtig. Auch sein Entscheid, nach der Wegbeförderung seines Vorgängers Manny Viveiros die Chace zu ergreifen und die offerierte Stelle als Headcoach beim KAC zu übernehmen, ist auf den ersten Blick nachvollziehbar. Aber eben nur auf den ersten Blick. Denn Viveiros, den die Klubgewaltigen wegen der mässigen Resultate nicht mehr als Headcoach wollten, ist neu als Sportdirektor Webers Vorgesetzter. Und selbst wenn es dem 106-fachen Schweizer-Internationalen gelingen sollte, dieses Schreckensregime zu verhindern, und sich direkt der Geschäftsleitung oder dem Verwaltungsrat unterstellen zu lassen, so schützt ihn dies nicht vor internen Intrigen. Denn das Ego seines Vorgängers ist angekratzt. Er wird intrigieren, sobald es Weber wagt, vom eingeschlagenen Weg abzuweichen, oder aber wenn er nicht genügend Erfolg haben sollte. Ein Coach muss aber, wenn er erfolgreich sein will, seinen eigenen Weg einschlagen können. Oder anders ausgedrückt: Engagiert eine Geschäftsleitung einen Coach, so akzeptiert sie auch seine Handschrift. Genau dies ist beim KAC nicht gewährleistet. Und Christian Weber müsste dies eigentlich wissen. Denn er ist lange genug im Geschäft tätig und hat bereits genügend entsprechende Erfahrungen gesammelt.

 

Will Christian Weber beim KAC Erfolg haben, so ist er gut beraten, dafür zu sorgen, dass sein Vorgänger die Organisation verlässt. Tut er es nicht, ist dem ehemals grossen Sportler und integren und kompetenten, aber in seinen sich selbst betreffenden Entscheidungen oft etwas naiven Ausbildner ein weiteres Scheitern in seiner Nach-Spitzensport-Karriere beinahe gewiss. Und Manager Klaus Rensei tut gut daran, seinen neuen Coach seine Arbeit ungehindert machen zu lassen und ihn uneingeschränkt zu unterstützen. Dazu gehört auch, dessen Vorgänger Viveiros aus der Organisation zu entfernen, oder ihn allenfalls in den viert- oder fünftklassigen Ligen in Übersee nach Talenten suchen zu lassen. Denn auch wenn Weber gemessen an Punkten und Rangliste nicht den gewünschten Erfolg haben sollte, so wird er das Team läuferisch weiter bringen und zudem das Publikum bestens unterhalten.

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