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Die wichtige Lehre aus diesem Hockey-Drama

Ist Eishockey gefährlicher geworden? Nein. Der Unfall von Ronny Keller zeigt, wie gefährlich Eishockey schon immer war. Und doch gibt es eine wichtige Lehre.

Presse • • von Klaus Zaugg

Ein paar Faktoren haben das Eishockey im 21. Jahrhundert verändert. Durch die strikte Regelauslegung «Null Toleranz» ab der Saison 2005/06 ist das Spiel schneller geworden. Diese neue Regelauslegung hat ihren Ursprung in der NHL. Die Stars sollten mehr Raum und Zeit für die Entfaltung ihres Talentes erhalten. Diese Rechnung ist aufgegangen. Aber der Preis dafür ist das höhere Tempo. Weil sich die Aufprallenergie im Quadrat zur Geschwindigkeit erhöht, ist die Anzahl der Gehirnerschütterungen wohl tatsächlich gestiegen.

 

Die Einschränkung «wohl» ist aber notwendig: Viele Gehirnerschütterungen sind in der «guten alten Zeit», als Halten und Behindern und Haken noch erlaubt war, nicht erkannt worden. Auch deshalb, weil die Spieler bei erst 28 und später 36 Partien pro Saison bzw. Qualifikation viel mehr Erholungszeit hatten und die medizinische Betreuung bei Weitem nicht so umfassend war wie heute.

 

Unfälle sind nie auszuschliessen

Die Intensität mit 50 Spielen plus Playoffs, noch vor 20 Jahren bei uns undenkbar, erhöht das Risiko von Verletzungen, ohne dass das Eishockey als Spiel gefährlicher geworden wäre. Eishockey ist und bleibt ein gefährliches Spiel und gerade weil verhältnismässig wenig passiert, werden die Gefahren unterschätzt – ähnlich wie im Motorsport.

 

Der Unfall von Ronny Keller war nicht zu verhindern und es wäre falsch, nun aufgrund dieses tragischen Vorfalles Änderungen oder Massnahmen zu verlangen. Ganz offensichtlich war die medizinische Versorgung erstklassig und vor Ort sind von den Verantwortlichen die richtigen Entscheidungen getroffen worden. Die Rahmenbedingungen stimmen.

 

Dieses Drama ist auch nicht die Folge von «schmutzigem» Hockey, verwilderter oder gar überharter Spielweise einer Mannschaft. Die beiden Coaches Heinz Ehlers (Langenthal) und Scott Beattie (Olten) sind exzellente Trainer. Sie verlangen ein Maximum von ihren Spielern. Aber sie setzen auch Disziplin und Respekt vor dem Gegenspieler durch. Überhaupt ist der Respekt vor dem Gegenspieler im Eishockey die Regel und nicht die Ausnahme. Die Derbys zwischen dem SC Langenthal und dem EHC Olten sind seit jeher intensive Spiele – aber sie sind noch nie ausgeartet.

 

«Wie verhalte ich mich richtig im Zweikampf?»

Dieser tragische Unfall darf nicht zum Entfachen von Emotionen auf den Rängen missbraucht werden. Und es gibt auch keinen Grund, das Eishockey in Frage zu stellen. Aber es gibt eine sehr wichtige Lehre aus diesem Vorfall: Es braucht noch besseres und intensiveres Training für das richtige, bessere Verhalten im Zweikampf. Sozusagen Spezialtrainings für die Selbstverteidigung der Spieler. So kann verhindert werden, dass Checks und Zusammenstösse gravierende Folgen haben.

 

In diesem Bereich haben wir in der Schweiz im Vergleich zu Nordamerika einen zu grossen Rückstand. Es gibt nie eine Garantie. Unfälle können nie ganz vermieden werden. Die Schicksalhaftigkeit des Spiels und des richtigen Lebens wird es immer geben.

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