Landwirtschaft und Eishockey

Die zwei Prägungen zusammen bringen

Das Emmental ist sowohl das Eine wie auch das Andere. Landwirtschaft und Eishockey sind aus unserer Region nicht weg zu denken. Zeit, sich dieses Umstandes bewusst zu werden. Klar ist aber: Das zweite Eisfeld muss her!

Blog • • von Bruno Wüthrich

Unter den Fans, die hier Eero Elo feiern, hat es viele, die auf irgendeine Weise mit der Landwirtschaft verbunden sind. Bild: Marcel Bieri

 

Das Emmental ist Tiger-Land. Aber das Emmental ist auch Bauern-Land. Landwirtschaftlich geprägt, eishockey-verrückt, so könnte man die Mentalität der Emmentaler grob zusammenfassen. Das Emmental steht zu seinen Bauern. Bedingungslos. Zumindest fast. Wenn der Verband Markthalle Oberes Emmental (VMOE) die Existenz der SCL Tigers gefährdet, so bringt er auch die Sonderstellung der Landwirte in den Herzen der Emmentaler in Gefahr. Der Vorstand des Verbandes spielt deshalb durch sein Vorgehen mit dem Feuer.

 

Das Unding mit der Einsprache

Weil der VMOE für den Abriss der Markthalle sein Einverständnis geben muss, hat er alle Fäden in der Hand. Grösser kann die Sicherheit, nicht vom jetzigen Standort vertrieben werden zu können, gar nicht sein. Denn mehr als 100 Prozent Sicherheit geht nicht. Doch der Vorstand um Präsident Hansueli Lüthi aus Emmenmatt und Vizepräsident Fritz Lehmann aus Trachselwald ist da anderer Meinung. «Aus Sicherheitsgründen» wurde zusätzlich eine Einsprache gegen das Projekt der zweiten Eishalle deponiert. Mit möglicherweise fatalen Folgen. Initiant Peter Jakob ist bei der Suche nach Investoren ohne bewilligtes Projekt stark eingeschränkt. «Ich kann nur mit einem bewilligten Projekt Investoren gewinnen», so der VR-Präsident des Langnauer Eishockeyunternehmens SCL Tigers. Für ihn wirkt die Einsprache wie ein Knüppel zwischen den Beinen.

 

Die Taktik des VMOE wird nicht nur in der Bevölkerung und bei den Fans nicht verstanden. Sie stösst auch bei einem grossen Teil der Landwirte auf Unverständnis, wie der neuste Bericht in der Berner Zeitung zeigt. Martin Leuenberger ist selbst Landwirt und Viehzüchter, gleichzeitig aber der Leiter der Fanszene SCL Tigers, die sich an den Spielen um die Choreos und die Stimmung in der Fankurve bemüht (nicht zu verwechseln mit dem Fanclub SCL Tigers, dem wohl grössten Fanclub im Schweizer Eishockey, welcher mit der Fanszene freundschaftlich verbunden ist). Leuenberger spürt die Zerrissenheit, welche derzeit bei vielen Landwirten herrscht, die ja grösstenteils selbst glühende Tigers-Fans sind.

 

Ein Schuss ins eigene Bein

Stellen wir uns einmal ernsthaft die Frage, ob denn nicht trotzdem die Einsprache die Sicherheit der Markthallen-Betreiber noch etwas mehr erhöht hat. Denn ein Sprichwort besagt: doppelt genäht hält besser.

 

Dies stimmt im vorliegenden Fall nicht. Im Gegenteil. Die Sicherheit ist wegen dieser Einsprache nicht mehr hundertprozentig. Denn der «Schachzug» des VMOE ist ein veritabler Schildbürgerstreich. Hätten sich die Markthallenbetreiber mit der hundertprozentigen Sicherheit zufrieden gegeben, könnten sie jetzt in aller Ruhe abwarten, was geschieht. Doch das können sie jetzt nicht mehr. Durch ihr unüberlegtes und «schildbürgerhaftes» Vorgehen haben sie sich einen diplomatischen Fauxpas geleistet und sich gleich selbst unter Druck gesetzt (ins eigene Bein geschossen). Denn jetzt wird ihnen alles, was in dieser Sache der eigenen Sicherheit dient, als Zwängerei und profitgieriges Verhalten ausgelegt. Das kann auf lange Sicht nicht gut gehen.

 

Unvollständige Informationen?

Jürg Gerber ist Landwirt und Mitglied des Gemeinderates von Langnau und auch des erweiterten Vorstandes des VMOE. Er sagt dazu: «Ich bin Landwirt und Gemeinderat. Aber ich bin kein Jurist. Hätte ich gewusst, welche Folgen diese Einsprache hat, hätte ich wohl nicht dafür gestimmt. Ich kann mir vorstellen, dass ich nicht der Einzige bin, der dann anders gestimmt hätte.» Hat Jürg Gerber lediglich nicht richtig hingehört, als es bei den Vorstandssitzungen um dieses Traktandum ging? Oder wurden – wie in der Politik allgemein üblich – wichtige Fakten bewusst verschwiegen oder verschleiert, damit das Vorgehen bei den Vorstandsmitgliedern auf Zustimmung stiess? Wir wissen es nicht.

 

Doch das Unheil ist angerichtet. Es wird nicht mehr genügen, die Einsprache einfach zurückzuziehen. Die Verhinderungstaktik des VMOE hat sich bereits derart tief ins Bewusstsein der Bevölkerung und der Fans eingebrannt, dass dies nicht mehr einfach so rückgängig zu machen ist. Das Einzige, das jetzt helfen kann, ist eine schnelle Lösung. Selbstverständlich muss diese nachwievor für beide Seiten (also auch für die Markthallen-Betreiber) gangbar sein. Ist sie es nicht, haben Hansueli Lüthi & Co ein zweites Mal, und diesmal ganzheitlich versagt.

 

Doch durch diese Einsprache ist der Vorstand des VMOE nicht mehr nur für eine gute Lösung verantwortlich, sondern auch für das Image eines ganzen Berufsstandes. Die Einsprache hat nämlich auch dem Ansehen derjenigen Landwirte massiv geschadet, die damit gar nichts zu tun haben. Dies ist in höchstem Masse ungerecht. Das haben sie nicht verdient.

 

Überhaupt müssen auch die Bevölkerung und die Fans aufpassen, dass nicht allzusehr pauschalisiert wird. Vielmehr gilt es, sowohl zu differenzieren als auch Verständnis für den VMOE zu zeigen. Zumindest bis zu einem gewissen Grad.

 

Doch es gilt auch, was Peter Jakob an der Hauptversammlung des Fanclub SCL Tigers sagte: «Wir lassen sie nicht mehr vom Haken!». Recht hat er. Im Emmental soll ein Wort immer noch ein Wort bleiben. Wir haben es nicht so mit falschen Versprechungen und Fake News à la Donald Trump. Dies wäre – schildbürgerhaftes Verhalten hin, Geld und Geist her – des Emmentals nicht würdig.

 

Aufruf

Nochmals zur Erinnerung: Sowohl die Landwirtschaft wie auch das Spitzeneishockey sind für das Selbstverständnis und die Identität des Emmentals unverzichtbar. Die Landwirtschaft steht seit Jahren unter enormem Druck, und das Spitzeneishockey ist in einer Region wie dem Emmental stets ein «zartes Pflänzchen», das gehegt und gepflegt werden will. Es gilt, sich gegenseitig Sorge zu tragen.

 

Also pro zweites Eisfeld in Langnau und pro geeigneter Standort für eine Markthalle (inkl. erneutes Überprüfen, ob ein Zusammengehen nicht doch möglich wäre). Klar muss jedoch sein, dass es jetzt am VMOE ist, sich zu bewegen. Und zwar richtig zu bewegen. Auch in seinem eigenen Interesse!

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