Ein Hauch von NHL im Emmental

Die Langnauer haben eine historische Leistung vollbracht: Ein neues Stadion in 33 Monaten für 30 Millionen.

Presse • • von 20 Minuten-online, Klaus Zaugg

Langnaus Gemeindepräsident Bernhard Antener bringt es mit einem bildhaften Vergleich auf den Punkt. «Früher sagten wir mit einem Blick aufs Ilfisstadion: Es brennt noch Licht in der Scheune. Heute sagen wir: Es brennt Licht im Tempel und binden die Krawatte.»

 

Was Antener nicht sagt: Der SP-Gemeindepräsident und Grossrat ist eine der Schlüsselfiguren beim Bau dieses Tempels: Sieg in der Abstimmung für die insgesamt knapp 15 Millionen Gemeindebeitrag in DDR-Manier (77 Prozent Zustimmung), Baubewilligungsverfahren ohne eine einzige Einsprache und am 20. Oktober findet das erste Heimspiel exakt 33 Monate nach der ersten Sitzung über die Stadionsanierung statt. Die restlichen rund 15 Millionen für die Gesamtkosten von rund 30 Millionen erbringen private Investoren, allen voran Präsident Peter Jakob. Er ist Inhaber und Manager eines international erfolgreichen Stahlseil-Unternehmens. Seine Firma hat auch die feinen Stahlnetze für das Affenhaus im Basler Zoo entwickelt: Mit leiser Ironie erwähnt er, dass dieses Affenhaus 35 Millionen koste. «Sein» Stadion in Langnau hingegen bloss 30 Millionen.

 

Offiziell ist es eine Sanierung. Die Wirkung auf den Stadionbesucher ist indes gewaltig wie bei einem Neubau. Der Charme der «Scheune» ist erhalten geblieben. Aber die Einrichtung ist so modern, dass von einem Hauch NHL im heimeligen Emmental gesprochen werden darf. Das neue Dach ist um vier Meter angehoben worden und dadurch wird der Innenraum auch optisch viel grösser, ja, der Besucher wähnt sich in einem neuen Stadion. Vom Dach hängt jetzt auch, wie überall, ein schöner Videowürfel. Die legendäre Schlachthaus-Stehplatzrampe der Hardcore-Fans ist auf die Gegenseite (hinter das Tor Richtung Bärau) verlegt worden, und die Langnauer werden neu zweimal Richtung Bärau stürmen. Das Fassungsvermögen bleibt praktisch gleich: 6500 Zuschauer (davon 2550 Sitzplätze) waren es in der alten, 6050 (davon 3000 Sitzplätze) sind es in der neuen Arena.

 

Stadionname nicht verkauft

Ganz neue Dimensionen hat die Gastronomie: Ein Saal für 800 Gäste (Tischbestuhlung) plus eine Tagesbeiz mit 130 Sitzplätzen plus ein Panorama-Restaurant (VIP). Die komplett neue Lichtanlage ermöglicht TV-Übertragungen in HD-Qualität. Alles in allem eine Arena mit NHL-Komfort. Auf den Verkauf des Namens wird vorläufig verzichtet. Die Bezeichnung bleibt Ilfisstadion.

 

Auch im neuen Tempel bleiben die alten Sorgen: Gelingt es, im Emmental weiterhin, ein NLA-Unternehmen zu finanzieren? Bringt die neue Arena, deren Betrieb jetzt doppelt so viel Strom verbraucht, tatsächlich den erhofften Mehrertrag? Mehrere Sponsoren sind jetzt Investoren geworden. Mit dem Segen der Steuerverwaltung haben die Langnauer ein interessantes Modell entwickelt: Die von den Investoren finanzierten Teile bleiben im Besitze dieser Investoren (Stockwerk-Eigentum) und können steuerlich abgeschrieben werden. Obwohl es an und für sich betriebsfremde Investitionen sind. Das gilt beispielsweise für das VIP-Restaurant samt Tribüne, finanziert von Präsident Peter Jakob.

 

700 000 Franken fehlen

Aber nun fallen die Investoren künftig als Sponsoren aus, und deshalb fehlen in der Jahresrechnung nach wie vor rund 700 000 Franken Werbeeinnahmen. Ein siebenstelliger Betriebsverlust ist für die laufende Saison programmiert und der «Defizit-Götti», dessen Name uns soeben entfallen ist, hat bereits klar gesagt, dass er das Defizit im nächsten Frühjahr zum letzten Mal bezahlt (20 Minuten Online berichtete).

 

Aber so oder so kommt es schon gut. Es ist ja ein wenig wie in Leukerbad: Dort ist zwar das Geld ausgegangen. Aber die wunderschönen Bäder stehen immer noch. Der neue Hockeytempel an der Ilfis wird auch von späteren Generationen als eine historische Leistung der Langnauer, ja des ganzen Emmentals bewertet werden. 80 Prozent der Arbeiten werden von heimischen Unternehmern ausgeführt, und wer über die Baustelle geht, spürt die Begeisterung, die Leidenschaft und den Stolz jedes einzelnen «Büezers», ein Teil dieses Jahrhundertprojektes zu sein.

 

Bald erstes, offizielles Spiel

Am 17. Oktober (Mittwoch) wird das erste offizielle Meisterschaftspiel im neuen Tempel ausgetragen: Um 19.45 Uhr spielen Langnaus Elite-Junioren gegen Elite-Meister GCK Lions. Diese Partie ist öffentlich und die Hauptprobe für die Ouvertüre am 20. Oktober (Samstag) gegen Servette. Und bereits ist eine Veranstaltung für den nächsten Sommer gebucht: Am 3. Juni 2013 wird die Wahl von Gemeindepräsident und Grossrat Bernhard Antener zum höchsten Berner gefeiert: Antener wird im nächsten Jahr Präsident des Grossen Rates des Kantons Bern. Böse SVP-Zungen sagen im SVP-Herzland Emmental, man habe wahrscheinlich das Stadion nur saniert, um den SP-Politiker würdig feiern zu können.

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