Ein Playout in einer neuen Dimension

In zwei Wochena beginnt die entscheidende Meisterschaftsphase. Für die SCL Tigers geht es im Playout nicht «nur» darum, den Platz in der NLA erfolgreich zu verteidigen. Diesmal geht es um noch viel mehr.

Presse • • von Wochen-Zeitung, Werner Haller


Das Eishockeyunternehmen der SCL Tigers steht vor Wochen mit einer  überdurchschnittlichen Bedeutung, vor einem Playout in einer neuen, bisher noch nie  erlebten Dimension. Unter der Club-Führung von Verwaltungsratspräsident Peter Jakob aus Trubschachen sind in den vergangenen rund drei Jahren die Weichen eindeutig für eine wirtschaftliche und sportliche Zukunft in der höchsten Spielklasse gestellt worden. Der eine Zug, derjenige der Modernisierung des Ilfisstadions, ist bereits in die richtige Richtung abgefahren. Am 1. April beginnt der Umbau und «es gibt kein Zurück mehr», betont Geschäftsführer Ruedi Zesiger. Der zweite Zug, derjenige der Mannschaft, rollt in zwei Wochen an. Auch ihm sind Richtung und Ziel klar vorgegeben: Nationalliga A. «Das Playout so rasch als möglich erfolgreich beenden und sich damit den Ligaerhalt sichern», wünscht sich Ruedi Zesiger. «Nur nicht absteigen. Wir wagen gar nicht daran zu denken, was geschehen würde, wenn wir absteigen müssten. Es wäre sportlich, wirtschaftlich und vor allem auch emotional ein Super-Gau. Man stelle sich nur mal vor: Wir bauen an einem NLA-Stadion und spielen in der NLB.»

Beste Voraussetzungen geschaffen

Der Schangnauer Ruedi Zesiger weiss, dass ein sportliches Zurück von der Zweit- in die Erstklassigkeit einem Gewaltakt in verschiedenen Bereichen gleichkommt. Aufsteigen, das hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, ist schwieriger als oben zu bleiben. Wer aufsteigen will, muss bereits in der NLB über eine NLA-taugliche Mannschaft verfügen. Und eines darf man auch nicht vergessen. Im Falle eines Abstieges würde das Team der SCL Tigers mehr oder weniger auseinanderfallen. Die Verträge mit sämtlichen Spielern sind nur für die National League A gültig. Das gleiche gilt unter anderem auch für die Vereinbarungen mit den Klub-Sponsoren. Auch die namhaften Beträge aus den Fernsehrechten würden wegfallen, und, und, und… So gesehen würde ein Abstieg in die NLB einen Neubeginn mit einer erst noch völlig ungewissen Zukunft erfordern. Vier Siege zum Gewinn einer Best-of-7-Serie fehlen dem Unternehmen der SCL Tigers zum erleichterten Aufatmen. «Aber», ist sich Ruedi Zesiger bewusst, «wir werden nichts, aber auch gar nichts geschenkt bekommen. Jeder Playoutteilnehmer will oben bleiben. Wir haben in den letzten Wochen jedoch alles im Rahmen unserer Möglichkeiten getan, um die denkbar besten Vor-
aussetzungen für das Playout zu schaffen.»

Hoffentlich nicht ein Pfostenschuss…
Von Mitte November bis Mitte Dezember 2011 verspielten die SCL Tigers mit einer Serie von zehn Niederlagen ihre allerletzten Chancen auf eine erneute Playoffqualifikation. Die Teamverantwortlichen haben im Hinblick auf den bevorstehenden Abstiegskampf reagiert und die nötigen Konsequenzen gezogen. Vor allem wurde die Mannschaftsstruktur so ergänzt, dass Headcoach John Fust seit Jahresbeginn auch vier ausländische Feldspieler einsetzen kann. Der Vertrag mit dem kanadischen Verteidiger Mark Popovic wurde bis Saisonende verlängert, von den Kloten Flyers wurde der tschechische Stürmer Vojtech Polak und vom NLB-Tabellenletzten Sierre der Routinier Paul DiPietro übernommen. Dazu kommen als Absicherung zahlreiche B-Lizenzspieler. «Die Mannschaft», findet Ruedi Zesiger, «hat sich in den vergangenen Wochen in die richtige Richtung entwickelt. Das stimmt mich zuversichtlich. Ich hoffe einfach, dass wir uns durchsetzen können und in der  Endabrechnung nicht beispielsweise das Pech mit einem Pfostenschuss zum falschen Zeitpunkt den Ausschlag gibt.»

Das Playout ist der alljährliche Kampf der vier Tabellenletzten um den Verbleib in der NLA. Alles was in der Qualifikation geschehen ist, zählt nicht mehr. Im Voraus gibt es nur eine einzige Garantie: Wer sein allerletztes Spiel der Meisterschaft gewinnt, wird auch nächste Saison wieder in der NLA spielen. Drei der vier Playoutteams stehen bereits fest: Die SCL Tigers, Ambri und Rapperswil. Der vierte Teilnehmer am Abstiegskampf dürfte aufgrund der aktuellen Tabellensituation am ehesten Biel (46 Spiele/62 Punkte) oder Servette (46/63) heissen.


Jedes Team hat drei Chancen
Jede Mannschaft hat drei Rettungschancen – die erste und zweite Playoutrunde gegen einen NLA-Gegner und die Ligaqualifikation gegen den NLB-Meister. In jeder der drei Runden müssen mindestens vier von maximal sieben Spielen gewonnen werden. Wer die erste, zweite oder dritte Best-of-7-Serie für sich entscheidet, hat in jedem Fall auch sein letztes Spiel der Saison gewonnen und kann den Ligaverbleib feiern. «Das Playout», sagt SCL Tigers-Geschäftsführer Ruedi Zesiger, «ist an und für sich schon eine brutal harte Angelegenheit. Es würde mich aber überhaupt nicht überraschen, wenn dieses Jahr die Intensität im Kampf um den Ligaerhalt einen neuen Höchstwert erreichen würde. Schon allein Ambri, Rapperswil und wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel Playouterfahrung gesammelt. Uns muss niemand erklären wie enorm schwierig es ist, oben zu bleiben.» Ein Blick zurück auf die letzten Jahre bestätigt Ruedi Zesigers Worte.

• Die SCL Tigers sind die grössten Playoutroutiniers. Seit ihrer Rückkehr in die NLA verteidigten sie bisher elf Mal ihren Platz in der höchsten Spielklasse, 2003 fiel das Playout aus und letzte Saison qualifizierten sie sich erstmals für das Playoff der Top 8 nach der Qualifikation.
• Ambri, das bereits in seiner 27. NLA-Saison in Serie steht, muss zum sechsten Mal hintereinander in den sauren «Playoutapfel» beissen. In den letzten fünf Jahren retteten sich die Leventiner je zwei Mal in der ersten und zweiten Playoutrunde und vor einem Jahr erst in der Ligaqualifikation gegen den NLB-Meister Visp.
• Rapperswil, seit 18 Jahren ohne Unterbruch in der obersten Spielklasse, muss in zwei Wochen auch schon zum vierten Mal in Folge zum Kampf gegen den Abstieg antreten.


Aufstiege werden immer seltener
Abstiege in die Zweitklassigkeit wollen die NLA-Klubs um jeden Preis vermeiden. Grund: Abstürze in die NLB haben nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht katastrophale Auswirkungen. Sportlich wird es immer schwieriger wieder nach oben zu kommen. In den 13 Jahren seit der Rückkehr der Langnauer in die NLA gab es acht Mal keinen Aufsteiger: Chur und Lausanne scheiterten je zwei Mal, Visp vor einem Jahr und Biel nahm vor seinem Aufstieg drei Mal vergeblich Anlauf.

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