Genève-Servette HC - SCL Tigers 3:1 (1:0, 0:1, 2:0

Eine fatale Niederlage

Wieder waren die Langnauer lange Zeit nahe an einem Punktgewinn. Doch sie brachten sich mit zwei schweren, individuellen Fehlern selber um die Früchte ihrer Anstrengungen.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

Sie konnten sich über Arbeit nicht beklagen: Die Defensivleute Damiano Ciaccio, Flurin Randgger und Martin Stettler. Bild: Susanne Bärtschi (Archiv)

 

«Alexej Dostoinov brachte es auf den Punkt: «Wenn man nur ein Tor schiesst, macht man irgendwann den entscheidenden Fehler» Dieser entscheidende Fehler geschah in der 56. Minute, und es war der gleiche fehler wie im Spiel gegen die ZSC Lions. Obwohl es möglich gewesen wäre, wurde erneut der Puck nicht aus dem eigenen Drittel spediert. Die Scheibe landete bei Timothy Kast, dieser spielte sie weiter zu Nick Spaling, welcher etwas weniger als vier Minuten vor Ende des Spiels dieses mit dem Treffer zum 1:2 in die entscheidenden Bahnen lenkte. Gut anderthalb Minuten später dann die endgültige Entscheidung. Captain Martin Stettler startete mit Vorsprung, war jedoch nicht schnell genug am Puck. Schneller war der Genfer Daniel Vukovic, die Scheibe gelangte über Auguste Impose zu Jeremy Wick, der Damiano ciaccio zum dritten Mal bezwang.

Diese Niederlage gegen einen Tabellennachbarn von unter dem Strich tut weh. Die Genfer lagen mit lediglich drei Punkten Vorsprung in Griffweite und sind zudem das einzige Team in der NLA, dessen beste Skorer noch hinter denjenigen der SCL Tigers klassiert sind. Die Partie zeigte eindrücklich, weshalb dies so ist, wobei die Langnauer eben auch lange Zeit erfolgreich defensiv spielten. Weshalb aber immer wieder die Einbrüche so kurz vor Schluss?

«Wir spielten nicht schlecht, hatten ja vorab im ersten Drittel auch gute Chancen, aber momentan ist es frustrierend. Wenn du sieben von neun Spielen kurz vor Schluss verlierst, ärgert dies sehr», gab Coach Heinz Ehlers zu Protokoll. Fast hätte er noch mehr gesagt, doch dann meinte er: «Was wollen Sie, was ich sage. Das, was Sie möchten, dass ich es sage, kann ich nicht sagen, sonst sage ich zu viel.» Doch diese Worte von Heinz Ehlers sagen viel, und sie lassen einen grossen Interpretationsspielraum.

Ja, was wäre gewesen, wenn Chris DiDomenico in der 6. Minute seine Reisenchance verwertet hätte. Der Kanadier, aus der Tiefe lanciert, tauchte mutterseelenallein vor dem Genfer Tor auf, knallte den Puck jedoch an die Latte. Was gewesen wäre, wissen wir nicht (und immerhin hatten die Genfer im zweiten Abschnitt auch noch ihren Pfostenknaller. Romain Loeffel in der 25. Minute in Überzahl - auch hier die Frage, was gewesen wäre). Die Führung hätte den Langnauern, die ihren Topscorer Rob Schremp erneut nicht einsetzten, gut getan. Dem Spiel übrigens auch. Denn die beiden Mannschaften, vor dem Spiel die Nrn. 9 und 10 der Liga, neutralisierten sich vorerst weitgehend. Die Genfer, mit ihrem derzeitigen Rang sicherlich weniger zufrieden als die Langnauer, wirkten verunsichert. Beide Mannschaften versuchten, ihre Spitzen aus der Tiefe heraus zu lancieren, was den Genfern insgesamt etwas besser gelang als die Langnauern.

Erstmals etwas los war in diesem Spiel, als der Genfer Nick Spaling auf die Strafbank musste. Die Tiger hatten da einige gute Szenen, doch beanspruchten auch sehr viel Glück, als Genf Torhüter Robert Mayer den Puck hoch aus dem Drittel katapultierte und so zwei Genfer allein vor dem Langnauer Tor auftauchten. Schon fast stümperhaft, was die beiden aus dieser wohl besten aller Möglichkeiten machten. Tiger-Hüter Damiano Ciaccio brauchte noch nicht einmal einen Big Save.

Die SCL Tigers bekamen im Startdrittel noch eine weitere Möglichkeit, in Überzahl zu skoren. Doch so richtig grosse Gefahr vermochten sie vor dem Genfer Tor diesmal nicht herauf zu beschwören. So blieb es bis kurz vor Drittelsende beim torlosen Unentschieden, als es hinter Damiano Ciaccio doch noch schepperte. Der Langnauer Hüter vermochte einen Puck nicht zu fassen und spedierte diesen ungewollt direkt auf die Scheibe von Nick Spaling, der 69 Sekunden vor der Pause keine Mühe hatte, den Führungstreffer für die Genfer zu realisieren.

 

So kurz vor Ende des ersten Drittels die Genfer Führung fiel, so kurz nach Wiederanpfiff wurde diese egalisiert. Aus dem Drittel zuvor sassen der Genfer Jim Slater und der Neo-Langnauer Maxime Macenauer noch eine Strafe ab, und nach etwas mehr als 30 sekunden im Mitteldrittel gesellte sich auch noch Genfs Timothy Kast dazu. Diese vier gegen drei - Situation liess sich Ville Koistiunen nicht entgehen. Das 1:1 hielt danach lange, obwohl die Genfer mit Fortdauer der Partie immer mehr Druck machten. Im Schlussdrittel fanden die Tiger zum Teil gefühlt minutenlang nicht aus ihrem eigenen Drittel heraus. Die Entscheidung fiel aber just in einer Periode, als die Langnauer wieder etwas Gegendruck erzeugen konnten.

 

Bleibt die Frage zu klären, weshalb denn Topscorer Rob Schremp bereeits zum zwiten Mal hintereinander nicht  eingesetzt wurde. Dazu Heinz Ehlers: «Die andern drei Stürmer sind derzeit besser in Form.»

 

Genève-Servette HC - SCL Tigers 3:1 (1:0, 0:1, 2:0)

 

Les Vernets, Genève, 5'376 Zuschauer. SR: Urban/Stricker, Fluri/Kaderli. Tore: 19. Spaling (Slater) 1:0. 22. Koistinen (DiDomenico, Elo, Ausschlüsse Slater, Kast, Macenauer) 1:1. 56. Spaling (Kast) 2:1. 57 Wick (Impose, Vukovic) 3:1. Strafen: 5-mal zwei Minuten gegen Servette, 6-mal zwei Minuten gegen die SCL Tigers.

 

Servette: Mayer; Mercier, Loeffel; Fransson, Jacquemet; Petschenig, Vukovic; Antonietti; Rod, Kast, Gerbe; Spaling, Slater, Wick; Riat, Rubin, Simek; Impose, Heinimann, Schweri; Traber.

 

SCL Tigers: Ciaccio; Koistinen, Seydoux; Stettler, Randegger; Müller, Zryd; Currit, A. Gerber; Lindemann, P. Berger, Elo; N. Berger, Macenauer, DiDomenico: Nüssli, Albrecht, Kuonen; Dostoinov, Chiriaev, R. Gerber.

 

Bemerkungen: Servette ohne Romy, Almond, Chuard (alle verletzt), Detraz, Ehrhardt, Massimino (beide überzählig), Douay, Leonelli (beide NLB). SCL Tigers ohne Haas, Blaser, Weisskopf (alle verletzt), Schremp, Moggi (beide überzählig). 6. Lattenschuss DiDomenico. 25. Pfostenschuss Loeffel). 58.18 Timeout SCL Tigers. SCL Tigers von 58.19 bis 59.23 ohne torhüter.

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