HC Lugano - SCL Tigers 4:3 (1:1, 0:1, 3:1)

Eine ganz normale Niederlage

3:4 in Lungano! Keiner rechnete in diesem Spiel mit einem Sieg der SCL Tigers. Und dieser «Keiner» beihielt recht. Dass alles auch ganz anders hätte komen können, interessiert hier keinen. Also eine ganz normale Niederlage.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

Hier zeigt der Schiedsrichter das Tor zur 2:1 - Führung der SCL Tigers an, die lange zu reden gab. Weiter unten gibts noch die Bilder zur Entstehung. Sämtliche Bilder: Susanne Bärtschi

 

Dass wir weiter unten die Bilder zur Entstehung und Vollendung des zweiten Tores der SCL Tigers zeigen, - es war das Führungstor zum 2:1 in der 35. Minute durch Chris DiDomenico, - hat den Grund, weil es durchaus auch der entscheidende Treffer in diesem Spiel hätte sein können. Gut, zugegeben. Das ist eine gewagte Behauptung. Denn der Gegner hiess immerhin Lugano, und dieser Gegner ist jederzeit für Tore gut. Aber wir schreiben ja von «sein können», und deshalb bleiben wir bei dieser Behauptung.

Doch schauen wir mal auf die wichtigen Fakten in dieser Partie. Wir beginnen mit dem Kuriosum des ersten Drittels. Bei vier Ausschlüssen gegen Langnauer erzielten die Powerplayspezialisten aus Lugano keinen einzigen Treffer. Dabei konnten sie volle zwei Minuten zu fünft gegen drei Langnauer ihr Glück versuchen. Die Tiger erzielten bei nur drei bestraften Luganesi immerhin ein Tor. Schade nur, dass sich die Langnauer nach dem Doppelausschluss gegen Flurin Randegger und Yannick-Lennart Albrecht noch nicht wieder richtig «sortiert» hatten, denn nur Sekunden nach Ablauf der beiden Strafen schepperte es hinter Damiano Ciaccio doch noch. Verteidiger Luca Fazzini zauberte den Puck artistisch zum Führungstreffer ins Netz. Doch Langnaus Chancen in Überzahl waren zu diesem Zeitpunkt noch ausstehend. Eine davon nützte Topscorer Rob Schremp bei einem Ausschluss gegen Philippe Furrer mit einem präzisen Schuss zum Ausgleich. Mit diesem Resultat ging es in die erste Pause.

Das Kuriosum setzte sich im zweiten Drittel fort. Je zwei Spieler wurden in diesem Abschnitt bestraft Jede Mannschaft erhielt also zwei mal zwei Minuten Zeit, in Überzahl einen Treffer zu erzielen. Und wieder waren es die Langnauer, die skorten. Es war der bereits erwähnte umstrittene Treffer zum 2:1 in der 35. Minute von Chris DiDomenico. Verkehrte Welt also bis zur 40. Minute, ähnlich wie am Tag zuvor gegen den EV Zug. Nur dass die Tiger diesmal auswärts anzutreten hatten.

Ähnlich wie im Spiel am Tag zuvor benötigten die Tiger auch diesmal wieder eine Portion Glück. Doch es war auch diesmal verdientes Glück. Sie kämpften leidenschäftlich, agierten diszipliniert, machten die zum Teil deutlich sichtbaren technischen Unterschiede mit Kampfgeist wett. Und es wäre - wie erwähnt - durchaus denkbar gewesen, dass die Langnauer diese Performance bis zum Schluss würden durchziehen können.

Wie erwartet, gerieten die Gäste im Schlussdrittel arg unter Druck. Doch ein Nachlassen der Langnauer war nicht in Sicht. Die Luganesi waren der Verzweiflung nahe. Bis die Emmentaler den Weg in die Niederlage doch noch fanden. In der 45. Minute wanderte Raffaele Sannitz für zwei Minuten auf die Strafbank. Wir erinnern uns: Die Tiger schnitten zuvor im Powerplay gut ab. Nicht jedoch diesmal. Lediglich 12 Sekunden dieser Strafe waren verstrichen, als der Treffer fiel. Doch er fiel aus Langnauer Sicht auf der falschen Seite. Das Tor war nicht zwingend. Es fiel aus einer Situation heraus, die zu bereinigen zu sein schien. Schütze war Raffaele Sannitz, und er brachte die Luganesi damit zurück ins Spiel.

Danach passierte dann, was bei acht kleinen Ausschlüssen einmal passieren musste: auch die Tessiner erzielten noch ihr Tor in Überzahl (48. Linus Klasen auf Zuspiel von Ryan Wilson) und gingen damit zum zweiten, und diesmal entscheidenden Mal in Führung.

Doch die Langnauer gaben sich auch nach dem vierten Gegentreffer durch Damian Brunner (56.) noch nicht geschlagen. Im Gegenteil. Mit sechs Feldspielern und ohne Torhüter kamen sie durch Thomas Nüssli in der 58. Minute nochmals heran. Doch es reichte nicht mehr für den Punktgewinn.

Pascal Berger zeigte sich heute nach dem Spiel gnädiger als gestern. Doch er sprach an, was dem aufmerksamen Beobachter ebenfalls auffallen muss: «Wir müssen die kleinen Dinge richtig machen. Und zwar über das ganze Spiel, und nicht nur über zwanzig, vierzig oder 58 Minuten. Dann bin ich überzeugt, dass wir solche Spiele auch gewinnen werden.» In der Tat kommen die Pässe der Langnauer deutlich häufiger nicht an als die der bisherigen Gegner, deutlich öfter verspringt die Scheibe be deren Annahme, oder erfolgen die Reaktionen der Gegner schneller. Daran muss gearbeitet werden.

Es ist allerhöchste Zeit, Siege einzufahren. Denn was wurden die Lakers aus Rapperswil auch nach Niederlagen immer wieder gerühmt. Man habe doch gut gespielt, habe den Gegner gefordert, hätte auch gewinnen können, und ein Sieg wäre sogar verdient gewesen, hiess es damals bei den St. Gallern. Heute ist man bei den Langnauern geneigt zu sagen: Sie kämpfen ja leidenschaftlich, sie fordern ihren Gegner, und sie hätten auch gewinnen können. Ja, ein Sieg wäre sogar verdient gewesen. Bei den Lakers stand am Ende der Abstieg, wenn auch erst im x-ten Anlauf. Wenn solche Niederlagen normal werden oder sind...

Geniessen Sie trotzdem noch die nachfolgenden Bilder. Achtung: Das Telegramm folgt erst nach den Aufnahmen.

 

 

HC Lugano - SCL Tigers 4:3 (1:1, 0:1, 3:1)

 

Resega, Lugano, 5'738 Zuschauer. SR: Fischer/Vinnerborg, Fluri/Kovacs. Tore: 12. Fazzini (Hofmann) 1:0. 18. Schremp (DiDomenico, Koistinen, Ausschluss Furrer) 1:1. 35. DiDomenico (Shinnimin, Koistinen, Ausschluss Sannitz) 1:2. 45. Sannitz (Ausschluss Chiesa) 2:2. 48. Klasen (Wilson, Ausschluss Albrecht) 3:2. 56. Brunner (Martensson, Gardner) 4:2.58. (57.16) Nüssli (Shinnimin) 4:3. Strafen: 7-mal zwei Minuten gegen Lugano,8-mal zwei Minuten gegen die SCL Tigers.

 

HC Lugano: Manzato; Furrer, Chiesa; Wilson, Ulmer; Ronchetti, Riva; Santori, Fazzini; Klasen, Martensson, Brunner; Hofmann, Zackrisson, Bürgler; Bertaggia, Sannitz, Gardner; Reuille, Morini, Walker.

 

SCL Tigers: Ciaccio; Koistinen, Stettler; Müller, seydoux; Randegger, Zryd; Currit; T. Gerber, Schremp, R. Gerber; Moggi, Albrecht, Nüssli; Shinnimin, DiDomenico, P. Berger; Haas, Chiriaev, Lindemann; Wyss.

 

Bemerkungen: Lugano ohne Vauclair, Hirschi, Merzlikins, Sondell, Fontana, S. Müller, Romanenghi. SCL Tigers ohne Blaser, Murray, Kuonen, A. Gerber,57.24: Timeout SCL Tigers. SCL Tigers von 56.30 bis 57.17 und von 57.37 bis 58.34 und ab 59.03 ohne Torhüter.

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