20 Minuten online

Eine «unheilige Allianz» gegen den Schiri-Chef

von Klaus Zaugg, 20 Minuten online - Den «Föhnsturm» hat Schiedsrichter-Chef Reto Bertolotti überstanden. Aber das erste Sommergewitter könnte ihn im Mai aus dem Amt fegen. Dabei ziehen der HCD und der ZSC am gleichen Strick.

Presse • • von Klaus Zaugg

HCD-Präsident Gaudenz Domenig hat am Mittwoch bei der Sitzung des Leistungs-Sportkomitees offen die Absetzung von Schiedsrichterchef Reto Bertolotti gefordert. Der Sturm kam also wie der Föhn von den Bergen herab. Ein entsprechender Antrag ist in dieser Sache gestern jedoch noch nicht formuliert und an die Verbandsführung (Verwaltungsrat Swiss Ice Hockey) weitergeleitet worden.

 

Aber es ist die Ruhe vor dem Sturm. Die massgebenden Herren am Tisch – aus der NLA waren es neben Gaudenz Domenig Zugs Patrick Lengwiler, Berns Sven Leuenberger und Zürichs Peter Zahner – sind sich in der Sache weitgehend einig: Es muss gehandelt werden. Ja, es ist zu einer «unheiligen Allianz» gekommen. Aus der Politik wissen wir, dass solche «unheiligen Allianzen» – etwa zwischen der SVP und der SP – eine durchschlagende Wirkung haben. Nun gibt es zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions eine gegen Reto Bertolotti.

 

Eigentlich sind sich HCD-Präsident Gaudenz Domenig und ZSC-Manager Peter Zahner spinnefeind. Aber in dieser Sache sind sie sich einig. Zahner sagt: «Gaudenz hat offene Türen eingerannt. Ich sage seit zwei Jahren, dass wir kein Schiedsrichterproblem haben. Unsere Schiedsrichter sind sehr gut. Aber wir haben bei den Schiedsrichtern ein Führungsproblem.» Wie Domenig sagt auch Zahner enerviert, Reto Bertolotti sei gegen jede konstruktive Kritik resistent. «Was wir auch vorbringen, wird ignoriert. Es passiert nichts.»



Maulkorb für alle Schiedsrichter

Allerdings hat niemand ein Interesse, ausgerechnet während den Playoffs die Polemik gegen den Schiedsrichterchef zu befeuern. Peter Zahner sagt: «Das Thema ist nun auf dem Tisch. Das ist gut so.» Bei der zweitägigen Klausur Ende Mai werde sich dann das Leistungsport-Komitee eingehend mit dem «Fall Bertolotti» beschäftigen und entsprechende Massnahmen aufgleisen. Dann folgt nach dem Föhnsturm ein Mai-Gewitter.

 

Der ehemalige Spitzenschiedsrichter hat den vom HCD-Vorsitzenden entfachten Föhnsturm also überstanden. Das aufziehende Mai-Gewitter könnte ihm hingegen den Job kosten. Aber er lässt nicht aus der Ruhe bringen und macht das, was kluge Politiker tun, wenn Kritik aufkommt: Er geht in Deckung und hofft, der Sturm möge vorüberziehen. Er sagt: «Ich habe eine Arbeit zu erledigen, ich habe mit niemandem ein Problem und ich habe keine Zeit für Verbands-Politik.» Aber sicherheitshalber ist inzwischen allen Schiedsrichtern und Funktionären ab sofort ein Maulkorb umgehängt worden: Redeverbot.

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