Blick

«Erfolg kann man nicht kaufen»

Milliardär und Flyers-Besitzer Philippe Gaydoul (41) hat das Verpassen der Playoffs verdaut.

Presse • • von Angelo Rocchinotti

BLICK: Herr Gaydoul, wie haben Sie den Dienstagabend erlebt?

Philippe Gaydoul: Mit gemischten Gefühlen. Es war uns auch bewusst, dass es so kommen kann. Es ist jetzt nicht ein Blitzschlag aus heiterem Himmel. Natürlich sind wir enttäuscht. Aber es ist auch kein Weltuntergang.

 

Sie haben die Entscheidung am TV verfolgt. Schauten Sie sich das Spiel von Kloten oder von Biel an?
Ich habe natürlich meine Jungs verfolgt. Die TV-Produzenten haben das gut gemacht. Da war immer ein Einblender über den Spielstand in Biel. 

 

Da stand es nach dem 1. Drittel 3:0.
Im Hockey ist immer alles möglich. Aber klar: Die Stimmungskurve ist nach dem ersten Drittel nicht nach oben gegangen. 

 

Haben Sie gelitten?
Natürlich habe ich mitgefiebert. Aber: So ist der Sport. Wir haben gewusst, dass wir es nicht mehr in den eigenen Händen haben. Ich bin stolz gewesen, was unsere Jungs gezeigt haben. Welche Energien sie vor allem in den letzten drei Spielen freigesetzt haben. Ich weiss, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt.

  

Dann kann man sagen, dass der Trainerwechsel zu spät kam?
Möglicherweise. Das werden wir nie wissen. Aber ich glaube, dass man in den letzten drei Spielen eine klare Leistungssteigerung sah.  

 

Hat man nicht zu viel Zeit verloren? Zwischen dem Entscheid, Tamfal durch Hollenstein zu ersetzen, und dem Wechsel verging ein Monat.
Mag sein. Ich weiss es nicht. Unser Sportchef André Rötheli ist erst drei Monate da und musste sich erst ein Bild machen. Keiner wollte einen Schnellschuss.

 

Sind Sie ein guter Verlierer?
Verlieren tut niemand gern. Aber das gehört zum Sport. Man sollte nicht vergessen: Woher kommen wir? Wenn jemand vor neun ­Monaten gesagt hätte, die Flyers kämpfen um einen Playoff-Platz, hätten alle gelacht und gesagt: Die werden gar nicht mehr spielen. Es war klar, dass es eine Konsolidierungsphase braucht.

 

Sie wurden zuletzt als Inbegriff des reichen Mannes, der glaubt, alles kaufen zu können, bezeichnet.
Jeder, der mich kennt, weiss, dass ich überhaupt nicht so funktioniere. Von klein auf habe ich gelernt, dass Geld hart erarbeitet werden muss und man sich vieles im ­Leben nicht kaufen kann. Auch nicht Erfolg. Ich möchte auch den Bielern zur Playoff-Qualifikation gratulieren. Sie haben im Übrigen auch gezeigt, dass man kein Atom-Budget haben muss. 

 

Waren Sie sich bewusst, dass Sie als Flyers-Besitzer auch zur Zielscheibe von Kritikern werden?
Ja. Wenn mich das stören würde, hätte ich auf dieses Engagement verzichtet. Aber ich erfahre auch tagtäglich viel Positives. Viele haben nicht vergessen, was wir und das Team gemacht haben. Viele sehen, dass wir Schritt für Schritt gehen. Aber es gibt halt auch Leute, die nur negativ denken.

 

Kloten war stets ein Dorfklub, der auf Junge setzte. Ist das noch so?
Der Klub hat eine Identität. Diese wollen wir auf keinen Fall auf die Seite schieben. Es sind Werte, auf die wir stolz sein dürfen.

 

Wie schwierig ist es, die Ausgaben im Sport im Griff zu behalten?
Bei Lohnentwicklungen sagen wir klar, dass wir unsere Limiten haben. Mit dem Risiko, dass halt mal ein Spieler geht. Man darf nicht zum Vollblut-Fan avancieren.

 

Sie könnten sich das aber leisten.
Ich würde dem Klub damit langfristig keinen Gefallen machen. Das Ziel muss es sein, dass die Flyers unabhängiger von mir ­werden.