Derby-Revanche ging in die Hose:

Es gewinnen halt nicht immer die Netten

Die SCL Tigers beziehen gegen den SC Bern eine diskussionslose 1:5 - Niederlage. Dabei schlugen sich die Langnauer zum Teil gleich selbst.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

Die SCL Tigers belagern das Berner Tor, doch die Tore fielen hauptsächlich auf der Langnauer Seite. Bild: Susanne Bärtschi

 

Bei einer 1:5 - Niederlage gibt es nichts zu diskutieren. Sollte man meinen. Doch auch diesmal waren die Berner nicht so gut, dass sie unschlagbar gewesen wären. Auch nicht für die SCL Tigers. Die Langnauer waren sichtlich bemüht. Doch es fehlten nicht nur Spieler wie Ville Koistinen und Antti Erkinjuntti. Doch alles der Reihe nach.

Gestern rühmten wir den Buben, der mit sehr viel Freundlichkeit in Bern seine Lose zugunsten des SCB-Nachwuchses verkaufen wollte, und wohl dank seines verkäuferischen Talentes auch viele davon an den Fan brachte. Heute zeigten sich die Langnauer fast noch netter. Mit Martin Lenz und Ernst Kühni empfingen gleich zwei Verwaltungsräte der SCL Tigers die Fans mit Geschenken. Verschenkt wurden – bei allerdings fast frühlingshaften Temperaturen – Handschuhe. Dazu gab es den Pin «Respect – Faire Fans mit einem Magneten zum an die Jacke heften. So viel Nettigkeit kam natürlich gut an. Herzlichen Dank dafür. Gestern zweifelten wir daran, ob Nettigkeit auch siegreich sein kann. Die netten Berner gewannen jedoch in der Verlängerung. Heute im Spiel der Revanche zeigte sich, dass eben Nettigkeit – leider – doch nicht immer zum Sieg führt. Das Spiel zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern war nach dem ersten Drittel bereits praktisch zugunsten der Gäste entschieden. Denn zur ersten Pause führten die Berner dank zwei Treffern von Gaetan Haas und einem Fehler von Tiger-Hüter Ivars Punnenovs mit 0:3. Beide Treffer in Überzahl waren schön heraus gespielt. Da war jeweils für Punnenovs nichts zu machen. Der erste fiel bereits nach genau drei Minuten. Yannick Blaser sass in der Kühlbox, weil er den Puck unerlaubterweise aus der eigenen Zone direkt vom Eis befördert hatte. Bei einer schnellen Kombination mit Calle Andersson und Raymond Mason stand Haas genau richtig und verwertete eiskalt. Der zweite Treffer von Haas, ebenfalls in Überzahl, fiel bei einer Strafe gegen Samuel Erni. Lediglich neun Sekunden des Powerplays waren gespielt, als Haas einen scharfen Pass von Eric Blum ins Langnauer Tor ablenkte. Bitter für die Tiger, dass sie lediglich 1,14 Minuten zuvor völlig aus heiterem Himmel das vermeidbare 0:2 kassiert hatten. Dabei machte Punnenovs keine souveräne Figur. Er wurde denn auch ab Beginndes zweiten Drittels durch Damiano Ciaccio ersetzt. Doch das 0:3 gab den Spielverlauf der ersten 20 Minuten nicht korrekt wieder. Zwar lagen die Berner zu diesem Zeitpunkt zurecht in Führung, doch diese war eindeutig um ein bis zwei Tore zu hoch. Doch wir erinnern uns: In der aktuellen Saison bogen die Tiger gegen den SCB bereits einmal einen 0:3 – Rückstand noch in einen Sieg um. Im zweiten abschnitt zeigte sich, dass sie diesen Erfolg durchaus noch in Erinnerung hatten.

Das Bemühen, es den Bernern auch diesmal wieder zu zeigen – auch diesmal wieder nach einem 0:3 – Rückstand – war durchaus vorhanden. Am Willen, am Resultat etwas zu ändern, oder gar das Spiel zu kehren, lag es mit Sicherheit nicht. Die Emmentaler lieferten auch beileibe keine schlechte Leistung ab. Doch während im Dezember der Puck lange Zeit auf ihre Seite fiel, läuft dieser derzeit gar nicht für die Langnauer. «Wir waren heute nicht so schlecht, und wir hatten unsere Chancen», resumierte Pascal Berger. Doch der Captain der SCL Tigers räumt ein: «Wir waren auch in der Phase, als wir häufig gewannen, nicht immer gut. Aber wir fanden immer einen Weg. Dies fehlt uns derzeit.»

Recht hat er. Derzeit finden die SCL Tigers nicht nur den Weg zum Sieg nicht. Sie scheinen regelrecht den Weg in die Niederlage zu finden. Um es auf den Punkt zu bringen. Die Langnauer ackerten und ackerten, suchten den Weg zum Tor, fanden diesen aber viel zu selten, gerieten durch Strafen und Eigenfehler in Rückstand, und als es in der 47. Minute endlich klappte mit einem Tor, – Andreas Thuresson erzielte es auf kuriose Weise, - und die Langnauer endlich Oberwasser zu erhalten schienen, nahmen sie sich durch dumme Strafen gleich selbst wieder aus dem Spiel. Yannick Blaser kassierte für einen hohen Stock gleich zwei Mal zwei Minuten. Und auch diese dritte Gelegenheit, einen Treffer in Überzahl zu erzielen, nutzten die Berner aus. Die Luft war danach endgültig draussen. Das Spiel gelaufen. Nicht schlecht gespielt, aber trotzdem deutlich verloren.

Pascla Berger wirkte frustriert, aber auch kämpferisch. «Am Donnerstag in Lausanne muss es klappen. Sonst sind die Playoffs weg.» Und er fügte hinzu: «Es ist eng in dieser Liga. Aber wir müssen den Weg zum Sieg wieder finden. Wir werden dafür bezahlt, zu gewinnen.»

Wenn beim SC Bern die gesamte erste Linie ausfällt, bemerkt man – zumal gegen Mannschaften aus der hinteren Tabellenregion – häufig nicht viel. Es sind genügend Spieler mit Starpotential vorhanden, diese Lücken zu schliessen. Trnasferieren die SCL Tigers einen Spieler wie Ville Koistinen weg, und fällt dann auch noch einer wie Antti Erkinjuntti aus, dass ist niemand da, der diese Lücke vollständig füllen kann. Pascal Berger sagt zwar: «Wir müssen in der Lage sein, trotzdem unsere Leistung zu erbringen. Dafür müssen wir enger zusammen rücken und jeder muss noch etwas mehr geben.» Doch dies ist oftmals leichter gesagt als getan. Denn immerhin steht bei jedem Spiel ein Gegner auf dem Platz. Dessen Spieler wollen ebenfalls gewinnen.

 

SCL Tigers - SC Bern 1:5 (0:3, 0:0, 1:2)

Ilfishalle, 6'000 Zuschauer (ausverkauft). SR: Salonen (FIN)/Tscherrig, Borga/Wüst. Tore: 3. G. Haas (Raymond, Andersson, Ausschluss Blaser). 17. Bodenmann 0:2. 18. G. Haas (Blum, Andersson, Ausschluss Erni) 0:3. 47. Thuresson 1:3. 51. Noreau (Ebbett, Ausschluss Blaser) 1:4. 58. Mason (Ebbett) 1:5. Strafen: 5-mal zwei Minuten gegen die SCL Tigers, 1-mal zwei Minuten gegen den SC Bern.

SCL Tigers: Punnenovs (ab 21. Ciaccio); Seydoux, Zryd; Blaser, Huguenin; Erni, Lardi; Randegger; Himelfarb, Gustafsson, Thuresson; Dostoinov, Gagnon, elo; Kuonen, P. Berger, Neukom; N. Berger, Albrecht, Nüssli; R. Gerber.

SC Bern: Geneoni; Blum, Untersander; B. Gerber, Noreau; Krueger, Andersson; Burren, Kamerzin; Raymond, Ebbett, Bodenmann; Scherwey, G. Haas, Hischier; Meyer, Pyörälä, A. Berger; G-A.Randegger, Kämpf.

Bemerkungen: SCL Tigers ohne Erkinjuntti, Stettler, Peter (alle verletzt), Müller (Langenthal), L. Haas, Rüegsegger (beide überzählig). Bern ohne Arcobello (gesperrt), Moser, Ruefenacht (beide verletzt), C. Gerber, Dubois, Wolf, Heim (alle NLB).

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