Wochen-Zeitung, Bruno Zürcher

«Es ist eminent wichtig, dass die Fans gerne nach Langnau kommen»

In drei Wochen starten die SCL Tigers in die NLB-Saison. Wolfgang Schickli, seit Mai Geschäftsführer der SCL Tigers AG, hofft auf volle Ränge und blickt optimistisch in die Zukunft.

Presse •

Herr Schickli, am 14. September steht in Langnau das erste Meisterschaftsspiel an. Was dürfen die Fans «neben dem Eis» erwarten?
Wir wollen neben dem Eis für das Publikum einen für die NLB einmaligen Service bieten. Beispielsweise werden wir während der Spiele mit ein bis zwei Kameras filmen und die Bilder am Videowürfel, im «Bistro 46» und in der «Jakob-Galerie» zeigen – das gibts in der NLB sonst nirgends.



Wenn die grossen Fernsehstationen nicht mehr filmen, fehlen nicht nur die Bilder, es fehlt auch viel Geld.

Das stimmt. Wir erhalten alleine bei den Übertragungsrechten über eine halbe Million Franken weniger als in der NLA. Auch beim Sponsoring wirkt sich die fehlende Präsenz im Fernsehen aus – hier müssen wir sicher mit Einbussen von rund einem Drittel rechnen.


Haben fehlende Fernsehkameras auch positive Auswirkungen?
Wir hoffen, dass mehr Leute ins Stadion kommen, um die Spiele live anzusehen, weil diese nicht mehr auf «Teleclub» übertragen werden. Ich habe zudem gehört, dass die Reservationen für Auswärtsfahrten zugenommen haben.


Die Sponsoring-Einnahmen sinken, wie entwickeln sich die Spielersaläre?
Die Löhne der Spieler sind in ähnlichem Mass wie die Sponsoring-Einnahmen gesunken. Alle Spieler mussten zudem dasselbe Bonus-Malus-System akzeptieren. Platziert sich die Mannschaft schlechter als auf dem vierten Platz, wird der Lohn gekürzt, spielt sie ganz vorne mit, gibts Bonus.



Ein Bonus für die SCL Tigers ist die treue Fangemeinde. Wie viele Abos haben Sie bislang verkauft?
Wir konnten bislang etwas weniger Abos verkaufen als im letzten Jahr. Stand heute sind gut 2800 Saison-Abonnemente. Alle erhalten zum Dank eine persönlich adressierte Karte. Bei den Heimspielen hoffen wir, dass über 4000 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Ilfishalle für Stimmung sorgen.



Hohe Zuschauerzahlen sind wichtig, um viele Sponsoren ins Boot zu holen und schliesslich eine Mannschaft zu haben, die den Sprung in die NLA schaffen kann.

Es ist eminent wichtig, dass die Fans gerne nach Langnau kommen. Ohne die Fans können die Tigers keine schlagkräftige Truppe unterhalten. Im Sponsoring haben wird derzeit den Stand, den wir erwartet haben. Genaue Zahlen kommunizieren wir nicht. Die meisten Sponsoren stehen zu den SCL Tigers, was sehr erfreulich ist. Wir konnten auch einige neue von einem Engagement bei den SCL Tigers überzeugen.



Sie wurden als Mann mit einem guten nationalen Netzwerk angekündigt. Konnten Sie auch national tätige Firmen als Sponsoren verpflichten?
In einem Fall ist dies gelungen. Die Firma Doetsch-Grether aus Basel hat einen Dreijahresvertrag als Sponsor unterzeichnet. Ich möchte betonen, dass das Engagement der Firma Doetsch-Grether ausschliesslich durch unseren Marketingleiter Erich Kropf bewerkstelligt wurde. Wir pflegen aber nicht nur die grossen Firmen. Auch kleinere Unternehmen aus der Region, welche zum Teil seit Jahren bei uns Werbung machen, sind wichtig. Wir haben viele persönliche Gespräche geführt, das ist die Voraussetzung für eine vertrauensvolle Basis.



Das heisst, dass Sie als Geschäftsführer Klinken putzen.
Ich habe auf eigenen Wunsch vom Marketingleiter 40 Dossiers übernommen und bearbeitet. Ich war erstaunt, was ich in diesen persönlichen Gesprächen alles erfahren habe. Jedes Gespräch war ein Geschenk. Ich lernte unterschiedlichste Menschen und Firmen kennen – ein wahrer Integrationskurs für einen Zürcher.



Was unterscheidet den Emmentaler vom Zürcher?
Der Emmentaler schaut zuerst und gibt dann ein direktes, aber faires Urteil ab. In Zürich hingegen  schiesst man zuerst mal ohne sich genau mit der Sache zu befassen. Und es ist eigentlich egal, ob und wen man trifft.



Sie wurden hier zu Beginn auch heftig kritisiert, weil Sie sich in sportliche Belange eingemischt haben sollen, ohne viel von Eishockey zu verstehen.
Ich möchte festhalten, dass ich mich nicht in sportliche Belange eingemischt habe. Es war meine Aufgabe, Entscheidungen vom Verwaltungsrat umzusetzen. Dass ich nichts von Eishockey verstehe, habe ich selber gesagt. Ich gehöre nach wie vor der Sportkommission an, welche die Aufgabe des Sportchefs wahrnimmt. Ich diskutiere da nicht über eishockeyspezifische Belange. Aber ich kann beispielsweise abschätzen, ob ein Spieler finanziell tragbar wäre. Die Kommission, welcher auch Verwaltungsratsmitglied Karl Brügger oder Trainer Tomas Tamfal angehören, wird Bestand haben, bis wir einen vollamtlichen Sportchef haben. Am besten wäre wohl jemand aus den eigenen Reihen; die Besetzung der Funktion eines Sportchefs hat im Moment aber keine Priorität.



Jemanden gefunden haben Sie als neuen Gastro-Chef, nachdem bekannt wurde, dass Philippe Schnider die SCL Tigers AG verlassen wird.

Ruschy Grüenig, welcher derzeit bei der Migros beschäftigt ist, wird bei uns seine Tätigkeit als Gastro-Chef per 1. Oktober aufnehmen. Philippe Schnider wird die SCL Tigers AG auf eigenen Wunsch verlassen.



Gibt es beim Catering Änderungen auf die neue Saison hin?
Die Angebote werden nicht gross ändern – die haben sich bewährt. Neu werden wir das Catering in der «Jakob-Galerie» selber machen und nicht mehr von der Migros einkaufen. Das ist eine grosse Herausforderung, bei der wir keine Vorlaufzeit haben.



Eine weitere Einnahmequelle ist der «Tigersaal». Wie stark ist dieser ausgelastet?  
Vergangene Woche fand ein zweitägiges Seminar mit 250 Eismeistern aus der ganzen Schweiz statt. Weitere Veranstaltungen sind geplant. Der «Tigersaal» hat noch Potenzial. Wir können aber nicht zig Konzerte veranstalten, das wäre gegenüber der «Kupferschmiede» nicht fair.



Nach dem Abstieg wurde immer wieder betont, dass die SCL Tigers AG finanziell gesund sei. Können Sie kontrete Zahlen nennen?
Die detaillierten Zahlen werden erst an der Generalversammlung im September kommuniziert. Ich kann aber sagen, dass die Rechnung mit einer schwarzen Null schliesst.



Das lässt hoffen für die Zukunft.
Wir müssen nicht wie andere Klubs sanieren und haben die Lizenz ohne jede Auflage erhalten. Wir werden diese Woche den Antrag stellen, dass wir – falls wir sportlich den Aufstieg schaffen würden – auch wirklich in die höchste Liga wechseln würden.



Sie tönen sehr optimistisch.
Letzte Saison hat niemand mit einem Abstieg gerechnet. Nun haben wir beispielsweise bei den mehrjährigen Sponsoringverträgen auch den Fall eines Aufstiegs vorgesehen. Man weiss nie.

 

Wolfgang Schickli

Wolfgang Schickli (49) war vor seinem Engagement bei der SCL Tigers AG für die Kloten Flyers tätig. Berufliche Stationen waren zuvor die Valora AG, bei der er während fünf Jahren das Presse- und Zeitungsgeschäft leitet, sowie zwei Jahre die deutsche «Globus»-Gruppe. Schickli ist Vater dreier Teenager, geschieden und hat einst eine kaufmännische Ausbildung genossen. Während der Woche und an Spieltagen lebt er in Langnau, ansonsten in Zürich.

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