Kommentar zum Führungswechsel bei den SCL Tigers

Es wird nicht einfach

Kein Zweifel, dem Verein «Rettet den Tiger» ist es zuzutrauen, dass er die benötigte Million auftreibt, und somit den Fortbestand der SCL Tigers zumindest temporär sichert. Dass die Herren um Peter Jakob danach bereit sind, die Führungsverantwortung bei der angeschlagenen Langnauer Eishockey-Organisation zu übernehmen, ist zu begrüssen. Denn Hans Grunder wirkte sehr verkrampft, und scheint zudem nicht in der Lage zu sein, selbst noch Akzente zu setzen. Die folgenden Punkte wird die neue Führung beachten müssen, will sie erfolgreich sein.

Blog • • von Bruno Wüthrich

1.) Ein Sportklub, selbst wenn dieser als Aktiengesellschaft geführt wird, ist nicht den gleichen Gesetzmässigkeiten unterworfen wie ein Unternehmen der freien Wirtschaft. Dies fängt bereits damit an, dass das Interesse an einem Gewinn nicht über die Teppichetage hinaus reichen wird. Die Akteure auf dem Eis sind interessiert am sportlichen Erfolg und an einer möglichst gut gefüllten Lohntüte. Ihre Interessen lassen sie durch gewiefte Agenten vertreten.

2.) Auch das werte Publikum ist interessiert an Erfolgen. Peter Jakob hat durchaus recht, wenn er sagt, dass es in Langnau auch Niederlagen verleiden mag. Aber nicht durchs Band weg. Und einen Abstieg würden viele Fans nicht goutieren. Genauso wenig, wie es sich positiv auf den Zuschaueraufmarsch auswirken würde, wenn von Beginn weg keine Chance auf die Playoffs bestehen würde. Langnau ist nicht deswegen speziell, weil die Interessen anders liegen als anderswo. Langnau ist speziell, weil es hier etwas mehr an Erfolglosigkeit leiden mag. Aber es mag längst nicht alles leiden.

3.) Ein Hype wie damals in der 1. Liga wäre heute eher unwahrscheinlich. Wie viele Fans erinnerte sich auch Peter Jakob an die Zeit, als die Tiger in der 1. Liga einen Zuschauerschnitt von über 4'000 hatten. Doch dafür waren drei Faktoren erforderlich: Siege, der Wille und das offensive Bekenntnis der damaligen Führung, rasch möglichst wieder in die NLA aufsteigen zu wollen, sowie die beiden Hoffnungsträger Simon Schenk und Fred Wenger. Damals gab es weder Internet noch Handys. Heute könnte sich die erfolgsverwöhnte Jugend anderswo die Zeit vertreiben, und die älteren Semester fänden mangels Stimmung im Stadion den Weg dorthin ebenfalls weniger.

4.) Ein Abstieg in die NLB wäre deshalb heute viel dramatischer, als dies Peter Jakob glaubt, und wäre wohl nicht mehr korrigierbar. Auch wenn, wie Jakob vermutet, viele Sponsoren bleiben würden, so würden sie eine Liga tiefer nie und nimmer die gleichen Beträge bezahlen wollen wie in der NLA. Das Budget müsste wohl deutlich unter drei Millionen Franken gesenkt werden. Und da heute die Leistungsunterschiede zwischen der NLA und der NLB sehr gross sind, und weil der NLB-Erste nicht automatisch aufsteigt, wären die Tiger ein ewiges B-Team. Oder zumindest so lange bis zum Abstieg in die 1. Liga.

5.) Wollen die SCL Tigers als Ausbildungsklub Erfolg haben, brauchen sie einen erstklassigen Trainer. Diesen haben sie in der Person von Christian Weber. Erstklassige Trainer haben jedoch einen Anspruch auf Erfolg. Sie geben sich längerfristig nicht zufrieden mit hinteren Plätzen, ohne jegliche Aussicht, sich selbst profilieren zu können. Verweigert man ihnen langfristig Personal mit Erfolgspotential, so werden sie eher früher als später einen Abgang machen. Noch schlimmer: Es würde schwierig, Trainer mit gutem Ruf (wichtig für einen Ausbildungsklub) verpflichten zu können.

6.) Es gibt nur sehr, sehr wenige erstklassige Geschäftsführer, welche sich Langnau «antun». Denn Langnau ist ein schwieriges Umfeld, in welchem es schwierig ist, sich zu profilieren. Sponsoren sind nicht so leicht zu finden, wie anderswo. Das Gleiche gilt für das Personal. Zudem steht er immer im Wind der Stamm- und Ladentische. Es kann deshalb nicht sein, dass ein «Lehrling» bei den Tigern die Geschäfte führt. Zudem: Wer auch immer Geschäftsführer wird oder bleibt – er braucht die Unterstützung aus dem Verwaltungsrat. Es ist oft so, dass ein Wechsel im Verwaltungsrat auch den Geschäftsführer den Kopf kostet. Wie auch immer Peter Jakob und seine Leute im Fall Schlatter entscheiden, sie tun gut daran, nicht einfach einen «Everybodys Darling» einzustellen. Ein Geschäftsführer muss die unpopulären Massnahmen des Verwaltungsrates vertreten können, und er darf ob dem Druck von den Stammtischen und den Pinwänden im Internet nicht zerbrechen.

 

Die Fans werden die Bestrebungen des Vereins «Rettet den Tiger» unterstützen. Im ersten Moment werden viele im Umfeld und von den Rängen die «vernünftige» Politik loben. Aber wenn die ersten Niederlagen auf dem Eis Tatsache geworden sind, und wenn früh keine Aussicht mehr auf die Playoffs besteht, wird der neuen Führung ein eisiger Wind um die Ohren wehen. Und dafür, dass allenfalls sogar die NLB in Kauf genommen werden soll, wird bald einmal jegliches Verständnis fehlen. Denn Langnau ist NLA! Und so soll, - so muss es bleiben!

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