Aus dem Hamburger Abendblatt

Ex-Freezers-Trainer Laporte über seine Rolle im Clark-Deal

In Hamburg wird - was naheliegend ist - vermutet, dass der ehemalig Freezers- und neue Tigers-Coach Benoît Laporte beim Transfer um den neuen Langnau-Kanadier Kevin Clark massiv seine Finger im Spiel gehabt haben könnte. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt gab Laporte Auskunft. Lesen Sie unten stehend das Interview.

News • • von bw

 

Kevin Clark, der Spieler der Saison in der DEL, wechselt von den Hamburg Freezers zum neuen Club seines Ex-Trainers Benoît Laporte. Hamburg. Am Freitag beginnt für Benoît Laporte das neue berufliche Abenteuer in der Schweiz. Der ehemalige Trainer der Hamburg Freezers steht ab der kommenden Saison bei den SC Langnau Tigers hinter der Bande. Dort wird der 54-Jährige einen alten Bekannten begrüßen können. Der Wechsel von Freezers-Stürmer Kevin Clark zum Nationalliga-A-Aufsteiger ist seit diesem Montag perfekt. Im exklusiven Abendblatt-Interview spricht Laporte über seine Rolle im Clark-Deal, die Ziele in der Schweiz, und über seine Wünsche für die Freezers.

 

Hamburger Abendblatt: Herr Laporte, haben Sie den Freezers Kevin Clark geklaut?

 

Benoît Laporte: Ist der Wechsel überhaupt schon perfekt? Als ich heute morgen mit meinem Sportchef in Langnau telefoniert habe, war es noch gar nicht klar, ob der Transfer klappt. Es gibt wohl auch noch einige andere Interessenten. Deshalb kann ich gar nicht so viel dazu sagen.

 

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Langnau es offiziell macht. Die Freezers haben sich mit den Tigers auf eine Ablösesumme geeinigt. Also: Haben Sie Clark den Freezers geklaut, Herr Laporte?

 

Laporte: (lacht) Nein, das habe ich sicher nicht. Sie glauben nicht, wie viele Anrufe und Mails ich in den letzten Stunden bekommen habe. Jeder will wissen, ob ich die treibende Kraft bei dem Wechsel war. Dem ist definitiv nicht so. Das ist nicht mein Stil. Ich habe Hamburg im Guten verlassen, und will mich dort immer wieder blicken lassen können. Daher kann ich klar sagen: Ich habe Clark nicht nach Langnau gelockt.

 

Wie kam der Wechsel dann zustande?

 

Laporte: Kevin Clark wollte Hamburg unbedingt verlassen, und eine neue Herausforderung suchen. Es waren einige Teams in Europa an ihm dran. Vor allem in Schweden stand er hoch im Kurs. Kevins Agent, der sein Büro in der Schweiz hat, hatte vor einiger Zeit Langnau kontaktiert und gesagt, dass Clark gerne den nächsten Schritt in seiner Karriere machen will. Daraufhin hat mich Tigers-Sportchef Jörg Reber angerufen und gefragt, ob ich Kevin kennen würde und wie ich über ihn denke.

 

Ihr Verhältnis zu Clark war zu gemeinsamen Hamburger Zeiten eher unterkühlt, mehrmals haben Sie ihn öffentlich kritisiert, auch intern hat es immer wieder Differenzen gegeben. Wie kann das in Langnau passen?

 

 

Top-Stürmer Kevin Clark wird die Freezers verlassen Foto: TimGroothuis / WITTERS

 

Laporte: Zunächst einmal möchte ich klarstellen, dass ich nie mit Kevin Clark oder irgendeinem anderen Spieler ein persönliches Problem hatte. Natürlich musste sich Kevin nach seinem Wechsel aus Krefeld erst einmal an meine Arbeitsweise gewöhnen und das taktische Konzept lernen. Es hat ein bisschen gedauert, bis er verstanden hat, was ich von ihm wollte. Clark ist ein starker Stürmer, der perfekt in das System passt, dass ich in der Schweiz anwenden möchte. Er ist schnell, aggressiv und
torgefährlich. Wer zweimal in Folge die 30-Tore-Marke in Deutschland knackt, hat enorm viel Qualität.

 

Wie ist es Ihnen seit Ihrem Abgang in Hamburg ergangen? Haben Sie die Entlassung, die Ihnen damals sehr nahe gegangen war, verdaut?

 

Laporte: Mir geht es sehr gut. Hier in Quebec wird das Wetter immer besser. Ich habe vor zwei Tagen meine Harley herausgeholt, und werde jetzt wieder häufiger fahren. Ich habe die letzten Monate sinnvoll genutzt und mich weitergebildet, viele handwerkliche Tätigkeiten in meinem Haus erledigt und bin verreist. Daher bin ich voller Energie für die neue Aufgabe in Langnau.

 

Was reizt Sie an dem Job bei einem Aufsteiger in der Schweiz?

 

Laporte: Ich hatte in den letzten Monaten einige Angebote aus Frankreich und Italien. Aber das war nichts für mich. Die Schweiz ist nicht neu für mich, ich habe bereits dort gearbeitet. Mit Langnau die Klasse zu halten, ist eine unglaublich spannende Herausforderung für mich. Die Tigers haben in der Schweiz nicht gerade ein üppiges Budget. Ähnlich wie in Deutschland ist die Liga sehr ausgeglichen. Jeder kann jeden schlagen. Es wird nicht einfach, aber wir werden den Klassenerhalt schaffen.

 

Wann fängt Ihre Arbeit in Langnau an?

 

Laporte: Ich fliege am Freitag zunächst für zehn Tage in die Schweiz, um mich vor Ort mit allen Spielern zu einem persönlichen Gespräch zu treffen. Offizieller Trainingsstart ist dann der 27. Juli. Aber anders als in der DEL, trainieren die Spieler dort den ganzen Sommer über gemeinsam. Das Team wird also keine lange Eingewöhnungsphase brauchen.

 

Verfolgen Sie noch das Geschehen bei den Freezers?

 

Laporte: Natürlich habe ich immer noch ein Auge auf die Freezers. Ich hatte eine tolle Zeit in Hamburg, und ich komme immer wieder gerne in diese tolle Stadt zurück. Ich habe gesehen, dass die Freezers Marcel Müller verpflichtet haben. Ein toller Transfer, zu dem ich nur gratulieren kann. Der Junge wird die Hamburger enorm verstärken. Wenn man sich die Qualität der deutschen Spieler anschaut, muss man sagen, dass die Freezers immer zu den Titelkandidaten zählen werden. Ich drücke dem Club auf jeden Fall die Daumen.