SC Bern - SCL Tigers 4:2 (1:1, 1:1, 2:0)

Famose Einzelleistung von Jérémie Kamerzin entschied würdiges Derby

Zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden forderten die SCL Tigers einem Meisterschaftsfavoriten alles ab, und stehen trotzdem mit leeren Händen da.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

Jubel nach Claudio Moggis (Nr 16, links) Führungstreffer in der 12. Minute. Eine Strafe gegen Berns Simon Moser war gerade seit fünf Sekunden abgelaufen. Der Assist kam von Alexei Dostoinov (Nr. 62, rechts). Bild: Susanne Bärtschi.

 

Heinz Ehlers Fazit fiel zu hart aus: «Uns fehlt es an Qualität und an Disziplin». Dies mag zwar stimmen. Aber wir sahen heute ein spannendes und zuweilen auch emotionales Derby, das sich der Paltzklub hinsichtlich der bevorstehenden Aufgaben bestimmt etwas leichter vorgestellt hatte. Immerhin gerieten die beiden bisherigen Derbys an gleicher Stätte jeweils zu eindeutigen Angelegenheiten. Einzig die Begegnung in Langnau vermochten die Emmentaler siegreich zu gestalten. Doch diesmal war es alles andere als eine eindeutige Angelegenheit. Im Gegenteil: Es hätte nicht viel mehr Glück gebraucht, und die SCL Tigers wären als Sieger aus diesem packenden Spiel hervor gegangen. Was wäre gewesen, hätten die Berner nicht mit unentschiedenem Spielstand in die erste Pause gehen können?

 

Das tut gut! Hier jubelt Brendan Shinnimin über seinen Treffer zum 2:2 - Ausgleich. Der Kanadier, der zuletzt häufig nur Ausländer Nr. 5 ist, erhielt den vorzug vor Topscorer Rob Schremp. Und Shinnimin war heiss. Das Tor fiel während eines Überzahlspiel zugunsten der Tiger. Berns Marco Müller sass auf der Strafbank. Der Assist kam erneut von Alexei Dostoinov. Bild: Susanne Bärtschi.

 

In  der 12. Minute brachte Claudio Moggi die Langnauer nach einem tollen Zuspiel von Alexei Dostoinov mit 1:0 in Führung. Der Ausgleich der Berner in Überzahl lediglich eine Sekunde vor Drittelsende war zwar verdient, aber so kurz vor der Sirene auch mit etwas Glück verbunden. Der Ex Langnauer Simon Moser erzielte ihn, nachdem die Langnauer in Scheibenbesitz diese nicht aus dem eigenen Drittel brachten. Mit etwas mehr Konsequenz wäre dieser Ausgleich zu verhindern gewesen.

 

Etwas Angst um die Tiger musste man haben, nachdem Ramon Untersander die Berner in der 25. Minute mit 2:1 in Führung brachte. Marc Archobello bediente den Torschützen mit einem marginalen Zuspiel quer durch den Slot. Würden die Langnauer nun - wie im ersten Spiel - auseinander fallen? Nein. Die Tiger fingen sich, und glichen durch Brendan Shinnimin bereits in der 29. Minute wieder aus. Shinnimin, in Langnau lediglich Ausländer Nr. 5, nutzte die Chance seines Einsatzes, zeigte eine ebenso engagierte wie gute Lesitung, und machte damit klar, dass seine Nr. 5 in der Ausländerhierarchie nicht zwingend in Stein gemeiselt sein muss. Mit solchen Leistungen ist der Kanadier jederzeit eine Option.

 

Fast ein bisschen tragisch, dass der Siegtreffer der Berner nach einer zugegebenermassen tollen Einzelleistung von Jérémie Kamerzin vermeidbar gewesen ist. Der sonst gute Damiano Ciaccio im Tiger-Tor hätte den halten müssen. So bleibt die Poistfinance-Arena zu Bern für Ciaccio ein (zu?) heisses Pflaster. Er war bereits in den beiden ersten Begegnungen in Bern der Starting-Goali. Überragend war er in beiden Spielen nicht. Etwas anders ausgedrückt. Damiano Ciaccio ist ein Torhüter, der für die SCL Tigers bereits viele Spiele gewonnen hat. Er ist ebenso wie Ivars Punnenovs unbestritten. Doch am Ende dieses Tages war halt in Bern erneut Damiano Ciaccio einer der Gründe für die Niederlage. Macht nichts, wenn er dafür andere Spiele gewinnt.

 

Der zweifache Assistgeber Alexei Dostoinov sah die Niederlage so: «Wie gestern war unser Gegner auch heute der verdiente Sieger. Aber wir haben zwei Mal gut gespielt und waren nahe dran. Auch wir an diesem Wochenende Punkte verdient.»

 

Die Pause kommt nun für die Langnauer gerade recht. Es gilt, zwei knappe und vermeidbare Niederlagen gegen die beiden besten Teams der Liga zu verarbeiten. Der Gedanke daran, dass es eben die zwei Primeure sind, sollte diese Verarbeitung leichter machen. Tatsächlich waren die Siege für die Zürcher und die Berner gesamthaft betrachtet verdient. Aber nach zwei so starken Leistungen mit null Punkten dazustehen, ist einerseits bitter, und andererseits auch unverdient. Tatsächlich war an diesem Wochenende zwischen null und sechs Punkten eingetlich alles möglich.

 

SC Bern - SCL Tigers 4:2 (1:1, 1:1, 2:0)

 

PF-Arena Bern, 17'031 Zuschauer: SR: Koch/Wehrli, Borga/Kaderli. Tore: 12.Moggi (Dostoinov) 0:1. 20. (19.59) Moser (Bodernmann, Blum, Ausschluss R. Gerber) 1:1.25. Untersander (Arcobello, Blum) 2:1. 29. Shinnimin (Dostoinov, Moggi, Ausschluss M. Müller) 2:2. 51. Kamerzin 3:2. 60.(59.29). Plüss (Arcobello, Strafe gegen die SCL Tigers angezeigt, ins leere Tor) 4:2. Strafen: 3-mal zwei Minuten gegen den SC Bern, 4-mal zwei Minuten gegen die SCL Tigers.

 

SC Bern: Genoni; Blum, Untersander; B. Gerber, Noreau; Krueger, Jobin; Andersson, Kamerzin; Moser, Archobello, Ruefenacht; Scherwey, Plüss, A. Berger; Bodenmann, Ebbett, Lasch; M. Müller, Reichert, Hischier.

 

SCL Tigers: Ciaccio; Koistinen, Seydoux; Randegger, Stettler; Y. Müller, Zryd; Weisskopf; Moggi, Shinnimin, Elo; Nüssli, Albrecht, DiDomenico; Dostoinov, Chiriaev, Kuonen; Lindemann, A. Gerber, R. Gerber; N. Berger.

 

Bemerkungen: SC Bern ohne Macenauer (verletzt), G-A. Randegger (krank), Kreis, Ness (beide überzählig), Dubois, Meyer (beide Visp). SCL tigers ohne Haas, P. Berger, Blaser (alle verletzt) Schremp, Currit (beide überzählig). 36. Tor von B. Gerber, SCB wegen Torraum-Offside aberkannt. 58.42. Timeout SCL Tigers. SCL Tigers von 58.43 bis 59.29 ohne Torhüter.

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