Neue Zürcher Zeitung

Florian Kohler CEO von Swiss Ice-Hockey - Der Nächste bitte

Der 38-jährige Berner ist schon der vierte CEO des Verbandes binnen sechs Jahren. Chef oder – wie das nach neuem Sprachgebrauch heisst – CEO der Schweizer Eishockey-Verbandes oder Swiss Ice Hockey zu sein, war in den vergangenen Jahren ein Schleudersitz.

Presse • • von Daniel Germann

Seit Peter Zahner im November 2007 das Direktorium niederlegte und zu den ZSC Lions wechselte, haben Peter Lüthi, Harry John und Matthias Berner die Position bekleidet.

 

Sportler, Rechner, Touristiker

Nicht jede Besetzung entpuppte sich im Nachhinein als optimal. Peter Lüthi war sportlich kompetent, wirtschaftlich aber wahrscheinlich zu wenig versiert. Für Matthias Berner galt genau das Gegenteil. Beide hatten zudem Schwächen in der Personalführung. Dazwischen versuchte sich Harry John, ein Tourismusfachmann, der einen Platz an der Sonne suchte und stattdessen hinter einem Aktenberg abtauchte, den zu bewältigen er weder gewillt noch befähigt war. Er kam als grosser Hoffnungsträger und ging als «Harry Hohn».

 

Nun präsentiert Swiss Ice Hockey den Nächsten, der sich an der Aufgabe versuchen will: Florian Kohler, 38-jähriger Berner mit neuem Lebensmittelpunkt in Zürich. Von ihm war bisher vor allem bekannt, dass er der Ehegatte der TV-Moderatorin Steffi Buchli ist, die derzeit auf SRF 2 mit breitem Lachen durch lustige und manchmal auch weniger lustige Play-off-Szenen führt.

 

Auch Kohler ist ein Mann des Fernsehens. Seit 2004 arbeitet er in verschiedenen Funktionen für die SRG. Seit 2009 ist er verantwortlich für die Sportproduktionen. Kohler besitzt unter anderem einen MBA in Geschäftsführung. Er ist aber auch im Eishockey erblich vorbelastet. Sein Grossvater war während 20 Jahren Präsident des SC Bern. Kohler war einer von vier Kandidaten, die es bei der Evaluation in die letzte Runde brachten. Er überzeugte den Verwaltungsrat mit seinem entschlossenen Auftreten. Er machte kein Geheimnis daraus, dass er nicht nur in der Sache, sondern auch an der eigenen Karriere zielgerichtet arbeitet.

 

Innerhalb des Fernsehens begleitete Kohler der Ruf eines Mannes, der die eigenen Ziele entschlossen und nötigenfalls auch gegen Widerstände verfolgt und seine Ambitionen nie verhehlte. Er galt intern als Kandidat für die Nachfolger von Urs Leutert, wenn sich dieser in drei Jahren altershalber als Sportchef und Leiter der Unternehmenseinheit Sport zurückziehen wird.

 

Nur Servicestelle der Liga

Nun schlägt Kohler einen anderen Weg ein. Der Präsident Marc Furrer gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich endlich ein CEO länger als nur für ein paar Monate an der Spitze des Verbandes hält. Bei Swiss Ice Hockey erhofft man sich dank Kohlers Verbindungen zur SRG einen Vorteil, wenn in rund zwei Jahren die nächsten Verhandlungen um einen neuen Fernsehvertrag anstehen.

 

Wieweit die Position des CEO bei Swiss Ice Hockey einen ambitionierten Geschäftsmann auf Dauer befriedigen kann, ist eine offene Frage. Seit der Strukturreform befinden sich zwar Verband und Liga unter einem Dach und damit im Prinzip neu unter der Führung von Kohler. Die wirklich wichtigen Entscheide aber werden in den Klubs getroffen. Die Verbandszentrale in Zürich ist mehr oder weniger zu einer Servicestelle der Liga degradiert worden. Kohler macht sich darüber noch keine Gedanken – und falls doch, äussert er sie nicht. Konkret Stellung beziehen will er erstmals nach 100 Tagen im Job.

 

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