Berner Zeitung

Für mich bricht eine Welt zusammen»

Ein trauriger Tag für das Emmental: Nach 15 Jahren in der obersten Spielklasse steigen die SCL Tigers in die Nationalliga B ab. Das konnten gestern Abend auch die rund 600 mitgereisten Langnau-Fans nicht verhindern.

Presse • • von Philippe Müller

Kurz nach 16 Uhr am Dienstagnachmittag deutet noch nichts darauf hin, dass einige Stunden später Langnau und das ganze obere Emmental in tiefer Trauer versinken werden. Immer mehr Fans der SCL Tigers – selbstverständlich alle in die gelb-roten Clubfarben gehüllt – finden sich vor der Ilfishalle ein. Vorwiegend junge Leute, die extra frei genommen haben, aber auch Erwachsene mit Kindern. Die Stimmung ist aufgeräumt. Hier ein Abklatschen, da ein fröhliches Zurufen. Auch Langnaus Gemeindepräsident Bernhard Antener trifft vor der Halle ein und wünscht «ä guete Match». Es ist sein erstes Auswärtsspiel überhaupt. Insgesamt sechs Reisebusse füllen die Fans. Das sind so viele wie seit zwei Jahren nicht mehr, als die Tigers auswärts Rapperswil schlugen und sich zum ersten Mal in der Clubgeschichte für die Playoffs qualifizierten.

Die Playoffs sind an diesem Nachmittagaber weit weg. Vielmehr müssen sich die Langnauer Supporter gegenseitig Mut zusprechen. «Wir spielen auch nächstes Jahr in der NLA», zeigt sich ein Fan überzeugt. Ein anderer scheint jedoch Schlimmes zu ahnen und sagt: «Hoffentlech simer hüt am zähni de gäng no so guet druf.»

 

Mittlerweile ist es 19.45 Uhr: Der Match – leider der letzte dieser Saison – beginnt. Die Patinoire de Malley entpuppt sich erneut als Hexenkessel. Die Lausanner Fans sind wie erwartet deutlich in der Überzahl, trotzdem halten die Langnauer mit ihren gelben Kartonklatschern anfangs noch lautstark dagegen. Schön, wie das gelb-rote Farbenmeer die eigenen Spieler nach vorne peitscht.

 

Bald jedoch steht es 1:0 für Lausanne. Kurze Zeit später 2:0, und dann erhalten die Langnauer auch noch den dritten Gegentreffer. Die Farbe weicht dem Grossteil der Langnauer Fans aus dem Gesicht. Nur die Trommler versuchen noch einmal zu mobilisieren. Vergeblich. Die meisten Emmentaler Supporter stehen regungslos in ihrem Sektor, gelbe Kartonklatscher werden längst keine mehr geschwenkt. Die beiden Langnauer Tore brachten zwar kurzzeitig noch etwas Leben in die Fankurve, aber nicht für lange.

 

Der 26-jährige Florian Portmann sagt unumwunden: «Für mich bricht eine Welt zusammen.» Kein Wunder, er ist einer der Aktivposten in der Fanszene Langnau, organisiert seit vier Jahren die Fahrten zu den Auswärtsspielen. «Ich investiere viel Herzblut in diesen Verein, er ist meine Leidenschaft.» Für ihn ist jedoch klar: In seinen Adern fliesst auch nach diesem traurigen Tag noch gelb-rotes Blut. Auch andere Fans versprechen, dem Club auch in der NLB die Treue zu halten.

 

Andere versuchen es mit Galgenhumor. Ein Anhänger sagt: «In der NLB gewinnen wir vielleicht wenigstens einen Titel.» Zum Lachen ist ihm aber kurz vor 22 Uhr nicht zumute. Wie keinem Tigers-Fan.

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