Weshalb wir uns glücklich schätzen können

Gottseidank ist Langnau nicht Basel

Die SCL Tigers wurden 2009 gerettet und erhielten im Sommer 2012 eine komplett erneuerte Infrastruktur. Die EHC Basel Sharks verfügten über eine hervorragende Infrastruktur, wurden aber im Sommer 2014 nicht gerettet. Dabei fehlte in Basel deutlich weniger Geld als in Langnau.

Blog • • von Bruno Wüthrich

 

schwarz_484von Bruno Wüthrich - Was unterscheidet Ueli Schwarz von Peter Jakob? Ueli Schwarz, in Langnau aufgewachsen, war ursprünglich Gewerbeschullehrer und in seiner Jugendzeit ein talentierter Eishockeyspieler, bevor er sich verletzte und viel zu früh seine Karriere beenden musste. Er blieb dem Eishockey erhalten, bildete für den Verband den Nachwuchs aus, brachte es bis zum Coach in der NLA (SCB und Gottéron), amtete als Sportchef (Langnau) und auch als Geschäftsführer (Lausanne / Basel) und ist heute Director Elite Sports bei Swiss Eishockey. Schwarz ist ein ausgewiesener Eishockeykenner, blitzgescheit und zudem ein hervorragender Rhetoriker. Doch er brillierte vorwiegend als Ausbildner, Assistent und als Theoretiker. Ein Mann für die Praxis war er nie. Als Coach wurde er sowohl beim SCB (wo er zuvor als Assistent hoch geschätzt wurde) als auch bei Gottéron entlassen. Ebenso erging es ihm In Lausanne und Basel als Geschäftsführer.

 

Peter JakobBlitzgescheit ist auch Peter Jakob. Im Gegensatz zu Schwarz ist Jakob nicht nur Theoretiker, sondern auch Praktiker. Er besitzt und führt in Trubschachen eine erfolgreiche Drahtseil-Fabrik, rettete 2009 gemeinsam mit Freunden die SCL Tigers und sanierte 2012 die in die Jahre gekommene Ilfishalle auf eine Art und Weise, welche diese zu einer der schönsten und modernsten Eishallen des Landes werden liess, ohne dass sie ihren Charme und ihren Charakter dabei verlor. Mit andern Worten: Was Peter Jakob anpackt, führt er zum Erfolg, sofern er etwas von der Materie versteht. Verstünde der Pragmatiker und Unternehmer mehr von Eishockey, stünden die SCL Tigers heute im Mittelfeld der NLA, und müssten sich nicht in den Tümpeln der NLB herum suhlen.

 

Aber weshalb dieser Vergleich? Die verglichenen Personen sind zwar nicht zufällig gewählt. Doch statt Schwarz hätte auch ein anderer aktiver oder ehemaliger Geschäftsführer eines Schweizer Profi-Eishockeyklubs stehen können. Und Peter Jakob ist ja nicht der einzige Retter einer Hockey-Organisation. Denn immerhin mussten zuvor auch schon der grosse SCB, die ZSC Lions, der HC Davos, Gottéron, Ambri-Piotta und jüngst die Kloten Flyers vor dem finanziellen Ruin bewahrt werden. In den meisten Fällen waren und sind die Retter Macher, die nichts oder nicht viel von Eishockey verstanden. Anders viele der Geschäftsführer, und zwar nicht nur von den geretteten Klubs. Einige verstehen fast zu viel von diesem Sport. Zwei Drittel von allen Geschäftsführern in den beiden obersten Eishockeyligen der Schweiz führen zwar in diesem Sport ein Unternehmen mit mehreren Millionen Umsatz jährlich, würden jedoch in der Wirtschaft einen ähnlichen Posten nie bekleiden können. Dies belegen auch die vielen Konkurse (Basel, Sierre, Martigny, Chur) und notwendigen Rettungsaktionen (siehe weiter oben) zur Genüge. Ein Beleg dafür ist teilweise auch die Tatsache, dass viele Klubs ohne Mäzen gar nicht existieren würden, egal, ob sie es könnten oder nicht. Nicht aus dem Eishockey kommt ausgerechnet Pascal Suter, der letzte Geschäftsführer der EHC Basel Sharks. Er ist ein Quereinsteiger, kam 2007 mit einem 20 Prozent – Pensum ins Marketing des Klubs, arbeitete sich hoch und übernahm im August 2011 den Posten des Geschäftsführers. Seine Vorgänger waren Ueli Schwarz und Beat Kaufmann, letzterer einst erfolgreicher Spieler (7 x Meister mit La Chaux-de-Fonds, Bern und Lugano) TK-Chef und Präsident in Lugano (3 weitere Titel), bevor er nach einer Pause Geschäftsführer in Basel wurde.

 

Nun wurden also die EHC Basel Sharks versenkt. Der Bankier Matthias Preiswerk mochte das jährliche Defizit von – nach eigenen Angaben – mehr als einer Million Franken nicht weiter decken. Ohne vorherige Ankündigung zog er den Stecker. Irgendwie symptomatisch, das Preiswerk ein Banker ist und kein Unternehmer. Als Banker weiss er, wie man Unternehmen den Stecker zieht. Dies ist für ihn sozusagen ein normaler Vorgang, den es ohne grosse Emotionen zu vollziehen gilt. Dass die Sharks ausgerechnet unter Geschäftsführer Pascal Suter unter gingen, kann vieles, muss jedoch überhaupt nichts bedeuten. Seine unmittelbaren Vorgänger, beide mit enormem Eishockey-Fachwissen ausgestattet, brachten den Klub auch nicht weiter. Beide machen inzwischen immerhin beim Verband Karriere.

 

Gottseidank ist Peter Jakob kein Banker. Im Verwaltungsrat der SCL Tigers befinden sich zum Glück nur Unternehmer, und sie ticken nicht nur als Emmentaler, sondern auch als Männer der Tat völlig anders als ein Finanzheini aus Basel. Der Abstieg der SCL Tigers in die NLB ist zwar ebenso ein Produkt von diversen Fehlentscheidungen wie auch der verpasste, sofortige Wiederaufstieg. Und als urchige Emmentaler können die Tiger-Verwaltungsräte mit Kritik nicht besser umgehen als eine Reinigungsfachfrau mit einer Geldflussrechnung. Doch sie haben Charakter, unternehmerisches Denken, verfügen über Tatkraft und - vor allem, - ziehen sie sich nicht einfach zurück, wenn es gerade nicht so läuft, wie es sollte. Da nehmen wir doch im Gegenzug gerne hin, dass die Herren grantig werden, wenn man sie zurecht kritisiert, und lassen uns trotzdem nicht von der Kritik abhalten. Immerhin wissen wir ja alle, dass uns in erster Linie die Erfahrung, und erst danach die Kritik lehrt. Und wenn Peter Jakob und seine Mannen aus der Erfahrung tatsächlich lernen (daran besteht kein Zweifel), so werden sie die SCL Tigers auch wieder in die NLA führen.

 

Ist nun wirklich Ueli Schwarz das Gegenstück von Peter Jakob? Oder ist es doch eher Matthias Preiswerk. Auf ihre ureigene Art sind es wohl beide. Preiswerk der Banker, weil er den Stecker zog, nachdem es in Basel nicht lief, wie es sollte. Er versuchte noch nicht einmal, eine Fristerstreckung zu erwirken, um den Rettungsbemühungen noch etwas Zeit zu verschaffen. Und Ueli Schwarz, weil er eben in seinem Leben noch nie ein Macher war.

 

Übrigens auch jetzt nicht! Wie eingangs erwähnt, fehlte weniger als eine Million, damit die EHC Basel Sharks hätten gerettet werden können. Ein Betrag, welchen der Verband als zinsloses Darlehen hätte gewähren können. Damit hätten die Sharks die Meisterschaft 2014/15 spielen können, während die Verantwortlichen im Klub und im Verband nach einer langfristigen Lösung (z.B. Markus Bösiger mit seinem Sportcenter in Huttwil) suchen. Aber eben: Im Verband finden sich keine Macher. Und es ist zu befürchten, dass ein solcher Gedanke noch nicht einmal in der Theorie vorhanden war.

 

Übrigens: Natürlich wäre auch in Langnau nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Präsident einer lokalen Bank Einsitz im Tigers-Verwaltungsrat nehmen würde. Aber natürlich nur, um diese gemeinsam mit seiner Bank grosszügig zu unterstützen. Und nicht, um den Stecker zu ziehen.

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