Grauwiler und die Absurdität der Reglemente

von Klaus Zaugg, 20 Minuten online - Vom hochdekorierten Defensiv-Soldat zum arbeitslosen und ohnmächtigen Zuschauer: Lukas Grauwiler (28) könnte Ambri und sich selbst helfen. Aber er darf nicht.

Presse • • von 20 Minuten online, Klaus Zaugg

Er gewann mit den ZSC Lions 2008 den Titel und anschliessend die Hockey Champions League. Im Sommer der Wechsel vom grossen, europäischen ZSC zu den Lotter-Lakers: Er sollte helfen, eine überforderte Mannschaft zu stabilisieren. Mit diesem Transfer ist er nun in eine Falle geraten. Die Lakers haben Grauwiler nach 14 Spielen (1 Assist) aussortiert, setzen ihn nicht mehr ein und haben ihm erlaubt, einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Über die Gründe der Freistellung schweigen sich alle Beteiligten aus.

 

Auf den ersten Blick eigentlich kein Problem die Untätigkeit zu beenden. Kampfkräftige Defensivstürmer wie Grauwiler sind gern gesehene Ergänzungsspieler. Und tatsächlich hat sich Ambri gemeldet: Lukas Grauwiler könnte per sofort nach Ambri wechseln, dort seine Karriere – mit 28 ist er im besten Hockeyalter – neu lancieren und vielleicht gar einen Vertrag für nächste Saison erarbeiten.

 

Wechsel zu Ambri nicht möglich

Aber er darf nicht. Lakers-Manager Roger Sigg bestätigt die Anfrage aus Ambri und stellt klar: «Wir bezahlen Grauwiler bis zum Vertragsablauf Ende Saison den Lohn. Bei einem Wechsel muss sich sein neuer Arbeitgeber mit uns einigen. Wir verlangen, dass Grauwiler gegen uns nicht eingesetzt werden darf. Das haben wir Ambri so mitgeteilt.» Da Ambri der wahrscheinlichste Playout-Gegner die Lakers ist, kommt ein Transfer nach Ambri nicht in Frage. Auch die SCL Tigers und Biel kommen aus diesem Grund für Grauwiler – falls es ein Interesse gäbe – nicht in Frage. Zu einem NLB-Team will Grauwiler wenn immer möglich jetzt nicht wechseln – sonst ist er im nächsten Frühjahr auf dem Transfermarkt ein B-Spieler und der Kurswert seiner Transferaktien fällt in den Keller.

 

Diese befohlene Untätigkeit ist für einen Sportler im Grunde absurd: Ein Klub hat entschieden, dass ein Spieler nicht mehr brauchbar ist und sortiert ihn aus. Aber er wird dann als doch so stark taxiert, dass ihm der Einsatz in einer Direktbegegnung verboten wird. Diese eigentlich unhaltbare Situation könnte zwar arbeitsrechtlich rasch zu Gunsten des Spielers geklärt werden. Aber innerhalb der Liga gibt es eine Regelung, dass im Falle eines Wechsels aus einem laufenden Vertrag eine hohe Ablösesumme fällig wird. Diese «Lex Forster» ist sinnvoll. So wird verhindert, dass ein Schlüsselspieler einfach mitten in der Saison den Klub wechselt (was arbeitsrechtlich möglich wäre) wie einst Nationaltverteigier Beat Forster von den ZSC Lions zu Davos. Einem Spieler, der um die Fortsetzung seiner Karriere kämpft, kann diese Regelung – wie jetzt im «Fall Grauwiler» – zum Verhängnis werden. Will er diese Saison noch spielen, wird er am Ende doch in die NLB wechseln müssen.

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