Grosses Lazarett, riesige Probleme

Auch im Krisengipfel gegen die Rapperswil-Jona Lakers haben die Langnauer nicht reüssieren können. Trotz der 0:1-Niederlage bleibt Trainer John Fust aber im Amt – mindestens bis Ende dieser Woche.

Presse • • von Berner Zeitung, Philipp Rindlisbacher

22. Januar 2011, Diners Club Arena in Rapperswil. Nach dem 3:2-Sieg über die Lakers trägt jeder Langnauer ein grünes Shirt, erstmals in der Vereinsgeschichte qualifizieren sich die SCL Tigers für die Playoffs. 1.Dezember 2012, Diners Club Arena in Rapperswil. Nach der 0:1-Niederlage gegen die Lakers verlassen sämtliche Langnauer auf schnellstmöglichem Weg und arg gebeutelt das Eis.

 

679 Tage nach dem historischen Erfolg ist die Stimmung bei den Emmentalern unter den Gefrierpunkt gesunken. Die Fans üben sich längst in Galgenhumor. Die Fakten indes sind nicht lustig, sondern dramatisch: Von 25 Spielen haben die Tigers deren 20 verloren, auf die Playoff-Plätze fehlen 25 Punkte, keine andere Mannschaft hat weniger Tore geschossen. Es ist eine Bilanz, die an den EHC Basel erinnert, der 2008 als bisher letzter Klub in die NLB abstieg. John Fust jedoch darf weiter coachen; der Verwaltungsrat hat entschieden, dass der Trainer bis zur am Sonntag beginnenden Nationalmannschaftspause an der Bande stehen wird.

 

Ein Abschied für immer?

Dieser Entscheid ist nachvollziehbar. Denn Fust weiss die Spieler hinter sich; er ist nach wie vor von sich überzeugt (was ihm manche längst als Arroganz auslegen) und besitzt einen Vertrag bis 2015 (mit einem Jahressalär von rund 250000 Franken). Und er trägt nicht die alleinige Verantwortung dafür, dass es dem Team markant an Talent fehlt, dass die Ausländer dermassen schwach sind und keine Konkurrenz fürchten müssen und dass die Absenzenliste immer länger wird. Sandro Moggi muss seinen lädierten Rücken wohl nochmals operieren lassen, Mark Popovic kann aufgrund seiner Gehirnerschütterung noch nicht voll trainieren, Martin Stettler leidet offenbar an einer Lungenentzündung. Seit dem vergangenen Wochenende fehlen zudem Adrian Brunner (Schulterbeschwerden) und Tom Gerber (Handbruch). Die NHL-Spieler Tyler Ennis und Jared Spurgeon befinden sich zwecks medizinischer Untersuchungen in Nordamerika – es überraschte, würden sie wiederkommen. Von ihren Teamkollegen haben sie sich jedenfalls eingehend verabschiedet. Die Langnauer dürfen nur noch zwei Ausländerlizenzen einlösen, ein schlechter Transfer könnte verheerende Folgen haben. Gemäss Sportchef Köbi Kölliker wird Fust auch in dieser Woche mit zwei Ausländern auskommen müssen.

 

Ins tiefste Elend gestürzt

Nun gut, die Arbeit Fusts gehört gewiss hinterfragt. Dem Kanada-Schweizer ist es trotz anhaltender Erfolglosigkeit gelungen, Motivation und Leidenschaft seines Personals auf einem vernünftigen Niveau zu bewahren. In Rapperswil zeigten die Langnauer eine kämpferisch einwandfreie Leistung. Dass sie gegen die defensiv schwächste Mannschaft der Liga trotz 23 Schüssen im Schlussdrittel keinen Treffer buchten, spricht jedoch Bände. «Das gibt mir schon zu denken», meinte Fust, ohne öffentlich Einzelkritik zu üben.

 

Der frühere Angreifer kann die Tore nicht mehr schiessen, von dieser Pflicht ist er befreit. Er muss sich aber vorwerfen lassen, dass er eine eklatante Schwäche in seiner Equipe nicht zu korrigieren vermag: Die Langnauer sind zu Beginn einer Partie meistens nicht bereit. Gegen die St. Galler kassierten die SCL Tigers das 0:1 in der 4. Minute – in dieser Saison war es bereits das 15.Gegentor in den ersten 5 Minuten. Robbie Earl war der Schütze, dem Siegestreffer war ein Bullygewinn Jason Spezzas vorausgegangen. Es ist nicht auszuschliessen, dass der kanadische NHL-Stürmer demnächst in seine Heimat zurückreist; «er hat starkes Heimweh», konstatierte Lakers-Coach Harry Rogenmoser.

 

Die Emmentaler stürzten in der für sie geschichtsträchtigen Spielstätte ins noch tiefere Elend. John Fust jedoch sagte: «Es ist nicht wichtig, wie tief man fällt. Wichtig ist, wie hoch man zurückkommt.» Seine Worte in Gottes Ohr – es werden Taten folgen müssen. Sonst wird er woanders zum Steigflug ansetzen müssen.

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