Wochen-Zeitung, Werner Haller

Gus – alter und neuer Hoffnungsträger

Die Unternehmungsleitung der SCL Tigers hat eine weitere Hausaufgabe erledigt. Der Tscheche Tomas Tamfal wird als Headcoach durch Bengt-Ake «Gus» Gustafsson und dessen Assistenten Peter Andersson ersetzt.

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Die Einsicht, sagt man, ist der erste Schritt zur Besserung. Viel zu lange hat es gedauert, bis die Verantwortlichen einsahen, dass sie bei der Planung der ersten NLB-Saison nach 15 Jahren einige schwer wiegende Fehlentscheidungen getroffen haben. Nach einem Fehlstart mit nur 15 Punkten aus den ersten zehn Spielen ist jetzt unter anderem das Tschechen-Kapitel innerhalb weniger Tage beendet worden: Nach den beiden Stürmern Tomas Kurka und Josef Straka hat man sich nun auch von Tomas Tamfal getrennt. Ebenfalls beendet wurde der Vertrag mit Assistent Urs Bärtschi. Neuer Headcoach wird der Schwede Bengt-Ake Gustafsson, der in seiner anspruchsvollen Arbeit durch seinen Landsmann Peter Andersson unterstützt wird. Alfred Bohren, Mitglied der Langnauer Meistermannschaft von 1976, hilft den beiden Skandinaviern, sich in der Organisation der SCL Tigers so rasch als möglich zurechtzufinden.


Gustafsson, der das Team heute im Heimspiel gegen Langenthal erstmals führen wird, ist schon einmal Headcoach der Emmentaler gewesen. Mit Bohren als rechter Hand verteidigte er in den Saisons 1999/00 und 2000/01 den Platz in der NLA zwei Mal erfolgreich. Gustafsson, dessen Sohn Anton für die SCL Tigers spielt, hat mit Peter Andersson einen Vertrag bis Ende Saison unterschrieben: «Dann ziehen wir mit den Verantwortlichen Bilanz und entscheiden uns, ob wir die Zusammenarbeit fortsetzen wollen oder nicht». Gustafsson ist informiert darüber, dass er eine schwierige Aufgabe mit einem nicht ganz einfach zu führenden Team übernommen hat: «Ist doch eine interessante Herausforderung, eine schwach gestartete Mannschaft wieder stark zu machen, die begangenen Fehler zu korrigieren und damit eine Steigerung zu erzielen.» Gustafsson ist seit 15 Jahren Coach, aber weder in Schweden, Russland, der Schweiz, Deutschland oder Österreich hat er jemals eine Mannschaft der zweitobersten Liga trainiert: «Selbstverständlich bestehen zwischen NLA- und NLB-Spielern da und dort Qualitätsunterschiede. Ich denke, dass man in der Zweitklassigkeit einfach etwas mehr Zeit und Geduld benötigt, bis die Spieler die Anweisungen ihrer Trainer erfolgreich umsetzen können.»


Gustafsson will in Langnau auch nicht von einem Tag auf den anderen alles auf den Kopf stellen und damit den einen oder andern Spieler überfordern: «Mir ist das grosse Bild wichtig, das Bild, das wir bis zum Ende der Qualifikation und dem Playoffbeginn gezeichnet haben. Die Mannschaft braucht nach dem Fehlstart neue Energie, Sicherheit und Konstanz. Und dazu gibt es nur einen einzigen Weg: Harte Arbeit und totaler Einsatz in jedem Training und jedem Spiel.» Gustafsson hat nicht zufällig Peter Andersson zu seinem Assistenten gewählt: «Wenn man eine schwierige Aufgabe zu lösen hat, dann kann eine Ansprechperson mit der gleichen Landessprache und dem gleichen Eishockeywissen entscheidend helfen.»



Fachkompetenz massiv erhöht
Andersson war ein Weltklasseverteidiger, wurde 1987 mit Björklöven schwedischer Meister, mit Gustafsson 1987 und 1991 Weltmeister, gewann 1988 Olympiabronze und spielte mit dem neuen Headcoach der SCL Tigers auch während drei Saisons in der NHL bei Washington. Er wird sich der Abwehr annehmen. Mit Gustafsson, Andersson und Bohren in der Organisation haben die SCL Tigers getan, was längst überfällig war - sie haben die Fachkompetenz auf ein professionelles Niveau angehoben.

 

Die Visitenkarte von Bengt-Ake Gustafsson

Karriere als Headcoach: 1998/99 Feldkirch (Ö); Gewinn des europäischen Supercups. 1999/00 und 2000/01 Langnau (NLA-Ligaerhalt). 2002 bis 04 Färjestads; Schwedischer Meister 02 mit Torhüter Martin Gerber, Vizemeister 03, 04; Februar 2005 bis Mai 2010 schwedischer Nationaltrainer; WM-Gold und Olympiasieger 06; WM-Bronze 09 und 10; Olympia-Fünfter 10. ZSC Lions 10/11 (vom 20. Oktober bis Saisonende); Mytischi (Russ) 11/12 (am 3.11.11 entlassen); Nürnberg (De) 12/13 (vom 9. Dezember bis Saisonende). Assistenztrainer: 97/98 bis 01/02 Schweizer Nationalmannschaft unter Ralph Krueger. Wichtigste Stationen als Spieler. Von 1979/80 bis 88/89 während 9 Saisons in der NHL bei Washington (661 Spiele, 205 Tore, 378 Assists, 583 Punkte). Grösste Erfolge mit Schweden (117 Länderspiele): WM- und EM-Gold 87 und 91; WM-Silber 81; WM-Bronze 79; Canada-Cup: Silber 84 und Bronze 87; Europacup-Sieger 98 mit Feldkirch, dazu 5-mal österreichischer Meister mit Feldkirch (94 bis 98). Seit 2003 in der Hall of Fame des Internationalen Eishockeyverbandes.

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