Falken abgeblitzt - kein Eishockey mehr in Huttwil – auch dank Heinz Schlatter

Hene – wie konntest du nur?

Heinz Schlatter wäre vor dem Schiedsgericht, welches über den Aufstieg der Huttwil Falcons zu richten hatte, ein wichtiger Zeuge gewesen, erschien jedoch nicht. Die Falken blitzten mit ihrer Klage ab, und Markus Bösiger, Besitzer des nationalen Sportcenters Huttwil und Falken-Verwaltungsrat schliesst deshalb seine Eishalle für das nationale Eishockey.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Das Ende der Huttwil Falcons. Das Aus für das Eishockey in Huttwil. Dafür grosser, aber äusserst zweifelhafter Erfolg für Noch Liga-Direktor Werner Augsburger, Verbandspräsident Philippe Gaydoul und Marc Furrer, Präsident des Nationalliga-Komitees. Den Herren gelang es, das Huttwiler Eishockey-Märchen erfolgreich zu beenden, die Huttwil Falcons zu beerdigen und die hervorragende Infrastruktur in Huttwil für das regionale und nationale Eishockey unzugänglich zu machen. Herzliche Gratulation für diesen Sieg! Die Herren haben sich mit ihrer Ansicht, den sportlich einwandfrei aufgestiegenen Huttwil Falcons den Aufstieg wegen eines Formfehlers zu verweigern, gegen den unbequemen und aufmüpfigen Markus Bösiger durchgesetzt. Die Fehler der Liga und des Verbandes waren bei der Beurteilung des Falles für das Schiedsgericht nicht ausschlaggebend genug. Falcons-Anwalt Georges Müller ist vom Ergebnis überrascht und formuliert es so: «Zwar habe ich die Mandantin darauf hingewiesen, dass der Fall nicht klar, und deshalb in diesem Verfahren jeder Ausgang möglich sei. Dieses Urteil habe ich nach den Verhandlungen am vergangenen Freitag jedoch nicht erwartet. Die Hintergründe kenne ich noch nicht. Ein Schiedsgericht ist nicht unbedingt an Gesetze gebunden. Auffällig ist, dass die Schiedsgerichtskosten wett geschlagen werden und jede Partei ihre Anwaltskosten selbst tragen muss. Dies deutet darauf hin, dass der Fall auch für das Schiedsgericht nicht eindeutig war. Leider ist ein für uns ein wichtiger Zeuge nicht aufgetaucht.» Sportcenter-Besitzer und Falken-Verwaltungsrat Markus Bösiger meint dazu: «Wir nehmen es sportlich. Aber dieses Urteil bestätigt, dass mein Entscheid richtig war, in Huttwil kein Eis mehr zu machen. Eishockey wird zwar in Zukunft in Huttwil wieder eine Rolle spielen. Aber mit Schweizer-Eishockey habe ich abgeschlossen.» Dies bedeutet, dass die Eishalle in Huttwil künftig für das einheimische und schweizerische Eishockey geschlossen bleibt.

 

SCL Tigers betroffen

Seit Jahren streben die SCL Tigers und die SCL Young Tigers eine enge Zusammenarbeit mit den Huttwil Falcons und dem Sportcenter in Huttwil an. Das hervorragende Infrastruktur des nationalen Sportcenters in Huttwil beinhaltet zwei Eisflächen, und ist von Langnau aus innerhalb von gut 25 Minuten erreichbar. Die Trainingsmöglichkeiten in Huttwil sind auch für den Nachwuchs ideal. Die Langnauer hätten somit ihre Nachwuchsabteilung massiv ausbauen können. Mit den Huttwil Falcons als Farmteam in der NLB hätten die Tigers ihren talentierten, entwicklungsfähigen Spielern zusätzliche Spielpraxis auf dem Weg in die NLA verschaffen können. Mit andern Worten: Der Bedarf an zusätzlichem Eis und zusätzlichen Spielgelegenheiten wäre damit befriedigt gewesen. So aber bleibt die Basis mit nur einem Eisfeld in Langnau sehr schmal, und die Emmentaler müssen sich nach andern Lösungen umsehen, damit die Nachwuchsförderung weiterhin gedeihen und wie in den 1960er und 1970er-Jahren eine national wichtige Rolle einnehmen und auch behalten kann. Ausgerechnet der ehemalige Geschäftsführer der SCL Tigers, Heinz Schlatter ist – möglicherweise ungewollt – mitschuldig an dem auch für die Tiger negativen Entscheid des Schiedsgerichts.

 

Die zweifelhafte Rolle des SC Langenthal

Schützenhilfe erhielten die Verbandsherren vom SC Langenthal. Heinz Schlatter, heute Verwaltungsrat der Oberaargauer, war vor drei Jahren beim Treffen der Falken-Verantwortlichen mit dem damaligen Liga Direktor Vaucher dabei, was er gegenüber Bruno's Blog bestätigte. In seiner damaligen Funktion als Geschäftsführer der SCL Tigers wollte Schlatter eine enge Zusammenarbeit mit den Huttwil Falcons, unter der Voraussetzung, dass diese in die NLB aufsteigen. Der als Zeuge geladene Schlatter wäre deshalb in der Strategie von Georges Müller ein wichtiger Faktor gewesen, sagte aber sein Erscheinen vor dem Schiedsgericht nur wenige Minuten vor dem Termin unter fadenscheinigen Gründen ab, und kompromitierte damit Müllers Strategie. Gegenüber dem Online-Portal «20 Minuten online» sagte Schlatter: «Der Verwaltungsrat des SC Langenthal ist der Meinung, dass ich in dieser Sache vor dem Schiedsgericht nicht als Zeuge auftreten sollte. Wenn es um Hockey geht, werde ich nicht als Privatperson, sondern als Vertreter des SCL wahrgenommen. Dies respektierte ich, und deshalb bin ich nicht als Zeuge aufgetreten.»

 

Heinz Schlatter hat also die zweifelhaften Interessen des SC Langenthal wahrgenommen, nicht jedoch diejenigen seines Arbeitgebers. Schlatter arbeitet nämlich seit einiger Zeit für die Firma B+T AG (u.a. 511-Shop) in Allmendingen, deren Mitbesitzer und SCL Tigers – Hauptsponsor Käru Brügger auch äusserst erfolgreich als Verwaltungsratspräsident der SCL Young Tigers amtet. Schwer vorstellbar, dass Brügger am Entscheid des Schiedsgerichts und am Versagen Schlatters Freude hat.

 

Miserable Rolle des Verbandes

Zugegeben: Die Herren Heinz Krähenbühl (Präsident des Verwaltungsrates der Huttwil Falcons) und sein VR-Kollege Markus Bösiger haben einen schweren Fehler begangen, als sie sich entschieden, das Aufstiegsgesuch der Huttwil Falcons nicht vollständig einzureichen. Umso mehr, als ihnen im Beisein des damaligen SCL Tigers – Geschäftsführers Heinz Schlatter der damalige Liga Direktor Denis Vaucher unmissverständlich klar machte, dass die Liga an den Falken aus Huttwil nicht interessiert sei. Krähenbühl und Bösiger hätte somit klar sein müssen, dass sie sich – im krassen Gegensatz zu andern Klubs der National League – in ihren Aufstiegs- und Lizenzbemühungen keinerlei Fehler würden leisten dürfen.

 

Der Grat, über welchen Manager und Verantwortliche gehen müssen, ist oft schmal, und das Risiko, auf die eine oder andere Seite zu fallen, damit gross. Aufgabe der Verbandsherren war und ist es, sowohl den Reglementen Nachachtung zu verschaffen, als auch den Sport zu fördern. Im Fall der Huttwil Falcons ist ihnen das Eine gelungen, beim Andern haben sie jedoch jämmerlich versagt. Mit anderen Worten: Die Verbandsherren Werner Augsburger, Marc Furrer und Philippe Gaydoul sind in der Wahrnehmung ihrer Verantwortung auf der einen Seite des Grates abgestürzt. Dies ist umso ärgerlicher und unverständlicher, als es sich diesmal um einen Grat von der Breite einer achtspurigen Autobahn handelte. Ein fähiger Manager hätte diesen breiten Grat auch volltrunken begehen können, ohne je die Gefahr zu laufen, auf die eine oder andere Seite abzustürzen. Es war denn auch nicht Trunkenheit, der die Herren abstürzen liess, sondern Egoismus, Eitelkeit und Vergeltungssucht. Mit Sport hat die überhebliche und kompromisslose Haltung der Verbandsgeneräle nichts zu tun. Die traurige Haltung dieser Herren ist auch nur deshalb möglich, weil sie deswegen nichts zu befürchten haben. Würde ein Manager in der Wirtschaft bei einem derartigen Versagen unverzüglich in die Wüste geschickt, dürfen sich die Verbandsgewaltigen trotz Vernichtung von wichtiger Infrastruktur für den Verband getrost gegenseitig auf die Schultern klopfen. Aber selbst bei einer Entlassung öffnet sich diesen Herren innerhalb des Sports sofort wieder eine neue Türe.

 

Verlierer sind wir alle

Verlierer sind deshalb nicht nur Heinz Krähenbühl, Markus Bösiger, die Huttwil Falcons und die SCL Tigers. Verlierer sind auch die Regionen Emmental und Oberaargau, das regionale und das nationale Eishockey, sowie der Sport im Allgemeinen. Geht man davon aus, dass der Verband den Klubs zu dienen hat, und nicht umgekehrt, kommt man unweigerlich zu der Feststellung, dass die Verbandsherren langfristig betrachtet weit mehr Geschirr zerschlugen, als dass sie dem Eishockeysport dienten. Schiedsgerichtsentscheid hin, aufmüpfiger Markus Bösiger her. Umso wichtiger ist es nun, dass die Abstimmung vom kommenden 10. Juli im Sinne der SCL Tigers, des regionalen Spitzeneishockey, des Sports und der Befindlichkeit der Region ausgeht. Dazu braucht es eine hohe Stimmbeteiligung. Wer als Stimmberechtigter in der Gemeinde Langnau noch nicht abgestimmt hat, soll dies bitte noch tun.

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