Berner Zeitung

«Im Eishockey gilt die Nulltoleranz»

von Philippe Müller, Berner Zeitung - Christoph Vögeli, Sicherheitsverantwortlicher des Eishockeyverbandes, wehrt sich gegen Vorwürfe, im Eishockey würden gegen Fans willkürliche Urteile gefällt. Das behauptet die Anwältin der Langnau-Fans, im März bestraft wurden.

Presse • • von Philippe Müller

Es waren deutliche Worte, die Anwältin Manuela Schiller letzte Woche gegenüber dieser Zeitung brauchte: «Im Eishockey herrscht Willkür», sagte sie unter anderem. Damit meinte sie das Strafmass für Fans, die Pyrotechnik abbrennen oder auf andere Weise die Stadionordnung der Klubs verletzen. Schiller kritisierte zudem, dass die Eishockeyvereine im Kampf gegen Hooliganismus deutlich schlechter organisiert seien, als dies im Fussball der Fall sei. Nicht zuletzt ist es für die Zürcher Anwältin unverständlich, dass sich Eishockeyfans an keine Ombudsstelle wenden können, währenddem es eine solche im Fussball längst gibt. «Es ist unfair, dass ein Fussballfan die Möglichkeit hat, sich zu erklären und zu wehren, ein Eishockeyfan aber nicht.» Manuela Schiller vertritt jene 15 Fans der  SCL Tigers, die Ende März vor einem Auswärtsspiel in Rapperswil mit einem Stadionverbot belegt wurden. Einige dieser Anhänger beteuern, nichts Unrechtes getan zu haben und erhoben gegen das Stadionverbot Einsprache. Diese ist immer noch hängig.

 

«Mitgegangen, mitgefangen»

Christoph Vögeli, Sicherheitsverantwortlicher der National League (NL) von Swiss Ice Hockey, kontert Manuela Schillers Vorwürfe. «Wenn die Eishockeyklubs tatsächlich willkürliche Verbote aussprechen würden, würden sicherlich mehr als 2 bis drei Beschwerden pro Saison auf meinem Pult landen.» Im Fall der SCL Tigers-Fans spricht die Anwältin von einer «Kollektivbestrafung». Auch das lässt Vögeli nicht gelten. «Ich war an besagtem 23. März persönlich in Rapperswil anwesend und habe die Vorfälle beobachtet. Und ich sage Ihnen: Das war ungemütlich. Es hätte nicht viel gefehlt, und es wäre etwas passiert.» Von der Langnauer Gruppe, die vor dem Stadion zuerst Pyros und Böller abgebrannt und sich dann mit Rapperswil-Fans eine Schlägerei geliefert habe, sei eine «grosse Aggressivität» ausgegangen.

 

Ob nun jeder der 15 Fans, die später mit einem Stadionverbot belegt wurden, tatsächlich aktiv an den Vorfällen beteiligt war oder nicht, ist für Vögeli nicht entscheidend: Er beruft sich auf das Sprichwort «mitgegangen, mitgefangen». «Diese Leute liefen alle in der Gruppe mit und haben sich nicht von den Aktionen distanziert.» Vögeli betont jedoch sogleich, dass es nicht Sache der National League sei, zu beurteilen, wer ein Stadionverbot erhalte und wer nicht. «Das liegt allein in der Kompetenz der Klubs.» Das sei auch bei einer allfälligen Aufhebung eines Verbotes nicht anders. In diese Autonomie der Vereine, insbesondere in Sicherheitsfragen, wollten weder der Verband noch die NL eingreifen.

 

Klubs wollen keine Stelle

Die Klubs sind in dieser Frage offenbar gleicher Meinung. Laut Vögeli hat es die Ligaversammlung vor eineinhalb Jahren einstimmig abgelehnt, dass das Schweizer Eishockey analog zum Fussball eine Ombudsstelle schafft.

 

In einem Punkt stimmt der Sicherheitsverantwortliche von Swiss Ice Hockey Manuela Schiller jedoch zu: «Was das Abbrennen von pyrotechnischem Material betrifft, so sind die Eishockeyvereine strenger als die Fussballklubs. Sie haben sich in diesem Punkt ganz klar auf eine Nulltoleranz-Strategie geeinigt. Dies lässt sich auch damit begründen, dass das Abbrennen von Pyros in geschlossenen Arenen viel gefährlicher ist als in offenen Fussballstadien.»

 

Die Zahlen der soeben abgelaufenen Saison scheinen den Eishockeyklubs recht zu geben: Während es im Fussball laut Christoph Vögeli in rund 70 Prozent aller Spiele zu Vorfällen mit Pyros kommt, liege dieser Anteil im Eishockey deutlich tiefer. «In den knapp 700 Begegnungen von NLA und NLB inklusive der Vorbereitungsspiele zählten wir 27 Vorkommnisse in den Eisstadien.» Das entspricht einem Anteil von 3,9 Prozent.

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