Berner Zeitung, Susanne Graf

Jetzt gehts um die Wurst

Während es ab heute Dienstagabend für die SCL Tigers auf dem Eisfeld um die Wurst, also um den B-Meistertitel geht, dreht sich für immer mehr Matchbesucher auch neben dem Eisfeld alles um die Wurst – um die SCL-Wurst.

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So ein Matchbesuch zehrt offenbar an den körperlichen Reserven. Bei vielen Zuschauern weckt er jedenfalls den Appetit auf Deftiges. In Langnau zum Beispiel auf Pommes frites. Gemäss Onlinekommentaren auf einschlägigen Websites gibt es in keinem Schweizer Eishockeystadion bessere als in Langnau. Pro Match verkaufen die SCL Tigers   200 bis 250 Kilo zu Pommes frites verarbeitete Kartoffeln. 

 

Aber jetzt ist eine Wurst dabei, den Pommes den Rang respektive ihren Kultstatus abzulaufen. Sie könnte im Ilfisstadion das  werden, was die YB-Wurst im Wankdorf oder die Bärentatze in der Berner Postfinance-Arena ist. Immer mehr Besucher stellen sich in den Pausen an den Grillständen in die Reihen und verlangen nach der SCL-Wurst. Serviert bekommen sie – zusammen mit einem Stück Brot und einer Ladung Senf – eine Wurst in der  Farbe einer Schweinswurst, aber  in der Form einer Bratwurst. Sie kann aus dem heissen Wasser gezogen oder grilliert gegessen werden. Grilliert entwickelt sie ihre volle Schärfe. Die SCL-Wurst ist nichts für Langweiler und Zärtlinge.

 

«Es ist eine pikante Wurst», stellt Ruschy Grünig, Gastrochef der SCL -Tigers, fest. Für die  würzige Note sorgt ein Schuss Chili. Das knackige Stück besteht aber nicht bloss aus Schweine- und Rindfleisch, es enthält auch Käse – Emmentaler Käse selbstverständlich, wie sich das im Emmental gehört. Keine Angst, die Wurst zieht trotzdem nicht Fäden. Verwendet wird Emmentaler Schmelzkäse, den Emmi unweit des Stadions in der Fabrik der ehemaligen Tiger-Käse AG herstellt – in der Fabrik also, der die Tigers ihren Namen verdanken.

 

Die SCL-Wurst ist noch nicht alt. Es gibt sie erst seit Anfang Jahr. Sie ersetzt die Tigerkralle.  Denn ausser mit ihrem Namen mochte an dieser langen, dünnen Wurst, die sich auf dem Grill schlecht handhaben liess, offenbar wenig zu überzeugen. «Sie lief immer schlechter», musste Kurt Baumann einsehen.  Er ist Geschäftsleiter der Grossmetzgerei Reber, die unmittelbar neben der Ilfishalle liegt und die Tigerkralle produziert hatte. Baumann hat  den Tigers   dann eine Alternative vorgeschlagen, von der er bereits wusste, dass sie das Zeug zum Erfolg haben wird. Die Wurst, die im Detailhandel als «Käse Griller pikant» erhältlich ist, hatte den Tigers-Fans schon einmal gemundet. Damals, in der Saison 2010/2011, als sie von der Firma Reber  als Playoff-Wurst kreiert worden sei, «war sie der Leader», sagt Baumann. Sie wurde also zur SCL-Wurst erkoren. Und sie laufe  gut, freut sich Ruschy Grünig. Pro Match würden zwischen 300 und 350 Stück verkauft, «Tendenz steigend».

 

Ob auch die Walliser auf den Geschmack kommen werden, wird sich weisen. Unter den Fans aus La Chaux-de-Fonds hatte es jedenfalls bereits Gourmets, die mit welschem Akzent «une SCL-Wurst» bestellten. Das will etwas heissen. Soll es doch Tigers-Fans geben, die seit bald zwanzig Jahren Eishockeymatchs in La Chaux-de-Fonds besuchen, weil es nirgends so gute Würste gebe wie dort.

 

Übrigens: Es sind zu zwei Dritteln Männer, die eine SCL-Wurst bestellen. Das mag damit zusammenhängen, dass Frauen  beim Stichwort Wurst nicht zuerst an den  würzigen Geschmack im Gaumen denken,  sondern an das  Fett, das sich auf den Hüften festsetzen könnte. Auch Männer sollten allerdings den Tatsachen ins Auge sehen: Eine SCL-Wurst enthält laut Baumann zwischen 280 und 320 Kalorien. Das sei etwas weniger, als eine Bratwurst habe, weil  es sich um eine relativ grobe Wurst handle. Trotzdem: Wer sich in einer Drittelpause eine  SCL-Wurst einverleibt hat, tut gut daran,  danach die Mannschaft auf dem Eis mit umso ausdauernderem Hüpfen anzufeuern. In der Ilfishalle gilt ja sowieso:  «Wär nid gumpet, isch ke Tiger!»

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