Berner Zeitung

«Jetzt hat jeder ein bisschen Angst»

Beim SCB galt Stürmer Etienne Froidevaux als Playoff-Spezialist, mit den SCL Tigers spielt er erstmals gegen den Abstieg.

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Die ersten drei Partien waren mit einem Tor Differenz entschieden worden, am Dienstag fegten die SCL Tigers die Rapperswiler 7:3 vom Eis. Was lief anders als zuvor?

Etienne Froidevaux: Alle vier Spiele hatten einen ähnlichen Charakter. Wir dominierten eigentlich jedes Mal, stellten uns aber oft ungeschickt an. Am Dienstag spielten wir effizient.

Die Serie ist sehr spektakulär – nicht zuletzt aufgrund der Unsicherheiten und der vielen Fehler. Inwiefern spielt die Angst mit?
Jetzt hat jeder ein bisschen Angst. Je länger die Playouts dauern, desto grösser wird der Druck. Eigentlich kann man nur verlieren. Es bringt aber nichts, jetzt an den Abstieg zu denken und sich vor dem Verlust des Arbeitsplatzes zu fürchten. Das wäre leistungshemmend.

 

Sportchef Köbi Kölliker beobachtete mehrmals Aufstiegsaspirant Lausanne. Haben Sie sich den NLB-Meister am Fernsehen angeschaut?
Nein, die Ligaqualifikation ist für mich noch viel zu weit weg. Ich bin sowieso überzeugt, dass wir Rapperswil bezwingen werden.

 

Das müssen Sie ja sagen. In der Serie steht es 2:2; worauf gründet Ihre Zuversicht?
Wir erarbeiten uns mehr Chancen als die Lakers, spielen konsequenter. Es gelingt uns besser, dem Spiel den Stempel aufzudrücken.

 

Sie bestreiten Ihre erste Saison in Langnau. Hatten Sie es sich einfacher vorgestellt?
(Überlegt) Ich hatte mir das erste Jahr sicher anders vorgestellt, auch hinter den Kulissen lief vieles nicht so, wie es geplant gewesen war. Die letzten turbulenten Monate waren sehr lehrreich.

 

Beim SC Bern spielten Sie um den Meistertitel, bei den SCL Tigers kämpfen Sie gegen den Abstieg.
Es macht natürlich mehr Spass, um Titel zu spielen. Ich belüge mich aber nicht selbst, wenn ich sage, dass ich den Wechsel nach Langnau noch keine Sekunde bereut habe. Hier darf ich eine neue, wichtigere Rolle spielen, habe mehr Einfluss. Das bringt mich als Profi weiter.

 

Gibt es zwischen den Berner Klubs Mentalitätsunterschiede?
Der Wechsel war alles andere als ein Kulturschock. Auch der SCB kann in einer Woche dreimal in Serie verlieren. Aber Selbstvertrauen und Selbstverständnis sind in Bern auf einem anderen Niveau. Ich versuchte, davon etwas ins Emmental mitzubringen.

 

Beim SCB galten Sie als Playoff-Spezialist, liefen in der entscheidenden Meisterschaftsphase stets zur Hochform auf. In den Playouts haben Sie allerdings noch kein Tor geschossen...
...Vielleicht zahle ich Lehrgeld, weil ich erstmals Playouts spiele. Man sollte meine Leistungen aber nicht nur nach Toren und Skorerpunkten beurteilen. Gegen Rapperswil hat meine Linie in jedem Spiel ein Tor erzielt.

 

Sie spielen ungemein engagiert. Wollen Sie es manchmal fast zu gut machen?
Definitiv, ja. Vor allem zu Beginn der Saison war dies der Fall. Damals fixierte ich mich zu stark auf die Skorerpunkte. Ich verlange sehr viel von mir. In der jetzigen Phase ist es wichtig, dass man an den spielfreien Tagen etwas Abstand gewinnt, nicht pausenlos an Eishockey denkt. Ich weiss, wie ich mich ablenken kann.

 

Beispielsweise beim Malen?
Es ist eine meiner Leidenschaften. Wenn ich male, habe ich den Kopf ganz woanders; Siege, Tore, Checks sind weit weg. Eishockey ist nie Thema meiner Bilder.

 

Ihr Freund Roman Josi sorgt derzeit in der NHL für Aufsehen. Fragen Sie ihn ab und zu um Rat?
Wir tauschen uns oft aus. Roman weiss nach wie vor Bescheid, was in der NLA läuft. Ich habe vor, ihn demnächst in Nordamerika zu besuchen. Ein schnelles Saisonende käme mir auch deshalb gelegen.

 

Fata zu den SCL Tigers?

Weiter mit Giovannini: Tigers-Sportchef Köbi Kölliker sagte gestern, es sei kein geeigneter Zeitpunkt, um über das Kader der nächsten Saison zu diskutieren. Er verneinte aber nicht, dass sich Rico Fata auf seinem Radar befindet. Der italo-kanadische Stürmer spielte zuletzt für Servette; aus Genf war zu vernehmen, dass sein Wechsel nach Langnau sehr wahrscheinlich sei. Zwischen 1998 und 2006 bestritt der einstige Erstrundendraft 230 NHL-Spiele.

 

Das Emmentaler Lokalradio Neo1 meldete derweil, dass sich der Verein und Goalie Remo Giovannini auf eine Vertragsverlängerung geeignet haben. phr

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