HC Lugano - SCL Tigers 4:2 (1:2, 0:0, 3:0)

Klasens Klasse und Glück machten den Unterschied

2:4 - Niederlage in Lugano. Die SCL Tigers hätten dieses Spiel eigentlich gewinnen müssen. Doch nach einer weitgehend formidablen Leistung begründet sich die Niederlage mit der Klasse Linus Klasens und weil das Glück diesmal auf der Seite der Gastgeber war.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

Die SCL Tigers boten in Lugano trotz Niederlage eine ihrer besten Saisonleistungen. Hätten sie gewonnen, so wäre es die beste gewesen. Doch in der 41. Minute, also in der ersten Minute des Schlussdrittels liessen sie sich von Luganos Ausländern überlaufen. Mit seinem zweiten Treffer brachte Linus Klasen den Luganesi erneut den Ausgleich. Und gut zwei Minuten später geschah Raffele Sannitz völlig ungewollt via Schlittschuh der Führungstreffer. Weil keine Kickbewegung erkennbar war zählte dieses zufällig zustande gekommene Tor. Von da weg waren die Einheimischen auf der Siegesstrasse, obwohl die Gäste sich nie aufgaben, und einige Male dem aus ihrer Sicht erstmaligen Ausgleich nahe kamen. Doch das Glück liess sich nicht auf die Seite der Langnauer zwingen. Raffaele Sannitz gelang eine Sekunde vor Schluss gar noch der zweite persönliche Treffer zum 4:2. Der Langnauer Kasten war zu diesem Zeitpunkt leer.

Nicht alltäglöiche Affiche heute Abend im Tessin: Nicht, dass es aussergewöhnlich wäre, wenn der Letzte der Tabelle beim Drittletzten antritt, der nach 17 Spielen gerade mal zwei Punkte mehr auf dem Konto hatte. Spiele zwischen Klubs am Tabellenende kommen jede Saison ein paar Mal in manchmal völlig unterschiedlicher Konstellation vor. Speziell ist aber, dass bei einer so engen Konstellation einer der beiden Kontrahenten als haushoher Favorit ins Spiel steigt. Doch wenn wie Lugano ein Team mit Meisterschaftsambitionen einen miserablen Saisonstart hinlegt und dann den Coach wechselt, und es das erste Spiel unter der neuen Führung ist, dann versteht man diese klare Favoritenrolle besser. Das Potential in der Mannschaft ist riesig. Eine auf dem Papier äusserst schlagkräftige Mannschaft, der es bis dato einfach nicht laufen will. Inzwischen sind Patrick Fischer und sein Assistent Peter Andersson entlassen, und heute stand erstmals Doug Shedden bei den Tessinern an der Bande. Neue Besen kehren oft gerade zu Beginn ihrer Amtszeit gut. Sie müssen nämlich gar nicht viel verändern. Es reicht, dass die Spieler wissen, dass nun ein anderer Wind weht, und dass sie sich dem neuen starken Mann möglichst positiv zeigen müssen. Shedden wird mit Sicherheit erst einmal die Palmen- Ferien- und Sünnelimentalität aus den Gliedern seiner Spieler verscheuchen wollen. Und Hand aufs Herz. Einmal muss doch diese Truppe aus Stars mal explodieren. Es gab nicht wenige, die vermuteten, dass nach dem Trainerwechsel die SCL Tigers diejenigen sein könnten, die Opfer einer solchen Explosion würden, und eventuell sogar hoch verlieren könnten.

Doch je länger die Partie dauerte, desto grösser wurden die Augen derjenigen, die einen endeutigen Sieg des haushohen Favoriten erwarteten. Die SCL Tigers dachten nämlich gar nicht daran, sich einfach so abschlachten zu lassen. Sie liessen den Gastgebern kaum Raum, waren immer am Mann, immer aufsässig, immer sofort in der Lücke, wenn es eine zu schliessen galt. Aber sie waren nicht nur defensiv präsent, sondern auch offensiv. Einzelne Druckphasen der Luganesi ausgenommen, hatte Elvis Merzlikins im Lugano Tor mehr zu tun als sein Gegenüber Ivars Punnenovs. Apropos Punnenovs. Sowohl im Cup-Spiel gegen die ZSC Lions als auch in Lugano konnte man erkennen, dass auch der vom Absteiger Rapperswil gekommene, und in der Vorsaison länger verletzte Punnenovs ein guter Torhüter ist. Er lieferte sich mit Merzlikins ein Duell auf hohem Niveau.

Die Langnauer hätten nach dem ersten Drittel höher führen müssen als lediglich mit 2:1. Sven Lindemann auf Zuspiel von Lukas Haas in der 5. Minute zum 0:1 und Thomas Nüssli mit einem satten Schuss nach ausgezeichneter Vorarbeit von Evgeni Chiriaev in der 12. Minute zum 2:1 waren für die Langnauer erfolgreich. In der 8. Minute traf Linus Klasen nach einem sehenswerten Solo zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Doch die Langnauer hatten im Startdrittel die bessern Chancen, und auch im Torlosen Mitteldrittel hielten sie die Führung dank ihrer soliden Leistung und weil sie die Luganesi auch immer wieder in deren Drittel beschäftigten. Auch die Führung nach 40 Minuten ging deshalb vollkommen in Ordnung.

Die SCL Tigers sind nun mit drei Punkten Abstand am Ende der Tabelle. Es müssen dringend Punkte her. Die Natipause wir sicher allen Beteiligten gut tun. Die Mannschaft weiss, dass sie gut genug ist, um das Tabellenende hinter sich lassen zu können. Es braucht nun weiterhin harte Arbeit, damit das Glück schliesslich vermehrt auf die eigene Seite gezogen werden kann. Trotz guter Arbeit war dies bisher nicht oder zu wenig der Fall. Doch harte Arbeit wird sich über die Zeit immer auszahlen. Das Glück wird irgendwann gezwungen. Trotzdem: Die bisher verlorenen Punkte kommen nicht wieder. Doch der rettende 10. Rang ist nur gerade fünf Punkte weg. Ein Klacks!

 

HC Lugano - SCL Tigers 4:2 (1:2, 0:0, 3:0)

Resega Lugano, 5'227 Zuschauer. SR: Prugger/Wiegand, Espinoza/Huggenberger. Tore: 5. S. Lindemann (Haas) 0:1. 8. Klasen (Filppula, Furrer) 1:1. 12. Nüssli (Chiriaev, Rondchetti) 1:2. 41. Klasen (Pettersson, Filppula) 2:2. 43. Sannitz 3:2. 60. Sannitz (Filppula, ins leere Tor) 4:2. Strafen: 4-mal zwei Minuten gegen Lugano, 5-mal zwei Minuten geegen die SCL Tigers.

HC Lugano: Merzlikins; Vauclair, Ulmer; Furrer; Chiesa;¨Kparghai, Hirschi; Sartori, Kienle; Hofmann, Martensson, Brunner; Klasen, Filppula, Pettersson; Reuille, Sannitz, Walker; Fazzini, Morini, Kostner.

SCL Tigers: Punnenovs; Koistinen, Stettler; K. Lindemann, Hecquefeuille; A. Gerber, Weisskopf; Ronchetti, Müller; C. Moggi, Albrecht, S. Moggi; Bucher, DiDomenico, Nüssli; Clark, Gustafsson, Murray; S. Lindemann, Chiriaev, Haas.

Bemerkungen: Lugano ohne Manzato, Bertaggia, Steinmann, Romanenghi. SCL Tigers ohne. Bärtschi, Wyss, Berger (alle verletzt), Gossweiler, Haberstich, T. Gerber, Zryd (alle überzählig).